Siegfried Klose geht auf die Barrikaden

Oerlinghauser baut 5,50 Meter großes Schild und protestiert gegen den geplanten Bau eines Marktes

Von Karin Prignitz

Siegfried Klose wohnt am Ginsterweg. Direkt hinter seinem Haus sollen Parkplätze, der Rewe-Markt und eine Lärmschutzmauer entstehen. So zeigen es die Pläne. Der 70-Jährige ist empört und hat eine Konstruktion gebaut, die so hoch ist wie die geplante 5,50 Meter hohe Oberkante des Marktes. - © Foto: Prignitz
Siegfried Klose wohnt am Ginsterweg. Direkt hinter seinem Haus sollen Parkplätze, der Rewe-Markt und eine Lärmschutzmauer entstehen. So zeigen es die Pläne. Der 70-Jährige ist empört und hat eine Konstruktion gebaut, die so hoch ist wie die geplante 5,50 Meter hohe Oberkante des Marktes. (© Foto: Prignitz)

Oerlinghausen. "Mauerbau im Wohngebiet" steht auf dem roten Schild, das Autofahrern und Spaziergängern von der Holter Straße aus entgegen leuchtet. Darunter: "SPD-FDP und Brinkmxxx."

Siegfried Klose möchte mit dieser Aktion darauf aufmerksam machen, was den Anwohnern bevorsteht, wenn der Rewe-Markt auf dem Höhne-Gelände in der Südstadt entstehen sollte.

Der 70-jährige Bewohner eines Zweifamilienhauses am Ginsterweg gehört mit Frau und erwachsener Tochter zu den von der geplanten Baumaßnahme unmittelbar Betroffenen. Klose hat das weithin sichtbare Schild auf einer Konstruktion auf 5,50 Meter Oberkannte angebracht - exakt so hoch, wie der Rewe-Markt werden soll. "Ich will demonstrieren, was hier passieren soll", sagt der Ruheständler, der nicht glauben mag, dass sich SPD, FDP und die Freien Wähler im Dezember 2011 für die Pläne zum Bau des Marktes ausgesprochen haben.

Vor sechs Jahren hat Klose aufgehört zu arbeiten, einen Anbau an sein Haus gesetzt, viel Eigenarbeit hineingesteckt. "Hätte ich gewusst, dass ein Lebensmittelmarkt direkt vor meiner Nase entstehen soll, hätte ich das doch nie getan." Dann hätte eher ein Verkauf seines Hauses zur Debatte gestanden. "Das kann ich jetzt vergessen." Klose hat die Auskunft bekommen, dass es durch den Markt-Bau eine Wertminderung "im Rahmen einer mittleren Eigentumswohnung" erfahren würde. "Das kommt noch dazu", schimpft er. Ab mittags bekäme er die Sonne wohl auch nicht mehr zu Gesicht. Außerdem würde drei Meter hinter den Grundstücken eine Lärmschutzwand entstehen.

Nachbarin Ulrike Duhme hätte nicht nur sie, sondern auch den Markt direkt vor dem Haus. "Wir säßen hier dann komplett im Dunkeln und hätten den Parkplatz direkt vor der Terrasse", bemängelt sie. Solle der Markt kommen, "werden wir dagegen vorgehen und das Umweltamt einschalten", kündigt sie an.

Siegfried Klose kennt viele Mitglieder der Fraktionen. Deshalb kann er auch nicht verstehen, dass keiner von denen, die für das Bauvorhaben gestimmt haben, vorbeigekommen ist "und uns ein Wort gegönnt haben." Insgesamt seien die Bewohner von sieben Häusern betroffen. Bei einer zufälligen Begegnung habe ein SPD-Vertreter nur gesagt: "Einer zieht im Leben immer die A...Karte. Diesmal hast du sie halt."    
Mit den drei "x" auf dem Schild hat sich Klose auf das Abstimmungsverhalten der Freien Wähler bezogen. Manfred Best hatte seinerzeit gegen die Änderung des Bebauungsplanes "Oerlinghausen-Süd" votiert, Hans Brinkmann später dafür. Der Beigeordnete der Stadt, Hans-Jörg Düning-Gast, hat auf Anfrage bestätigt, dass es voraussichtlich am Donnerstag ein Gespräch mit Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort und dem Kreis geben wird.

Stadt hat die Planungshoheit

Der Kreis Lippe hatte als Rechtsaufsicht den Ratsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplans "Oerlinghausen-Süd" seinerzeit wegen formaler Abweichungen beanstandet, zu den inhaltlichen Punkten allerdings keine Stellung bezogen. Jetzt wird es noch einmal ein gespräch geben. Franz Kemper, Leiter des Stabsbereiches Revision und Recht beim Kreis, will dem nicht vorgreifen, weist jedoch darauf hin: "Die Planungshoheit liegt bei der Stadt." Sie müsse inhaltliche Fragen in eigener Regie prüfen.(guh)

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