Bad Salzuflen. Reinhard Riewe betrachtet Kataloge nicht nur mit den Augen des Modefachmanns, sondern auch mit dem Blick des Betriebswirtschaftlers: Der Alba-Moda-Geschäftsführer ist heute 25 Jahre im Unternehmen.
Riewe fing am 1. Februar 1987 als Controller beim Bad Salzufler Mode-Versandhaus an. Seit 1997 ist er Geschäftsführer. Der 61-Jährige spricht im Interview über die Schlagzahl in der Modebranche und seine Arbeit im Stadtmarketing-Beirat.
Was ist heute bei Alba Moda anders als vor 25 Jahren?Reinhard Riewe: Die Tendenz zu Online-Verkäufen ist ein wichtiger Punkt. Online ist der Umsatztreiber, 30 Prozent des Umsatzes macht das Geschäft übers Internet aus, demnächst werden es 35 Prozent sein. Die restlichen 70 Prozent laufen über Kataloge.
In der Modebranche sind Wandel und Wechsel vermutlich besonders stark zu spüren . . .Riewe: Wir arbeiten zurzeit an der Kollektion für den kommenden Herbst und Winter, im April beginnen wir mit der Kollektion für Frühjahr/Sommer 2013. Da bin ich so etwas wie die Konstante.
Ist bei Ihnen die Schlagzahl besonders hoch?Riewe: Das würde ich nicht so sagen, man muss die Ruhe behalten. In der Mode sind die Zeitperioden zwar kurz. Das bietet aber auch die Chance, Dinge schneller zu verändern.
Sie wollten eigentlich Wirtschaftsprüfer werden, aber das war Ihnen zu eintönig, heißt es.Riewe: Nach dem Studium habe ich ganz bewusst alle zwei Jahre die Firma und die Branche gewechselt. So habe ich zum Beispiel den Einzelhandel oder die Fleischindustrie kennengelernt. Das war eine Art Selbstausbildung in verschiedenen Unternehmen. Dann hat man mir 1978 die kaufmännische Leitung eines Importunternehmens für Heimtextilien angeboten. Diese Aufgaben machten mir mehr Spaß als das Prüfen von Bilanzen.
Sie hatten demnach viel Berufserfahrung vorzuweisen, als Sie zu Alba Moda kamen.Riewe: Ja, zumal ich zuvor noch drei Jahre in einer Unternehmensberatung gearbeitet hatte. Dann war ich aber das Hotelleben leid. Ich wollte eigentlich maximal fünf Jahre bei Alba Moda bleiben. Dass daraus 25 werden würden, hätte ich mir nie vorstellen können.
Persönlich
Der Jubilar ist verheiratet und hat zwei Töchter. Der gebürtige Gütersloher Reinhard Riewe wohnt in Bad Salzuflen. Nach einer Ausbildung im steuer- und wirtschaftsberatenden Beruf studierte er in Bielefeld Betriebswirtschaft, Fachrichtung Unternehmensführung und Bilanzen/Steuerrecht. 1997 wurde er bei Alba Moda kaufmännischer Geschäftsführer, seit September 2011 kümmert er sich auch um den Vertrieb. Geschäftsführerin Einkauf und Werbung ist Cordula Storz.(rad)
War die Firma damals so ausgerichtet wie jetzt?Riewe: Überhaupt nicht. Sie war im Aufbau und machte 60 Millionen Mark Umsatz. Heute sind es 100 Millionen Euro. Ich habe als Controller angefangen. Das war zu der Zeit, als Otto wesentliche Teile des Unternehmens übernommen hat. Während der Zeit habe ich so viel über die Personalleitung geschimpft, dass man mir diese Aufgabe auch übertragen hat.
Wie geht es weiter?Riewe: Wir organisieren Vertrieb und Marketing neu. Ich habe gute Mitarbeiter, die mir im Kaufmännischen den Freiraum geben, mich in diesem Bereich zu tummeln. Wir werden künftig stärker zwischen Print- und Online-Kunden differenzieren. Wer im Internet kauft, braucht nicht mit gedruckten Katalogen zugeworfen zu werden.
Was denken Sie, wenn Sie alte Kataloge durchblättern?Riewe: Dass die damals freigegeben wurden, wundert mich. Die Abbildungen im 1985er-Katalog zum Beispiel sind viel zu groß. Eine Strickjacke oder ein Badeanzug pro Seite - damit können Sie nie genug Umsatz machen. Der Katalog heute ist kleinteiliger.
Sie achten beim Blick in den Katalog also mehr auf solche wirtschaftlichen Fragen als auf die modische Seite?Riewe: Die sehe ich natürlich auch. Manche Stücke von damals gefallen mir heute noch sehr gut.
Sie sind außerdem aktiv im Fachbeirat des Bad Salzufler Stadtmarketings. Was planen Sie dort?Riewe: Die Stadt muss moderner werden in ihrer Gesamtausrichtung. Der medizinische Sektor macht nur einen kleinen Prozentsatz aus von dem, was sie zu bieten hat. Bad Salzuflen muss interessanter für Personen aller Altersgruppen werden. Außerdem ist es wichtig, auch die kleineren Ortsteile in touristische Maßnahmen mit einzubinden. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Aber es ist sicherlich eine Aufgabe für Jahre, alle Mitspieler zusammenzubringen. Das ist hier bei Alba Moda einfacher.