Der Lügder Dr. Martin Stumpe arbeitet bei der Nasa im "Silicon Valley"

Auf der Suche nach der zweiten Erde

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Auf der Suche nach neuen Planeten - © Lügde
Auf der Suche nach neuen Planeten (© Lügde)

Lügde/San Francisco. Mit einem hochintelligenten Weltraumteleskop neue Planeten entdecken: Was klingt wie die Handlung eines Science-Fiction-Films, ist die tägliche Aufgabe von Dr. Martin Stumpe. Der gebürtige Lügder arbeitet für die Kepler-Mission der National Aeronautics and Space Administration (Nasa) im "Silicon Valley".

Ein kurzes Knacken und Rauschen, dann steht die Skype-Verbindung über den großen Teich. In seinem kleinen Apartment unweit der San Francisco Bay Area sitzt Dr. Martin Stumpe vor seinem Computer. Im LZ-Interview erzählt er über seinen ungewöhnlichen Arbeitsplatz.

Herr Stumpe, wie kommt man als gebürtiger Lügder zur US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt?

Information
Fernrohr im All:
Kepler ist ein Weltraumteleskop der Nasa, das im März 2009 ins All geschossen wurde. Es soll Planeten suchen, die nicht unserem Sonnensystem angehören. Benannt ist das Projekt nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler, der als erster die Gesetzmäßigkeiten der Planetenumlaufbahnen erkannte. Seit Missionsbeginn wurden 1.235 Planetenkandidaten ermittelt. Mehr Informationen gibt es unter www.kepler.nasa.gov im Internet.

Dr. Martin Stumpe: 2003 habe ich meinen Doktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie gemacht. 2010 bin ich dann zu Forschungszwecken an die Universität von Stanford in Kalifornien gewechselt. Hier habe ich mich verstärkt mit der Maschinenintelligenz und der Entwicklung entsprechender Software beschäftigt. Ich habe dabei ein Programm entwickelt, welches Objekte erkennen und interpretieren kann. Etwa wie Ameisen in einem Ameisenhaufen agieren.

Dr. Martin Stumpe an seinem Arbeitsplatz bei der Nasa im "Silicon Valley", wo er bei der Kepler-Mission arbeitet. - © Foto: privat
Dr. Martin Stumpe an seinem Arbeitsplatz bei der Nasa im "Silicon Valley", wo er bei der Kepler-Mission arbeitet. (© Foto: privat)

Wie entstand dann der Kontakt zur Nasa?

Stumpe: Ein Bekannter aus dem Nachbarlabor kam im Herbst 2010 auf mich zu. Die Nasa suchte in dieser Zeit einen Experten auf diesem Gebiet. Nach einer schriftlichen Bewerbung sowie einem telefonischen und persönlichen Interview hatte ich die Stelle.

In welchem Bereich sind Sie dort tätig?

Stumpe: Ich arbeite bei der Kepler-Mission, wo nach bewohnbaren Planeten geforscht wird. Kreist ein Planet um eine Sonne, wirft er für eine sehr kurze Zeitspanne einen kleinen Schatten auf die Sonne. Das können wir sehen. Durch weitere Berechnungen können wir dann Aussagen zu der Entfernung und damit verbundenen Merkmalen wie Atmosphäre oder Temperatur treffen. Ziel ist es aber nicht nur, erdähnliche Planeten zu finden, sondern auch die Entstehung unseres eigenen Sonnensystems besser zu verstehen.

Was genau ist hierbei Ihre Aufgabe?

Stumpe: Ich entwickle Algorithmen, die die Störeffekte aus den von Kepler gesendeten Daten herausfiltern. Das ist ungefähr so, als müsse man vor den Scheinwerfern eines weit entfernten Autos eine Mücke vorbeifliegen sehen.

Haben Sie denn schon den "Heiligen Grahl", also eine zweite Erde, entdeckt?

Stumpe: Das Teleskop beobachtet etwa 150.000 Sterne kontinuierlich. Mit Kepler-22 b haben wir im Dezember den bisher erdähnlichsten extrasolaren Planeten entdeckt. Der ist aber rund 600 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Wie stehen die Chancen, eine echte zweite Erde zu ent-
decken?

Stumpe: Sehr gut. Es wäre eher überraschend, wenn wir keine finden würden. In diesem Jahr könnten weitere sehr interessante Ergebnisse präsentiert werden. Und auch, wenn ich diese Planeten, so wir denn welche finden sollten, nicht mehr selbst betreten werde, bin ich doch schon froh, bei der Mission dabei zu sein.

Klingt nach einem echten Traumjob.

Stumpe: Doch, das könnte man so sagen.

Gibt es denn auch etwas, was Sie vermissen?

Stumpe: Ich habe hier zwar eine Freundin, die ebenfalls aus Deutschland stammt, aber aufgrund der gerade einmal 15 Urlaubstage im Jahr ist es natürlich schon schwer, mal nach Hause zu kommen oder Freunde zu besuchen. Aber mit den modernen Kommunikationsmitteln geht das schon recht gut.

Wie stehen die Chancen einer baldigen Rückkehr nach Deutschland?

Stumpe: Die Kepler-Mission läuft noch bis 2016 und die Wahrscheinlichkeit, dass sie verlängert wird, stehen nicht schlecht. Mal sehen, was so passiert.

Das Interview führte LZ-Mitarbeiter Justin Blum.

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