Kriminalität in der Südstadt: Stadt und Polizei stehen Rede und Antwort

Gunter Held

Bürgermeister Dirk Becker (v. l.), Christian Weicht, Leiter Prävention und Opferschutz (im blauen Oberhemd), Jürgen Schnelle, Wachleiter Lage und Oerlinghausen, und Polizeipressesprecher Uwe Bauer. - © Gunter Held
Bürgermeister Dirk Becker (v. l.), Christian Weicht, Leiter Prävention und Opferschutz (im blauen Oberhemd), Jürgen Schnelle, Wachleiter Lage und Oerlinghausen, und Polizeipressesprecher Uwe Bauer. (© Gunter Held)

Oerlinghausen. Die Anzahl der Stühle im Saal des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses reichte bei weitem nicht: 90 Plätze gab es, 160 Besucher wollten am Infoabend der Stadt zum Thema Sicherheit in der Südstadt teilnehmen. Wie berichtet, fühlen sich die Anwohner dort nicht mehr sicher, seit die Kriminalitätsrate in die Höhe geschnellt ist. Um zu informieren und Vorurteilen abzubauen, aber auch, um Ängste und Ärger zu kanalisieren, hatte Bürgermeister Dirk Becker ins Bonhoeffer-Haus eingeladen.

Christian Weicht, Leiter der Abteilung Prävention und Opferschutz bei der Kreispolizeibehörde Detmold, Polizeisprecher Uwe Bauer, Jürgen Schnelle, Leiter der Wache in Lage, und Jörg Kuhlemann, Bezirksbeamter in Oerlinghausen, standen Rede und Antwort. „Einbrüche hat es zwar schon immer gegeben, aber jetzt werden sie in Zusammenhang gestellt mit der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE)", sagte Becker.

Dabei seien die Oerlinghauser mit den Flüchtlingen in der ehemaligen Hellweg-Klinik gut zurechtgekommen. Erst seit dort Menschen ohne Bleibeperspektive untergebracht seien, hätten sich die Probleme verschärft. In einer Resolution hat der Rat die Landesregierung aufgefordert, dies zu ändern (die LZ berichtete). Weicht erklärte, dass er Zahlen und Fakten nennen werde, soweit aus ermittlungstaktischen Gründen möglich. Vom 1. Oktober 2017 bis zum 13. Februar habe es in der Südstadt 32 Wohnungseinbrüche und Einbruchsversuche gegeben, im Bokelfenn sechs.

Im Vorjahreszeitraum seien es lediglich fünf gewesen. Alle jedoch seien in der Umgebung der ZUE passiert. Wiederholt machte er darauf aufmerksam, dass man den Polizeiruf 110 wählen solle, wenn einem etwas komisch vorkomme. Das bekräftigte auch Pressesprecher Uwe Bauer. „Wir nennen die 110 schon gar nicht mehr Notruf, sondern Polizeiruf." Viele Bürger hätten noch Hemmungen, die 110 zu wählen, weil sie der Ansicht seien, dann den Notruf zu blockieren. Dem sei aber nicht so.

Ein Besucher wollte wissen, ob er der Polizei Fotos übergeben dürfe, die er von verdächtigen Personen auf seinem Grundstück gemacht habe. Weicht bejahte, wies aber zugleich darauf hin, dass diese nicht zum Beispiel in sozialen Medien veröffentlicht werden dürften. Das sei ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Abgebildeten – und strafbar.

Weicht informierte, dass die Ermittlungskommission ZUE von Lage nach Detmold verlegt und personell verstärkt werde. „Wir versuchen, über das Landeskriminalamt weitere Kollegen zu bekommen", sagte er. Jürgen Schnelle, Wachleiter aus Lage, verwies darauf, dass die Personaldichte der Polizei im Kreis Lippe die geringste in NRW sei, weil es hier besonders sicher sei. Weil Polizisten aus ganz Lippe nach Lage verlagert würden, sei man aber schnell vor Ort, wenn ein Polizeiruf eingehe – was die Besucher bestätigten.

Als Ergebnis des Abends kündigte Becker die Bildung von Arbeitsgruppen an, in denen Polizei und Bürger direkt zusammenarbeiten sollen.

Information
Unter der E-Mail-Adresse sicherheit@oerlinghausen.de können Bürger ihre Anliegen zum Thema Sicherheit an die Verwaltung richten.

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