Veränderung in Leopoldshöhe in bewegten Bildern

Karin Prignitz

  • 0
Besuch: Erich Kleszewski im Büro von Bürgermeister Dirk Becker. Mitgebracht hat der 92-Jährige einige seiner Filme, die er auf DVD überspielt hat. Foto: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Besuch: Erich Kleszewski im Büro von Bürgermeister Dirk Becker. Mitgebracht hat der 92-Jährige einige seiner Filme, die er auf DVD überspielt hat. Foto: Karin Prignitz (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Wie viele Stunden er seinerzeit damit verbracht hat, alle wichtigen Etappen beim Bau des 492 Meter langen Tunnels durch den Menkhauser Berg im bewegten Bild festzuhalten, das vermag Erich Kleszewski kaum mehr zu sagen. Einige Hundert werden es ganz sicher gewesen sein. Das Großprojekt ist nicht das einzige, das der Hobbyfilmer als wichtiges Dokument geschaffen hat.

Im kommenden Februar wird Erich Kleszewski 93 Jahre alt. Sein heimisches Archiv in Greste hat sich im Verlaufe von drei Jahrzehnten gefüllt. Nicht nur den Wandel der Bergstadt hat er auf Film gebannt, auch die Veränderungen in Leopoldshöhe über die Jahrzehnte hat er so dokumentiert.

Gerne würde der gebürtige Ostpreuße wenigstens die Wichtigsten seiner Videofilme in guten Händen wissen. Das ist sein Herzenswunsch. Sicherlich 500 Kassetten, das schätzt sein Sohn Olaf Kleszewski (65) habe sein Vater im heimischen Videozimmer stehen. Alle akkurat nummeriert und sortiert. Einige von ihnen, auf DVD gebrannt, hat er jetzt Bürgermeister Dirk Becker übergeben.

Ein Film über die neue Spitze, die die Evangelisch-reformierte Alexanderkirche im Jahr 2002/2003 bekommen hat, ist dabei, ein anderer von den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Oerlinghauser Bahnhofs in Asemissen.

Auch die Arbeit der lippischen Feuerwehren hat Erich Kleszewski immer wieder gefilmt und noch so vieles mehr. Er hofft, dass ein Großteil davon einmal archiviert wird und damit erhalten bleibt. Sein Film über den Tunnelbau ist bereits an das Landesarchiv in Detmold gegangen.

Über die gesamte Bauzeit von rund vier Jahren habe sein Vater, der als gelernter Pflasterer lange im Straßenbau tätig gewesen sei, damals die Fortschritte mit der Kamera begleitet, berichtet Olaf Kleszewski. Auf diese Weise sei er mit den Bauingenieuren ins Gespräch gekommen. „Immer, wenn ein neues Projekt im Tunnel begonnen hat, haben sie ihn angerufen." Dann bekam Erich Kleszewski Jacke und Helm. „Er durfte sich dort frei bewegen und filmen."

Die Leidenschaft für das Filmen erwachte bei Erich Kleszewski erst im Ruhestand. Immer nur spazieren gehen, das war ihm zu langweilig. Und seine Frau Irmgard, die er einige Jahre lang bis zu ihrem Tode im April 2015 hingebungsvoll gepflegt hat, drängte ihren Mann, sich ein Hobby zu suchen, das ihn ausfüllt.

Durch Zufall stieß der damals 60-Jährige auf die Video-Filmerei. Bei der Volkshochschule eignete er sich die wichtigsten Grundlagen an und konzentrierte sich fortan auf die Bau- und Vereinsaktivitäten in Leopoldshöhe und Oerlinghausen. Mischpult, Fernseher, Videorekorder, all das komplettierte die Ausstattung. Die Filmerei wurde zum neuen Lebensinhalt.

Nach dem Tode seiner Frau, mit der Erich Kleszewski 69 Jahre verheiratet war, fasste er den Entschluss, seine Filmaufnahmen an Menschen weiterzugeben, die sie zu schätzen wissen. Einige davon sind jetzt im Oerlinghauser Rathaus angekommen. Und Dirk Becker, der könnte sich vorstellen, dass die eine oder andere Szene irgendwann auf der Stadtseite zu sehen sein wird.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!