Streit um Hellweg-Klinik: Verdi wirft dem DRK Wortbruch vor

Gunter Held

  • 0
Neuer Betreiber: Seit dem 1. Februar sind nicht mehr die Johanniter zuständig. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt jetzt die Landeseinrichtung in den Räumen der ehemaligen Hellweg-Klinik nahe des Segelflugplatzes. Dass die Einrichtung besenrein übergeben werden musste, stößt auf heftige Kritik. - © Karin Prignitz
Neuer Betreiber: Seit dem 1. Februar sind nicht mehr die Johanniter zuständig. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt jetzt die Landeseinrichtung in den Räumen der ehemaligen Hellweg-Klinik nahe des Segelflugplatzes. Dass die Einrichtung besenrein übergeben werden musste, stößt auf heftige Kritik. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Eigentlich war alles unter Dach und Fach. Jens Ortmann, Verdi-Gewerkschaftssekretär, hatte mit seinen Mitstreitern gegen die DRK Betreuungsdienste Westfalen-Lippe, die die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hellweg-Klinik betreiben, einen Kompromiss erzielt, mit dem er und die Beschäftigten leben konnten. Doch jetzt rudert die DRK-Gesellschaft zurück.

Die eigens vom Roten Kreuz für das Betreiben von Flüchtlingsunterkünften gegründete Gesellschaft hatte ihre Mitarbeiter nach dem Tarif für das Hotel- und Gaststättengewerbe (Dehoga) bezahlt. Verdi-Chef Frank Bsirske war „einigermaßen fassungslos", als er im April davon hörte und schaltete sich ein.

Es gab dann auch Gespräche, in denen Jana Biesenbach, Geschäftsführerin der DRK Betreuungsdienste Westfalen-Lippe, schließlich zustimmte, den Dehoga-Tarifvertrag auf den DRK-Reformtarifvertrag umzustellen. Dieser ist dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ähnlich. Das bestätigte Biesenbach in einer E-Mail an diese Zeitung.

Davon ist nun keine Rede mehr. Wie Jens Ortmann auf Anfrage mitteilte, sei Verdi telefonisch informiert worden, dass die Anwendung des DRK-Reformtarifvertrages von der Betreuungsgesellschaft nicht mehr gewollt sei. Stattdessen sollen nur die Gehälter an die Werte des Reformtarifvertrages angeglichen werden.

Zuschläge, Zulagen, Altersversorgung und andere Leistungen aus dem Reformtarifvertrag sollten explizit nicht eingeführt werden. „Das ist dann zu teuer", zitiert Ortmann aus dem Telefonat mit Geschäftsführerin Biesenbach.

Ob die Vorstellungen der Betreuungsgesellschaft für beide Flüchtlingsunterkünfte – die eine in Oerlinghausen, die andere in Bielefeld-Oldentrup – gelten sollen, konnte noch nicht geklärt werden. Jana Biesenbach und Pressesprecherin Ina Ludwig kündigten Informationen für Anfang kommender Woche an.

Ortmann bezeichnet die Aussagen Biesenbachs als „Wortbruch", zumal der Wirtschaftsplan der Betreuungsdienste für das Jahr 2017 einen Gesamtüberschuss in Höhe von 2,2 Millionen Euro und für die Einrichtung in Oerlinghausen immerhin noch 213.000 Euro vorsieht.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!