Mit Video: Die Präsidententanne fürs Schloss Bellevue stammt aus Brakelsiek

Astrid Sewing und Silke Buhrmester

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Dirk Breitkopf (Foto) hat gemeinsam mit seinem Chef Stephan Endemann die Fichte nach einer rund halbstündigen Vorbereitung in weniger als einer Minute gefällt. - © Vera Gerstendorf-Welle
Dirk Breitkopf (Foto) hat gemeinsam mit seinem Chef Stephan Endemann die Fichte nach einer rund halbstündigen Vorbereitung in weniger als einer Minute gefällt. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Schieder-Schwalenberg/Brakelsiek. 25 Meter ist er groß, der stattliche Baum, der auf dem Grundstück des Brakelsieker Bauunternehmers Fritz Loke steht. Oder besser stand. Seit Montag ist die Fichte weg. Abgesägt und abtransportiert nach Berlin. Hier soll sie in der Adventszeit vor dem Schloss Bellevue dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als Gruß aus seiner Heimat Brakelsiek leuchten.

Montagmorgen kurz nach Sonnenaufgang herrscht auf dem Hof des Bauunternehmens Loke emsige Betriebssamkeit. Die beiden Skudden-Schafe, der „schwarze Peter" und „die Weiße" sind ein wenig verschreckt ob des ungewohnten Bildes. Ein Kran ist vorgefahren. Gleich wird es der Fichte auf ihrer Weide an den Stamm gehen.

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Stephan Endemann von dem gleichnamigen Forstbetrieb aus Nieheim-Himmighausen bereitet gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dirk Breitkopf alles vor, um den schön gewachsenen Baum zu fällen. Anschließend wird die Fichte mit Hilfe eines Krans auf einen Lastwagen der Verkehrsbetriebe Extertal verladen, der den Transport gen Berlin übernimmt.

Präsidententanne – das ist wohl das höchste, was einem immergrünen Baum widerfahren kann. Dass die ausgerechnet aus Steinmeiers Heimatdorf kommt, ist kein Zufall. „Anfang des Jahres hat mein Bruder mal fallenlassen, dass es doch schön wäre, wenn dieses Jahr ein Baum aus Brakelsiek käme", schmunzelt Dirk Steinmeier.

Dieser Wunsch sollte sich doch erfüllen lassen. Aber die Suche nach dem geeigneten Baum war nicht so einfach. Der Landesverband Lippe traf die Vorauswahl, schlug einige Exemplare vor – die endgültige Entscheidung für den Lokeschen Baum fällte ein Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes. „Wir haben den Baum daraufhin gekauft, um ihn dem Präsidenten zu schenken", erläutert Landesverbands-Sprecherin Peggy Pfaff das weitere Prozedere. Denn von Privatleuten dürfe der Präsident keine Geschenke annehmen.

„Rund 30 Jahre alt ist der Baum", schätzt Besitzer Fritz Loke. Etwa halb so alt wie Steinmeier selbst, der zu dem Zeitpunkt, als das Bäumchen angepflanzt wurde, schon längst nicht mehr in Brakelsiek lebte. Doch seiner Heimat blieb der heutige Bundespräsident stets verbunden. Und so ist ein Weihnachtsbaum aus Lippe fürs Schloss Bellevue mehr als angebracht.

Das Aufstellen und Schmücken vor Steinmeiers Amtssitz übernimmt das Bundespräsidialamt. Eine Abordnung aus 40 Mitgliedern des Heimat- und Verkehrsvereins Brakelsiek und dem Team um den Lemgoer Rechtsanwalt Wolfgang Stückemann, der Organisation der lippischen Tannenbaum-Aktion seit vielen Jahren in die Hand nimmt, wird am Freitag zur offiziellen Übergabe gen Berlin aufbrechen. Vorgesehen ist für die Besucher eine Führung durch das Schloss und natürlich auch ein Treffen mit Steinmeier selbst, bevor der Baum bei Einbruch der Dunkelheit im wahrsten Wortsinn ins rechte Licht gerückt wird.

Stückemann, der auch schon den damaligen Außenminister mit Weihnachtsbäumen belieferte, kennt Steinmeier seit 2003. Er freut sich ebenso auf ein Wiedersehen wie die zahlreichen Freunde aus Brakelsieker Tagen.

So sah es 2001 aus.

Tannen mit Tradition

Seit vielen Jahren schenkt der Landesverband Lippe hochrangigen Politikern in Berlin Weihnachtsbäume aus der Heimat. Der Lemgoer Rechtsanwalt Wolfgang Stückemann und sein Team haben jahrelange Erfahrung mit der Koordination der Prachtbäume-Aktion für Berlin. Für Stephan Endemann vom gleichnamigen Forstunternehmen aus Höxter ist die Aktion ebenfalls nicht neu. Er erinnert sich, dass er bereits 2001 aus einem Forst bei Schlangen-Oesterholz eine Tanne für den damaligen Kanzler Gerhard Schröder geschlagen hat. Auch Fritz Loke ist „Wiederholungstäter": 2010 stammte eine Tanne für das Auswärtige Amt, in dem damals Frank-Walter Steinmeier Chef war, aus Lokes Garten.

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