Rechtsradikale nutzten TuS Helpup-Sportplatz für Fußballturnier

"Der Vorstand distanziert sich"

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Rechtsradikale hatten den Sportplatz der TuS Helpup für ein Fußballturnier genutzt. - © Foto: Privat
Rechtsradikale hatten den Sportplatz der TuS Helpup für ein Fußballturnier genutzt. (© Foto: Privat)

Oerlinghausen. Als der Vorsitzende der Turn- und Sportlust (TuS) Helpup an einem Samstag oder Sonntag im Sommer vor zwei Jahren mit seinem Hund spazieren ging, wollte er eigentlich nur den schönen Sommertag genießen. Wie so oft ging er auch an diesem Tag am Sportplatz vorbei. Schlagartig war ihm die gute Sommerlaune verhagelt. "Ich habe gesehen, dass auf unserem Sportplatz die Glatzen gespielt haben." Er meinte damit eine Gruppe Rechtsradikaler, die auf dem TuS-Gelände ein Fußballturnier veranstalteten.

Wie diese Zeitung jetzt nach langwierigen Recherchen erfuhr, war es nicht das erste Turnier, das auf dem Helpuper Sportplatz veranstaltet wurde. Bereits 2009 organisierte die ostwestfälische Abteilung der Gruppe "Road Crew 24", der auch ein Helpuper Neonazi angehört, ein Fußballturnier. Damals betrieb die Road Crew OWL ein eigenes Clubhaus im benachbarten Lage-Billinghausen, was auch ein Beamter des Staatsschutzes in Bielefeld bestätigte. Darüber berichtet auch die antifaschistische Zeitschrift "Lotta" in ihrer Herbstausgabe.

Das Fußballturnier sei nicht offiziell angemeldet worden, sagt der damalige Vorsitzende der Fußballabteilung der TuS im Gespräch. "Wir wussten nichts von Rechtsradikalen", sagt er und bezieht sich auf das Turnier im Jahre 2010. Von einer Veranstaltung ein Jahr zuvor wisse er nichts. "Wir haben freie Anfahrtswege, und nur der Hauptplatz ist abgeschlossen", sagt der ehemalige Funktionär und vermutet, dass die Rechtsradikalen den Platz einfach ungefragt genutzt haben.

Dass es keine Anfrage im Jahr 2010 gab, bestätigt auch der Vorsitzende der TuS. "Wenn ich davon gewusst hätte, dann hätte die Veranstaltung nicht stattgefunden." Nachdem er die Neonazis hat spielen sehen, setzte er eine Aussprache darüber sofort auf die Tagesordnung der nächsten Vorstandssitzung. "Der gesamte Vorstand hat sich ganz klar von den Rechtsradikalen distanziert und die Veranstaltung verurteilt. Vom Vorstand ist niemand in die Sache involviert gewesen." Allerdings sagt er auch, dass der damalige Leiter der Fußballabteilung über das Turnier informiert gewesen sei und die Rechten versprochen hätten, sich "ordentlich zu benehmen". Trotzdem sei solch ein Turnier für ihn nicht zu akzeptieren gewesen. "So etwas unterstütze ich nicht, auch nicht als Jugendturnier."

Dass sie unerwünscht sind, hat wohl auch die Road Crew mitbekommen, denn 2011 fand in Helpup kein Turnier mehr statt.

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