Gemeinsames Nähen als Hilfe zur Integration

Iris Liebig

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Bei der Arbeit: (von links) Die Leiterin des Kurses, Brigitte Rohde, nimmt bei Rania Kayyali Maß. Bärbel Menzel kreiert derweil Stofftiere, während Ute Holley die Frau für technische Fragen an den Nähmaschinen ist. Faiza Rachid bekommt von Gisela Turner Tipps. - © Iris Liebig
Bei der Arbeit: (von links) Die Leiterin des Kurses, Brigitte Rohde, nimmt bei Rania Kayyali Maß. Bärbel Menzel kreiert derweil Stofftiere, während Ute Holley die Frau für technische Fragen an den Nähmaschinen ist. Faiza Rachid bekommt von Gisela Turner Tipps. (© Iris Liebig)

Schieder-Schwalenberg/Brakelsiek. Was im August 2016 mit Häkeln angefangen hatte, hat sich inzwischen zu einer eingeschworenen Gemeinschaft entwickelt: Jeden Montag treffen sich geflüchtete Frauen gemeinsam mit Bürgerinnen aus Schieder-Schwalenberg zum gemeinsamen Nähen im ehemaligen Textilhaus Wienke in Brakelsiek. Die kleine Nähstube ist inzwischen ein Ort der gelebten Integration und der Freundschaft geworden.

Als 2015 die Flüchtlinge auch in Schieder-Schwalenberg ankamen, entschlossen sich die beiden gelernten Schneiderinnen Ute Holley und Brigitte Rohde gemeinsam mit Bärbel Menzel, den Neuankömmlingen ihre Unterstützung anzubieten. „Wir hatten die Idee, mit den Frauen zu häkeln", erinnert sich Brigitte Rohde. „Wir wollten die Frauen so integrieren. Und sie sollten uns zeigen, was sie in ihrer Heimat an Handarbeiten gemacht haben", fügt sie an.

Anfangs fanden die gemeinsamen Stunden mit Wolle und Nadeln in der Küche der Flüchtlingsunterkunft in Schwalenberg, später dann bei den Frauen zu Hause statt. „Doch irgendwann wurde alles zu eng", erinnert sich Ute Holley, die gemeinsam mit Brigitte Rohde den Kursus leitet. Schließlich fand die Gruppe eine vorläufige Heimat im evangelischen Gemeindehaus – bis Gisela Turner als Besitzerin des ehemaligen Modehauses Wienke ihre Räume zur Verfügung stellte.

Zudem war mittlerweile aus der Häkel- auch eine Nähstube geworden: Margit Monika Hahn vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe hatte den Damen für eine integrative Modenschau Nähmaschinen zur Verfügung gestellt, mit denen sie Kleider umändern sollten. Zudem spendete eine Lemgoerin eine große Menge an Stoff. „Leider ist es zu der Modenschau nie gekommen", erzählt Ute Holley. Genäht wird in Brakelsiek aber immer noch. Angefangen mit Taschen, entstehen inzwischen sogar Gardinen oder Stuhlbezüge. Und unter Anleitung von Bärbel Menzel stellen die Teilnehmerinnen Stofftiere her.

Rania Kayyali, eine der Frauen, schneidert sich derzeit eine Jacke. Sie ist vor zwei Jahren aus Damaskus geflüchtet. Ihre Geschichte erzählt sie, während Stoffe zugeschnitten werden oder die Nähmaschine rattert. Schließlich bleibt nebenbei viel Zeit zum Reden. „Manchmal muss man schon tief durchatmen, wenn man die dramatischen Erlebnisse hört", sagt Brigitte Rohde.

Doch nicht alle Flüchtlingsfrauen haben wie Ranja Kayyali Vorkenntnisse im Schneidern. Faiza Rachid beispielsweise hat ganz neu damit angefangen. Sie kommt aus Aleppo und spricht inzwischen schon ein bisschen mehr Deutsch als zu Beginn. „Bald kann ich sogar eine Ausbildung machen", erzählt sie freudig.

Zwischen den Teilnehmerinnen sind inzwischen richtige Freundschaften entstanden. „Wir hängen aneinander", gibt Brigitte Rohde zu. Ranja beispielsweise hat die Gruppe schon mehrfach zum Essen eingeladen. Und gemeinsam wird auch den ein oder anderen Nachmittag lang bei einer Tasse Kaffee geplaudert – auf Deutsch versteht sich.

Bislang haben sich die nähbegeisterten Frauen immer vormittags getroffen. „Einige Frauen müssen zu der Zeit allerdings an Integrationskursen teilnehmen. Daher ist die Teilnehmerzahl geschrumpft", erzählt Ute Holley. Man habe sich somit entschlossen, den Kursus auf den Nachmittag zu schieben. „Damit möchten wir noch mehr Frauen die Möglichkeit geben, an unserer Nähgruppe teilzunehmen."

Montags geht es ran an den Stoff
Der integrative Nähkursus der Flüchtlingshilfe Schieder-Schwalenberg für geflüchtete Frauen und Bürgerinnen der Gemeinde findet jeweils montags von 14 bis 17 Uhr im ehemaligen Textilhaus Wienke in Brakelsiek statt. Wer Interesse hat, kann laut den Beteiligten einfach spontan vorbeischauen. Die Teilnahme am Kursus ist kostenlos.

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