Diabetes-Kind findet Kindergartenplatz in Oerlinghausen

Pflegedienst kontrolliert Ameleyas Blutzuckerpegel dreimal täglich

Von Karin Prignitz

Ameleya kuschelt sich an ihre Mutter Nadine Genth. Um die Hüfte trägt die Fünfjährige einen Gürtel, in dem sich die Insulinpumpe befindet. Sie ist mit einem Schlauch unter Ameleyas Haut verbunden. - © Foto: Prignitz
Ameleya kuschelt sich an ihre Mutter Nadine Genth. Um die Hüfte trägt die Fünfjährige einen Gürtel, in dem sich die Insulinpumpe befindet. Sie ist mit einem Schlauch unter Ameleyas Haut verbunden. (© Foto: Prignitz)

Oerlinghausen. Ameleya ist ein aufgewecktes Kind. Die Fünfjährige hat Diabetes. Eine Herausforderung für die Eltern. Denn die hatten Probleme, einen Kindergarten für das Mädchen zu finden.

In zwei Einrichtungen hatte Ameleyas Mutter die Information bekommen: "Wir trauen es uns nicht zu." Jetzt geht Ameleya in den katholischen St.-Michael-Kindergarten.

Ablehnen können hätten die anderen Kindergärten Ameleya zwar nicht, stellt Nadine Genth klar. Als Eltern müsse man sich aber doch die Frage stellen, ob man sicher sein kann, dass das Kind entsprechend aufmerksam betreut wird. "Gerade bei offenen Konzepten, in denen die Kinder auch mal die Gruppen wechseln, sind extreme Absprachen notwendig." Insbesondere bei den stark schwankenden Blutzuckerwerten von Ameleya.

Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag ist die Krankheit festgestellt worden: Diabetes, Typ I. Ameleyas Blutzuckerwert betrug 800. "Normal sind 60 bis 120", erläutert Nadine Genth. "Die Diagnose war ein Schock." Vor allem die  Erkenntnis: Das bleibt und geht nicht wieder weg.

Regelmäßig messen, Katheter setzen, auch, wenn die Tochter sich wehrte, lernen, worauf es ankommt, das Essen abwiegen: Für Nadine Genth und ihren Mann Holger veränderte sich das Leben drastisch. Der Tagesablauf erfordert sehr viel Konzentration.

Auch im Kindergarten, den Ameleya seit drei Jahren besucht. "Ein U 3-Kind mit Diabetes, das war schon etwas Besonderes", erinnert sich Leiterin Andrea Korte. Die Erzieherinnen mussten sich auf die besonderen Umstände einstellen. Ist Ameleya plötzlich müde oder überdreht, ist sie still und blass? "Wir müssen sie immer im Blick haben, um schnell reagieren zu können", sagt Andrea Korte. Sie und ihre Kolleginnen haben sich schulen lassen.

Schon jetzt hat sich die Situation ein wenig entspannt. "Seit November kommt dreimal täglich der Pflegedienst des Evangelischen Altenzentrums in den Kindergarten." Viele Telefonate hat es Nadine Genth gekostet, jemanden zu finden, der nicht nur mit Senioren, sondern auch mit Kindern arbeitet.

Andrea Korte hat beim Landschaftsverband einen Antrag auf Integration und zusätzliche Personalstunden gestellt. Im Dezember. "Bis jetzt habe ich noch keine Antwort bekommen."

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