In Schlangen lässt sich Historie erlaufen

Alexandra Schaller

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Im Kern: Die Geschichtsstation „Dorfmitte" veranschaulicht, wie sich das Schlänger Ortsbild verändert hat. - © Alexandra Schaller
Im Kern: Die Geschichtsstation „Dorfmitte" veranschaulicht, wie sich das Schlänger Ortsbild verändert hat. (© Alexandra Schaller)

Schlangen. Den sonntäglichen Spaziergang oder die Wandertour mit einer geschichtlichen Exkursion verbinden: In Schlangen machen das 40 Geschichtsstationen möglich. In den Ortsteilen Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck können sich Besucher auf drei gut eineinhalb Kilometer langen Rundwanderwegen über geschichtsträchtige Ereignisse, Orte und Personen informieren.

„Die Idee hatte bereits 2003 der Lokalhistoriker Heinz Wiemann, der sich bis heute nicht nur um die Zusammenstellung der Informationen für die Tafeln kümmert, sondern auch sämtliches Bildmaterial aus seinem eigenen Archiv zu Verfügung stellt", schildert Reinhard Peukert, Vorsitzender des Fördervereins Ortsgeschichte, die Anfänge. Seit 2009 kümmert sich der Verein mit seinen derzeit gut 30 Mitgliedern um Pflege und Erhalt der Geschichtstafeln. „Ursprünglich waren 30 Infotafeln an historischen Standorten in ganz Schlangen geplant. Mittlerweile sind es 40 und es kommen immer neue hinzu", freut sich Peukert über die positive Resonanz aus der Bevölkerung.

Denn bis das Ganze Form angenommen habe, sei das Projekt von den Einheimischen eher kritisch beäugt worden. „Aber wir können stolz sein, in einem kleinen Ort wie Schlangen ein so großartiges Projekt auf die Beine gestellt zu haben." Peukert spricht von einem Gesamtwert der Infotafeln von rund 160.000 Euro. Vor allem die historischen Bilder laden die Spaziergänger dabei zum Verweilen ein. Informieren kann man sich unter anderem über historische Häuser im Ortszentrum, die Geschichte der Trafoturmstation oder der Arminius-Brauerei. „Als Förderverein sehen wir uns als Bindeglied zwischen den örtlichen Vereinen, wenn es um geschichtliche Hintergründe geht", erklärt Peukert. So habe sich der Freibadverein zum 90. Geburtstag des Freibads eine eigene Infotafel gewünscht – Nummer 41 für den Förderverein.

Demnächst werde es außerdem eine weitere Tafel geben, die die Bedeutung des Denkmals zur ehemaligen Synagoge erkläre, fügt Peukert an. Und vor allem für Kinder wolle man die Geschichtsroute in Zukunft noch attraktiver gestalten. „Wir denken an eine Comicfigur, die die Kinder auf ihrer Tour begleitet, kindgerechte Erklärungen und Möglichkeiten, selbst aktiv Hand anzulegen", verrät der Vorsitzende. Neben großen Orientierungstafeln, die in den drei Ortsteilen einen Überblick über die Wanderwege geben sollen, sind außerdem Flyer geplant, die dann kostenlos erhältlich sein sollen. Denn derzeit kann man sich als Besucher nur mit Hilfe der kostenpflichtigen Broschüre einen Gesamteindruck über die Geschichtsroute verschaffen.

Die Broschüre zu den Geschichtsstationen gibt es für 17,90 Euro bei Optik Uhren Vollmer, Paderborner Straße 1, sowie im Fundgrübchen, Ortsmitte 8, in Schlangen.

Trafostation

Die historische Trafoturmstation in der Schlänger Ortsmitte ist so etwas wie der „Leuchtturm" der historischen Route durch Schlangen. In dem alten Gebäude über dem Schlänger Bach können Besucher nachvollziehen, wie die Sennerandgemeinde mit elektrischer Energie versorgt wurde. 1912 wurde Schlangen an das Netz der Pesag (Paderborner Elektrizitätswerk und Straßenbahn AG) angeschlossen. Die Turmstation selbst stammt aus dem Jahr 1925. Sie ist die einzige, die im Netz des Versorgers Westfalen-Weser-Netz über einem Bach errichtet worden ist. Seit 2007 ist das Trafohaus eine Geschichtsstation in Schlangen.

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