Naturschutzbund kritisiert Baumfällungen an der Fürstenallee

Alteichen dienen als Lebenräume für Vögel, Fledermäuse und Insekten

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Insgesamt 60 Bäume werden von Heiner Mense (Foto), Sebastian Penke (im Fahrzeug) und Ralf Penke gefällt. - © Foto: Gerstendorf-Welle
Insgesamt 60 Bäume werden von Heiner Mense (Foto), Sebastian Penke (im Fahrzeug) und Ralf Penke gefällt. (© Foto: Gerstendorf-Welle)

Schlangen (co). Die Fürstenallee verändert zurzeit ihr Gesicht. Zu schnell für Dirk Tornede, der sich für den Heimat- und Verkehrsverein Schlangen sowie den Naturschutzbund (Nabu) Lippe an der Erarbeitung des Leitbildes und Handlungskonzeptes 2006 beteiligt hatte.

Wie die Sanierung umgesetzt wird, entspricht für Tornede nicht mehr den Beschlüssen: "Wir stehen weiter zu dem erarbeiteten Leitbild, obwohl der Naturschutz damals auch Kompromisse eingehen musste. An das Handlungskonzept sollten sich aber auch Kreis Lippe, Straßen NRW und Landesverband Lippe gebunden fühlen."

Der Kreistag habe damals Änderungen zur Sanierung der Fürstenallee beschlossen und die Umsetzungszeit von 20 auf 30 Jahre verlängert. Doch schon jetzt werde mit Baumfällungen beim nächsten Abschnitt zwischen Seitenallee und Haustenbecker Straße begonnen. "Mehr als die Hälfte der alten Bäume innerhalb weniger Jahre zu fällen, ist ein Kahlschlag, der nicht der gültigen Beschlusslage entspricht", kritisiert Tornede in einer Pressemitteilung.

Für den Nabu sei die Erhaltung der ökologisch besonders wertvollen fast 300-jährigen Eichen von entscheidender Bedeutung. "Gerade weil es in unserer Kulturlandschaft einen Mangel an solchen alten Bäumen gibt, bieten sie wichtige Lebensräume für verschiedene Vögel, Fledermäuse und Insekten", teilt Tornede mit.

Mit dem Argument der Verkehrssicherungspflicht würden viele Alteichen gefällt, obwohl sie mit ihrer Krone ein großes Übergewicht Richtung neu angelegtem Schutzstreifen hätten und eine Gefährdung Richtung Straße somit unwahrscheinlich sei. Er fordert den Kreis auf, die verbliebenen Alteichen möglichst lange zu erhalten. Bei Bedarf sollten die Kronen nur eingekürzt werden. Er fordert auch, die Brennholzvermarktung einzustellen.

Bernd Mühlenmeier von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe, erklärte dazu auf Anfrage, dass die Fällung der rund 60 Bäume mit Vertretern von Heimatverein, Landesverband Lippe und Landesstraßenbauamt abgestimmt worden sei. Es handele sich dabei zu 80 Prozent um Buchen. Vier oder fünf große Eichen würden erhalten bleiben, da sie verkehrssicher seien.

Nachdem im Sommer ein Ast auf die Fahrbahn gefallen sei, habe ein Gutachter die Bäume noch einmal untersucht. Daraufhin seien im Oktober 15 zusätzliche Bäume im Abschnitt Richtung Schlangen gefällt worden.

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