Müllkontrolleure überprüfen Biomüll wieder gründlicher

Manfred Brinkmeier

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Lipper machen das ganz gut: Meist landet wirklich Biomüll in der grünen Tonne. Die Fehlwürfe spürt der „Sheriff" auf, der jetzt in den lippischen Kommunen eingesetzt wird. - © Roland Weihrauch
Lipper machen das ganz gut: Meist landet wirklich Biomüll in der grünen Tonne. Die Fehlwürfe spürt der „Sheriff" auf, der jetzt in den lippischen Kommunen eingesetzt wird. (© Roland Weihrauch)

Augustdorf. Immer häufiger findet sich Müll in der Biotonne, der dort nicht hingehört. Dieser deutschlandweite Trend ist auch im Kreis Lippe festzustellen. Das hat nun die Abfallbeseitigungs-GmbH (ABG) Lippe auf den Plan gerufen. Wie ABG-Geschäftsführer Berthold Lockstedt gegenüber der LZ erklärte, sollen zunächst in Augustdorf und Lügde verstärkt Biotonnenkontrollen erfolgen.

Laut Lockstedt ist das Kompostwerk an der Maibolte in Lemgo im Jahre 2000 eigens zu einer Vergärungsanlage umgebaut worden, um daraus Energie zu gewinnen. Für die Umsetzung der Entsorgungsaufgaben ist die Gesellschaft für Abfallentsorgung Lippe (GAL) verantwortlich. Partner sind zu 49 Prozent das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier und die Müllverbrennungsanlage Bielefeld-Herford sowie zu 51 Prozent die 16 Kommunen sowie der Kreis. Lockstedt: „Denen haben wir eine bestimmte Qualität zugesichert."

Da diese Qualität aber mittlerweile nicht mehr erreicht werde, müsse gegengesteuert werden. Der ABG-Geschäftsführer: „Kontrollen haben gezeigt, dass in vielen lippischen Haushalten zwar richtig sortiert wird. Allerdings wird dieses gute Ergebnis von einigen ,Falschsortierern‘ zunichte gemacht. Wir werden deshalb mit dem heutigen Tage darauf reagieren. Auftaktkommunen werden Lügde und Augustdorf sein."

Wie Regine Lükermann, Abfallberaterin des Kreises Lippe betonte, soll in den Kommunen, in denen die Form der Biotonne es zulässt, verstärkt der „Müllsheriff" – ein automatisches Detektionsgerät am Müllfahrzeug – zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus – und das ist das Neue am jetzigen Vorgehen – werden vier besonders geschulte Mitarbeiter die Biotonnen per Hand kontrollieren. Lükermann: „Im ersten Schritt werden die Kontrolleure bei der falschen Sortierung der Biotonne gelbe Verwarnungskarten vergeben." Hierauf ist neben einer allgemeinen Information auch eine Sortieranleitung für die Biotonne zu finden. Die Adresse desjenigen, der falsch sortiert hat, wird daraufhin erfasst.

Bei Wiederholung der Falschsortierung wird laut der Abfallberaterin die rote Karte vergeben. „Dies bedeutet, dass die Biotonne dann stehen bleibt und nicht geleert wird. Biotonnen, in denen sich nur Restmüll befindet, erhalten gleich die rote Karte. Der Inhalt dieser Tonnen kann entweder nachsortiert werden oder über die Restmülltonne, einen kostenpflichtigen Beistellsack oder die Recyclinghöfe am Kompostwerk Lemgo, beziehungsweise der Deponie Hellsiek bei Detmold entsorgt werden."

Berthold Lockstedt setzt mit dem harten Durchgreifen auf den erzieherischen Effekt: „Es versteht sich von selbst, dass wir Kontrollen in den 16 lippischen Kommunen nicht ankündigen werden. Wer bei der Falschsortierung seiner Biotonne erwischt wird, für den ist das hinterher mit Arbeit verbunden. Unser Ziel ist es deshalb, die Lipper wachzurütteln." Die Stichprobenkontrollen sind dauerhaft vorgesehen. Nach einer gewissen Zeit sollen die Ergebnisse dokumentiert werden, um zu sehen, ob das verschärfte Vorgehen Erfolge zeigt.

Verpackungen sind Störstoffe

Auch der Augustdorfer Bürgermeister Dr. Andreas Wulf beklagt Fehler bei der Sortierung des Biomülls. Er unterstützt deshalb die verschärften Kontrollen seitens der Abfallbeseitigungs-GmbH (ABG) Lippe.Das Gemeindeoberhaupt: „Wir haben als Kommune natürlich Interesse an geringen Gebühren. Es soll dabei nicht die Mehrheit der Bürger für die wenigen zahlen, die sich nicht an Regeln halten wollen. Unsere Hoffnung ist deshalb, dass das härtere Vorgehen der ABG zieht. Wir werden schauen, ob das funktioniert. Ansonsten müssen wir über weitere Schritte nachdenken."

