„Ein Sozialarbeiter muss sich kümmern“

Engagement: Seit Oktober gibt es den Ankommens-Treff für anerkannte Flüchtlinge. Ehrenamtliche engagieren sich und wünschen sich zusätzlich fachliche Unterstützung von der Stadt

Karin Prignitz

Willkommen: Der Ankommens-Treff in einem Raum des Bürgerhauses steht Menschen zur Verfügung, die derzeit aus anderen Ländern in Oerlinghausen ankommen. Anke Diekmann (links) und Annemarie Rodekamp gehören zu den ehrenamtlichen Ansprechpartnern, die sich um die Anliegen der Geflüchteten kümmern. - © Karin Prignitz
Willkommen: Der Ankommens-Treff in einem Raum des Bürgerhauses steht Menschen zur Verfügung, die derzeit aus anderen Ländern in Oerlinghausen ankommen. Anke Diekmann (links) und Annemarie Rodekamp gehören zu den ehrenamtlichen Ansprechpartnern, die sich um die Anliegen der Geflüchteten kümmern. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Die Zahl der Flüchtlinge, die der Stadt von der Bezirksregierung Arnsberg zugewiesen werden, hat sich in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Seit Ende September seien 40 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Albanien und dem Iran angekommen, bestätigt Michael Horn, Leiter des Fachbereichs Soziales im Rathaus.

Um den Menschen, die die Sprache nicht sprechen und die mit den kulturellen Gegebenheiten nicht vertraut sind, zur Seite zu stehen, gibt es seit 2016 einen „Ankommens-Treff“. Mangels Flüchtlingen war er eine Weile inaktiv, seit Anfang Oktober ist er donnerstags von 10 bis 12 Uhr wieder geöffnet. Die Stadt hat dafür einen Raum neben dem Bürgerhaus zur Verfügung gestellt. Finanziert werde der Treff über ein Landesprogramm, so Horn.

Beim Treffen der Talente-Tauschbörse haben jetzt die beiden Ehrenamts-Koordinatorinnen Anke Diekmann und Annemarie Rodekamp von der Arbeit des Treffs berichtet. „Neben dem ehrenamtlichen Einsatz muss es dringend einen Sozialarbeiter geben, der sich kümmert“, sagen sie – wie es in Leopoldshöhe der Fall sei. „Dort hat man schnell reagiert.“

Man werde sich kümmern müssen, räumt Horn ein, aber: „Darüber ist noch nicht im Detail gesprochen worden.“ Die zusätzliche Einstellung eines Sozialarbeiters sei auch eine politische Entscheidung.

Anke Diekmann hat bereits in der Unterkunft am Flugplatz unter den Johannitern als soziale Fachkraft gearbeitet. Im Ankommens-Treff verteilt die 51-Jährige die Arbeit an die Ehrenamtlichen. Nach den Deutsch-Kursen habe es regelmäßig viele Fragen zu alltäglichen Dingen gegeben, erzählt sie. Bankkarte und Krankenversicherung müssten beantragt, der Pass verlängert, Briefe von Behörden erklärt werden. Für all das bräuchten die Menschen Unterstützung – ein großer Aufwand. Jeder Ehrenamtliche sei rund 20 Stunden im Monat allein mit Fahrdiensten beschäftigt, etwa zu Behörden. Sieben Freiwillige sind aktiv, weitere werden gesucht. Weil viele Flüchtlinge mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten oder die familiäre Situation unklar sei, müsse zudem ein geschulter Sozialarbeiter her.

Mit den Flüchtlingen in der einstigen Hellweg-Klinik habe der Ankommens-Treff nichts zu tun, betonten die beiden Frauen. „Im Treff geht es nur um anerkannte Flüchtlinge.“ 15 bis 17 Personen kommen derzeit regelmäßig. Insgesamt leben laut Michael Horn aktuell 81 anerkannte Flüchtlinge in der Bergstadt, außerdem 43 Asylbewerber, die noch auf ihre Anerkennung warten. Bisher hätten fast alle in Wohnungen untergebracht werden können. „Ab 2018 dürften wir aber an unsere Grenzen kommen.“

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Stadt erwartet weitere Zuweisungen

Zugewiesene Flüchtlinge haben eine sogenannte Wohnsitzauflage. Das bedeutet laut Michael Horn, dass sie ihren Wohnsitz nicht frei wählen dürfen, sondern mindestens drei Jahre lang in der von der Bezirksregierung zugeteilten Stadt bleiben müssen. Vor dieser seit dem Sommer 2016 gültigen Regelung seien die Bewohner der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in der einstigen Klinik am Hellweg zu 100 Prozent angerechnet worden, nach der Gesetzesänderung seien es ab dem 1. Juli nur noch 75 Prozent gewesen. "Die Quote ab dem 1. Januar 2018 wird 50 Prozent betragen", so Horn, der von weiteren Zuweisungen ausgeht.

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