Rat informiert sich über muslimische Gräberfelder

Das Recht der Toten auf Heimat

veröffentlicht

Oerlinghausen (guh). Multinationalität ist auch in der Bergstadt längst selbstverständlich. Angehörige von mehr als 70 Nationen leben in der Stadt. Viele von ihnen sind muslimischen Glaubens. So integriert sie zu Lebzeiten auch sein mögen, wenn diese Mitbürger sterben, beginnen für die Zurückgebliebenen die Probleme.

Denn obwohl die Friedhöfe der Stadt nicht an Konfessionen gebunden sind, richtet sich die Friedhofssatzung am christlichen Glauben aus. Eyüp Odabasi, Ratsherr der Grünen in Bünde, informierte am Donnerstag den Oerlinghauser Rat über die Möglichkeit ein muslimisches Gräberfeld einzurichten. Die Grünen-Fraktion hatte den Vortrag mit einem Antrag Ende 2011 initiiert. "Man muss sich mit diesem Thema beschäftigen", sagte Thomas Reimeier gegenüber der Zeitung. "Es gewinnt zunehmend an gesellschaftlicher Relevanz und es ist für alle Beteiligten ungewohnt und neu."

"Heimat ist dort, wo die Verwandten bestattet sind", hatte Odabasi seinen Vortrag überschrieben. Grundsätzlich gebe es keinen Grund, nicht ein muslimisches Gräberfeld auf einem bestehenden Friedhof einzurichten. Allerdings seien einige Dinge zu beachten. So würden verstorbene Muslime mit dem Kopf Richtung Mekka, also in südöstlicher Ausrichtung, bestattet.

Außerdem sind bei den Muslimen Särge verpönt. Sie bestatten ihre Toten in Leichentücher gehüllt. Und ein Grab ist für sie ewig, dass heißt, dass es für die Ruhezeiten, die in Oerlinghausen zwischen 30 und 50 Jahren liegen, eine Verlängerungsmöglichkeit geben müsse.

Auf einem solchen Gräberfeld dürften keine Bilder oder Skulpturen aufgestellt werden, die Lebewesen darstellen. Um diesen Kriterien Raum zu bieten, sei es sinnvoll, das muslimische Gräberfeld beispielsweise durch Hecken abzugrenzen. Das würde nicht eine Ghettoisierung nach dem Tod bedeuten, sondern vielmehr die unterschiedliche Spiritualität der Konfessionen berücksichtigen.

Sollte die Einrichtung solch eines Gräberfeldes in Erwägung gezogen werden, sei es wichtig, "das Thema im Dialog zwischen Muslimen, der Kirche und der Politik voranzutreiben", sagte Odabasi. Die muslimischen Gemeinden in Brackwede und Lage würden sich als Vermittler anbieten. Die ev.-ref. Kirche verwaltet die Friedhöfe in Oerlinghausen und Helpup. Pastor Klaus Sommer ist einem Gräberfeld gegenüber offen. Bisher gab es aber noch keine Anfrage.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2014
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.