Rote Karte: Dieser Biomüll ist keiner. Wegen der Plastiktüte und der schwer verrottbaren Papiertüten wird er nicht abgeholt. - © Foto: Sabine Lubeley
Rote Karte: Dieser Biomüll ist keiner. Wegen der Plastiktüte und der schwer verrottbaren Papiertüten wird er nicht abgeholt. (© Foto: Sabine Lubeley)

Im Kompostwerk Lemgo ist laut ABG-Geschäftsführer Berthold Lockstedt eine Bioabfallbewertung vorgenommen worden. Es sei dabei darum gegangen, genauere Informationen über die Art der Störstoffe und den Herkunftsbereich zu erhalten. Störstoffe seien neben Plastiktüten vor allem Lebensmittelverpackungen – unter anderem aus Glas und Metall.

Lockstedt weist ausdrücklich darauf hin, dass Plastiktüten grundsätzlich nicht für die Biotonne zugelassen seien.Dies treffe auch auf die biologisch abbaubaren Biobeutel aus nachwachsenden Rohstoffen zu. Selbst bei Temperaturen von mehr als 50 Grad Celsius im Fermenter (Behälter, in dem Mikroorganismen, Zellen oder kleine Pflanzen unter möglichst optimalen Bedingungen kultiviert werden und Abbauprozesse ermöglichen) reichen drei bis vier Wochen nicht aus, um diese Biokunststofftüten ausreichend zu zersetzen.

Der ABG-Geschäftsführer: „Grundsätzlich gehören verpackte Lebensmittel, die entsorgt werden sollen, nicht in die grüne Tonne, sondern in den Restmüll. Ein Teil der Störstoffe wird bei der Aufbereitung im Kompostwerk Lemgo zwar abgeschieden. Dies verursacht allerdings hohe Kosten. Zudem sind immer wieder auch teure Reparaturen die Folge. Beides muss über die Abfallgebühren finanziert werden."

Hochwertiger Kompost lasse sich nur dann aus Bioabfällen erzeugen, wenn diese keine Fremdstoffe enthalten. Für die grüne Tonne seien Küchenabfälle, Gartenabfälle, Kleintierstreu (Hamsterwolle und Katzenstreu) sowie kleine Papierreste wie Papiertaschentücher und Küchenkrepp geeignet. Nicht hinein gehören unter anderem Zigarettenkippen, Altpapier, Medikamente, Wegwerfwindeln, Textilien, Zigarettenasche und Staubsaugerbeutel sowie Hundekot.

Ansprechpartnerin für Fragen zur Hausmüllentsorgung in Augustdorf ist im Rathaus Adina Schier, Tel. 05237-9710-64, E-Mail: 
adina.schier@augustdorf.de. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 12.30 Uhr sowie Donnerstag zusätzlich 14 bis 17 Uhr.


"Allgemeinheit badet es aus"

Kommentar von Manfred Brinkmeier

Es ist traurig aber wahr: Die Sortierqualität beim Bioabfall lässt leider zunehmend nach. Und das hat unerfreuliche Folgen für uns alle. Die Allgemeinheit muss für die Minderheit der „Falschsortierer" über die Gebührenschiene zusätzlich ins Portemonnaie greifen. Das Vorgehen der Abfallbeseitigungs-GmbH (ABG) Lippe, die ab heute verschärfte Geschütze auffährt, ist vor diesem Hintergrund genau richtig. Wenn die nun eingesetzten Biotonnenkontrolleure fündig werden, zeigen sie zunächst die Gelbe und im Wiederholungsfall die Rote Karte.

Für die Verursacher folgt die Strafe auf dem Fuß: Die grüne Tonne wird nicht entleert. Dabei unternimmt die ABG im Vorfeld alles, um eine Falschsortierung zu verhindern. Sie stellt den Bürgern über die Abfuhrkalender alle denkbaren Informationen zur Verfügung. Jeder Einzelne von uns hat die vielfältigsten Möglichkeiten, seinen Müll korrekt abzugeben. Niemand muss also mit irgendwelchen Ausreden kommen.

Bleibt allerdings noch das Problem „Biofolienbeutel", die ebenfalls nicht in die grüne Tonne gehören. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dem Handel, der dieses Produkt auf den Markt bringt, die Rote Karte zu zeigen. Angaben wie „100 Prozent kompostierbare Folie" oder „Zur Sammlung in der Biotonne geeignet", die den Verbraucher derart hinters Licht führen, gehören verboten.


Biomüll:

  • Obstabfälle
  • Zitrusfrüchte
  • Kaffee- und Teesatz
  • Gartenabfälle
  • Unkräuter
  • Blumen
  • Topfplanzen
  • Gemüseabfälle
  • Feste Essensreste

Kein Biomüll:

  • Kehricht
  • Asche
  • Zigarettenkippen
  • Plastiktüten
  • Biofolienbeutel
  • Staubsaugerbeutel
  • Windeln
  • Hausmüll
  • Verpackungen
  • Hundekot

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