Donnerstag, 20.06.2013
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28.01.2012
BAD SALZUFLEN
Rathaus-Übung lässt Wehr-Azubis schnaufen
Angehende Brandbekämpfer müssen mit Atemschutz-Ausrüstung Treppen steigen
VON DANIEL HOBEIN

Um als Feuerwehrmann Brände bekämpfen zu dürfen, bedarf es der Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger. Für eine Kraft- und Konditionsübung muss auch das Bad Salzufler Rathaus herhalten.

Bad Salzuflen. In den Büros des Rathauses gehen gerade nach und nach die Lichter aus, als drei Feuerwehrautos vor der Tür parken. Doch es ist kein Einsatz. Für zehn Auszubildende sind die Treppenstufen der Verwaltung Ausbildungsort. Das öffentliche Gebäude bietet sich wegen seiner Höhe dafür an. Unter Atemschutz müssen sie die acht Etagen hoch- und runtersteigen - ein Kraftakt.

Info
Vor dem Einsatz steht die Ausbildung: Rund vier Wochen dauert die Ausbildung zum "Atemschutzgeräteträger", an der aktuell 30 Feuerwehrleute aus Augustdorf, Bad Salzuflen und Oerlinghausen teilnehmen. Erst dann darf im Einsatz mit erfahrenen Kollegen das Feuer bekämpft werden. Neben der Theorie lernen die Teilnehmer auch den Umgang mit Maske und Atemschutzgerät kennen. Dabei stehen die persönliche Leistung und Kondition im Vordergrund, um im Ernstfall gerüstet zu sein. Die Betreuung übernimmt ein Ausbilderteam, das seit vielen Jahren selbst unter Atemschutz bei der Feuerwehr im Einsatz ist. Jährlich müssen alle Atemschutzgeräteträger eine Übungsstrecke absolvieren, spätestens alle drei Jahre ärztlich untersucht werden. (dhob)

"Ich glaube, das wird heute nicht so heftig", meint Oliver Rahnis trotzdem im Vorfeld der Übung und nimmt Maske und Atemluftflasche aus einer Kiste. Es ist kurz nach 18.30 Uhr. Ausbilder Wilfried Schmidtpott stellt die alles entscheidende Frage: "Seid ihr fit?" Nicken, dann das Kommando: "Ausrüsten." Masken und Atemschutzgeräte werden aufgesetzt, der Druck noch einmal kontrolliert. 16 Kilo Gewicht schleppt jetzt jeder mit sich herum. 300 Bar zeigen die Druckmanometer an - startklar.

"Man merkt, dass die Teilnehmer aufgeregt sind", sagt Schmidtpott, der noch einmal eine Sichtkontrolle der Ausrüstung macht. Dann geht es los. Leicht schnaufend werden die ersten Treppenstufen des Rathauses genommen. Eine Hand verlässt dabei selten das Geländer. Die ersten Etagen sind schnell genommen. "Alles okay?", fragen sich die Teilnehmer gegenseitig dumpf durch die Maske. Die Antwort in Form eines kurzen Nickens muss reichen - die Kraft wird noch gebraucht. "Eigentlich ist die Übung im Rathaus nicht so schlimm", meint Wilfried Schmidtpott. Der Mythos werde jedoch von Feuerwehrgeneration zu Generation weitergetragen.

In der achten Etage, die von der Aufzugstechnik ausgefüllt wird, konzen­trieren sich die Teilnehmer auf ihre Fitness und den Weg die 169 Stufen wieder herunter. Die fünf Ausbilder haben dabei stets jeden Schritt im Blick. Die Druckmanometer an den Atemschutzgeräten zeigen nur noch 250 Bar an - Tendenz fallend.

Ab geht's die acht Etagen herunter in den Keller. Vor einem Wandhydranten dann der Schock: "Den müssen wir nachher doch nicht mit hochnehmen, oder?", fragt ein Teilnehmer. "Nein, nein", grinst Wilfried Schmidtpott. Doch um ein paar Fragen zur Bedienung kommen sie nicht herum.

Eine kurze Pause, bevor es die Treppenstufen erneut hochgeht. Die Atmung erhöht sich, das Schnaufen wird lauter. Ein Teilnehmer summt ein Lied, das dumpf durch die Gummimaske zu hören ist. Oben angekommen, bleibt wenig Zeit für etwas Ruhe, es geht wieder herunter und noch einmal hoch.

"Ich fühl mich wohl" - der Bad-Salzuflen-Slogan ist in jeder Etage an den Türen zum Treppenhaus zu lesen. Manch ein Feuerwehrmann mag das in der Situation nicht unterschreiben. In der dritten Etage stockt der erste Teilnehmer. Erschöpfung macht sich breit. Die Ausbilder sind sofort zur Stelle, helfen, bauen auf. Dann geht es weiter. "Es traut sich keiner, vor den anderen Schwäche zu zeigen, deswegen muss man besonders aufpassen", sagt Ausbilder Markus Rehfisch.

Vor den letzten zehn Stufen zu Etage acht bleibt der nächste Feuerwehrmann stehen - die Kraft ist weg, die Grenze erreicht. Wilfried Schmidtpott und seine Kollegen führen die Wehrleute wieder sicher ins Erdgeschoss. Übung beendet, die Masken können ab. Die Gesichter darunter sind verschwitzt und wirken erschöpft. "Heftig", mehr bekommt Dennis Gomann nicht mehr heraus. Auch den anderen Teilnehmern sind nach den 32 Minuten Treppensteigen die Strapazen anzusehen.

"Das habt ihr gut gemacht", lobt das Ausbilderteam. Ein Kompliment, das ankommt, auch wenn viele sich einfach nur noch auf eine erfrischende Dusche zu Hause freuen.

Dokumenten Information
Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2013
Dokument erstellt am 28.01.2012 um 00:10:39 Uhr
Letzte Änderung am 30.01.2012 um 19:08:05 Uhr


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