Leopoldshöherin klagt über hohe Pflegekosten

Rosi Schlender weiß nicht mehr, wie sie den Heimplatz ihres Ehemannes bezahlen soll

Von Julia Mausch

Welche Kosten auf sie zukommen, wenn die Pflegestufe ihres Mannes erhöht wird, darüber hat sich Rosi Schlender beim Kreis informiert und die Dokumente abgeheftet. - © Foto: Mausch
Welche Kosten auf sie zukommen, wenn die Pflegestufe ihres Mannes erhöht wird, darüber hat sich Rosi Schlender beim Kreis informiert und die Dokumente abgeheftet. (© Foto: Mausch)
Leopoldshöhe. Das wünscht sich keiner: Der Partner wird krank, die Versorgung zu Hause ist nicht zu schaffen, die Lösung ein Pflegeheim. Die Kosten sind nicht zu stemmen, lautet die Erfahrung einer Leopoldshöherin.

Als Rosi Schlenders Ehemann Horst Bartel die Diagnose "Alzheimer" erhält, bricht für das Paar eine Welt zusammen. "Ich hatte die Vermutung schon länger, er wurde immer vergesslicher", erinnert sich die 68-Jährige. Ein Arzt bestätigt 2001 ihre Ängste. Acht Jahre pflegte sie den damals 62-Jährigen in der gemeinsamen Wohnung. Anfangs war das kein Problem, die Symptome der Krankheit waren noch nicht stark ausgeprägt – Medikamente verzögerten den Krankheitsverlauf.

Das änderte sich in den folgenden acht Jahren. Der mittlerweile 72-Jährige wurde immer verwirrter und orientierungsloser: "Er fand sich in der Wohnung nicht mehr zurecht, er saß in einer Ecke und machte gar nichts mehr."

Das war der Zeitpunkt, als Rosi Schlender ihren Mann in einem Pflegeheim in Heepen anmeldete. Die Leopoldshöherin war sich sicher, die anfallenden Kosten würden sie und ihr Mann stemmen können, schließlich hatten sie ihr Leben lang in eine Pflegeversicherung eingezahlt.

Doch in der Pflegeeinrichtung folgte eine böse Überraschung: "Da mein Mann in die Pflegestufe II fällt, lagen die Pflegesätze bei 3128 Euro", sagt sie. Einen Teil übernehme die Pflegekasse. "Übrig bleibt dennoch ein Eigenanteil von 1849 Euro im Monat." Zu den zwölf Medikamenten, die Horst Bartel täglich nehmen muss, gehören Präparate mit Zuzahlungen.

Mittlerweile bezieht das Ehepaar eine Rente in Höhe von 3.300 Euro. Heute, zwölf Jahre nach Ausbruch der Krankheit, erkennt Horst seine Frau nicht mehr – seine alte Persönlichkeit ist kaum noch zu erkennen: "Er liegt, starrt die Decke an und nimmt nichts mehr wahr", berichtet Rosi Schlender. Ende des Jahres solle die Pflegestufe erhöht werden. Bedeutet: Der Heimplatz koste dann 3740 Euro, davon übernehme die Pflegekasse 1550 Euro. "Abzüglich der Nebenkosten für die Wohnung und laufender Kosten habe ich dann 89 Euro monatlich zur Verfügung – das ist nicht mal der Sozialhilfesatz."

Die Leopoldshöherin betont, mit der Einrichtung, in der ihr Mann lebt, sei sie zufrieden – aber mit den Kosten nicht. Sie habe Rat bei einem Salzufler Pflegestützpunkt gesucht. "Mir wurde geraten, meinen Mann in Ostdeutschland in einem Heim anzumelden, dort seien die Pflegesätze nur halb so hoch." Zwar ist die Lösung für Rosi Schlender keine Alternative, dennoch geben ihr die Kostenunterschiede zu denken.

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