Das Duo "Schwarze Grütze" feuert in Lügde schelmische Pointen ab

Achim Krause

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„Schwarze Grütze" in Aktion: Stefan Klucke (l.) und Dirk Pursche feuerten ein Feuerwerk des .literarischen Kabaretts im Lügder Klostersaal ab. - © Achim Krause
„Schwarze Grütze" in Aktion: Stefan Klucke (l.) und Dirk Pursche feuerten ein Feuerwerk des .literarischen Kabaretts im Lügder Klostersaal ab. (© Achim Krause)

Lügde. Mehr als zwei Jahrzehnte Gemeinsamkeit sind für ein Duo eine Ewigkeit. In so einer Zeit haben sich die meisten mehrmals verzankt. Nicht so das Musikkabarett „Schwarze Grütze" aus Potsdam. Stefan Klucke und Dirk Pursche haben die Jahre andauernder Nähe offenbar schadlos überstanden und lieferten in ihrem Programm „Das Besteste" (kein Schreibfehler) den amüsanten Beweis dazu im Klostersaal Lügde ab.

Pursche und Klucke brauchen weder Rollen-Parade noch Grimassen-Zirkus oder Bühnen-Firlefanz, um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Als Kapital-Anlagen sind ihre überbordende Kreativität, der schelmisch-schwarze Humor und ihre ungezwungene Präsenz offenbar krisensicher. Spätestens, wenn man diese beiden erlebt hat, ist klar: trotz des Comedy-Hypes – das literarische Kabarett lebt.

„Schwarze Grütze" bietet ein Programm mit Texten, für die sich auch Tucholsky, Kästner und Ringelnatz nicht geschämt hätten. Und glänzend widerlegt wird auch die Behauptung, dass mit findigem Reim und glattem Vers beim fernsehverseuchten Publikum kein Staat zu machen sei. Die Zuhörer im Lügder Klostersaal gerieten unter dem Pointenhagel schier aus dem Häuschen. Die Absurditäten des Alltags lieferten Dirk Pursche und Stefan Klucke die Impulse für entlarvende Parodien, zeitkritischen Witz und kreative Sprachschöpfungen.

Die Scheinwerfer dieser Analyse richteten sich auf die Seele eines Feuerwehrmanns, der vom großen Feuer träumt, oder auf einen Selbstmordkandidaten, dessen beabsichtigter Sprung in die Tiefe durch die Einwirkung von Medien und Nachbarn in eine Inszenierung umschlägt.

Wer in der Schule schon einmal beim Aufsagen von Schillers „Bürgschaft" hängen blieb, wird von der Gedächtnisleistung der „Schwarze-Grütze"-Satiriker besonders beeindruckt gewesen sein. Die eigenen Texte, erleuchtet von schier endlosen Geistesblitzen, werden von beiden Akteuren oftmals synchron rezitiert. Was sich spielerisch anhört, ist das Ergebnis von exakter Koordination und bühnenwirksamer Planung.

Der Satz „Kommt ein Mann zum Arzt mit ’nem „Frosch auf’m Kopf" wurde zum Ausgangspunkt einer langen Reihe von Witzvarianten. Und die artistische Zauberei mit Stab-, Echo- und Schüttelreim animierte auch Zuhörer, sich an Beispielen zu messen wie etwa „Ich gehe in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald."

Der Einsatz von E-Gitarren, Blockflöten und Klavier verdeutlichte die Originalität der Lieder. Die raffinierte Pattern-Montage im Selbstporträt des Säufers („Einer geht noch rein") und der Kommerzrausch des Organspenders („Ich verkaufe eine Niere") waren inspiriert von schwarzem Humor, wie ihn auch Christian Morgenstern liebte.

Am Ende war allen klar: Ein Abend mit den beiden sympathischen Künstlern und das Lachen über ihren Humor – eine bessere und gleichzeitig kostengünstige Therapie lässt sich weit und breit kaum finden!

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