Mit Video: Sind zu viele Blaualgen im Schieder-See?

Niklas Böhmer

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Auf zu neuen Ufern: Dr. Hartmut Späh (rechts), selbstständiger Sachverständiger für Fischerei und Gewässerökologie, und Jürgen Benning von der unteren Wasserbehörde vom Kreis Lippe sind auf dem Weg zu einem Uferbereich des Schieder-Sees, wo sich Blaualgen durch Windverhältnisse ablagern. - © Vera Gerstendorf-Welle
Auf zu neuen Ufern: Dr. Hartmut Späh (rechts), selbstständiger Sachverständiger für Fischerei und Gewässerökologie, und Jürgen Benning von der unteren Wasserbehörde vom Kreis Lippe sind auf dem Weg zu einem Uferbereich des Schieder-Sees, wo sich Blaualgen durch Windverhältnisse ablagern. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Schieder-Schwalenberg. Ein Facebook-Beitrag hat am Sonntagmittag für Aufruhr im Netz gesorgt. In diesem warnte ein Nutzer insbesondere Hundebesitzer vor dem erhöhten Algenaufkommen in einem Bereich des Schiedersees und vermutete dahinter die vor allem für Lebewesen gefährliche Blaualge.

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Nachdem der Kreis Lippe am Montagnachmittag einen Sachverständigen für Fischerei und Gewässerökologie zur Staumauer des Schiedersees bat, um Planktonproben vom Seeufer zu entnehmen, konnte ein übermäßiger Blaualgen-Befall nicht bestätigt werden.

"Wir sind den gesamten See abgefahren, konnten allerdings keinerlei blau-grüne Ablagerungen am Uferbereich feststellen", äußerte sich Diplom-Biologe Dr. Hartmut Späh am Montagabend auf Nachfrage der LZ. Auch habe man weder tote Fische, noch einen fischigen Gestank, den ein extremes Vorkommen von Blaualgen hervorrufen würde, feststellen können. Auch der Sauerstoffgehalt sei überprüft worden. Noch seien die Plankton-Proben zwar nicht ausgewertet worden, die Wahrscheinlichkeit einer Blaualgen-Blüte tendiere nach den neuesten Erkenntnissen jedoch gegen Null.

Der Facebook-Nutzer, der die Fotos am Sonntag ins Netz gestellte hatte, war vom Kreis Lippe am frühen Abend nicht zu erreichen. Noch sei völlig unklar, an welcher Stelle die Aufnahmen entstanden sind.

In einem Stehgewässer sei das Vorkommen von Blaualgen besondere an heißen Sommertagen normal, in der Masse seien sie schon eher besorgniserregend, erklärt der selbstständige Sachverständiger für Fischerei und Gewässerökologie, Dr. Hartmut Späh. Voraussetzung hierfür seien äußerliche Einflüsse wie intensive Sonneneinstrahlung über mehrere Tage, eine erhöhte Wassertemperatur sowie hohes Nährstoffreichtum.

Was hätte ein erhöhtes Aufkommen sogenannter Cyanobakterien zur Folge? Dr. Hartmut Späh: "Blaualgen bilden toxische Inhaltsstoffe wie Hydroxylamin, die Fischsterben auslösen können. Bei Menschen sind diese Organismen nicht lebensbedrohlich, können jedoch zu Magendarmproblemen führen. Auch Reizungen auf der Haut können auftreten".

Damit dies nicht passiert, "gilt ein Badeverbot für den Schiedersee, den wir noch in dieser Woche mit dem Aufstellen entsprechender Warnschildern kennzeichnen werden", berichtet Rainer Huneke, Betriebsleiter von Eigenbetrieb Straßen vom Kreis Lippe. Die rechtlichen Gründe gelten ebenso für den Strand am Ufertreff. "Das aktuelle Betriebskonzept gibt eine Badeerlaubnis so nicht her".

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