Kasper akzeptiert Strafbefehl über 9000 Euro

Landesverbandsvorsteher will Prozess wegen seiner Doktorarbeit vermeiden

Von Thorsten Engelhardt

Die "causa Kasper" scheint erledigt. Wie der Vorsteher des Landesverbandes Lippe gestern Nachmittag mitteilte, hat er eine Geldstrafe wegen seiner in Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit akzeptiert.

Lemgo-Brake. 9000 Euro Geldstrafe wird Andreas Kasper (CDU) zahlen. Wie er in einer Erklärung verbreiten ließ, hat die Göttinger Staatsanwaltschaft den Antrag auf eine Geldstrafe gestellt. Er habe das gegen den Rat seiner Anwälte akzeptiert. Sie sähen zwar in seiner Arbeit keinen strafrechtlich relevanten Verstoß gegen das Urheberrecht, aber: "Ohne meine Zustimmung zur Geldstrafe wären wir gezwungen, unsere rechtliche Ansicht im Rahmen eines wahrscheinlich mehrjährigen Prozesses durchzusetzen", schreibt Kasper in einer Pressemitteilung. Dieses Verfahren wolle er seiner Familie und dem Landesverband nicht zumuten.

Vor knapp einem Jahr war bekannt geworden, dass Kasper in seiner 2004 veröffentlichten Doktorarbeit zum Thema Sozialsponsoring Passagen aus anderen Arbeiten abgeschrieben, aber nicht nach wissenschaftlichen Gepflogenheiten ausreichend als Zitat ausgewiesen hatte. Die juristische Fakultät der Universität Göttingen, die den Titel vergeben hatte, erkannte seine Promotion im Juni ab. Kasper habe geistiges Eigentum Dritter ohne Angabe des Autors verwertet. Die Staatsanwaltschaft Göttingen leitete ihrerseits ein Strafverfahren gegen Andreas Kasper wegen Verdacht des Verstoßes gegen das Urheberrecht ein.

Wie Kasper sagte, werde er auch seine Klage gegen die Aberkennung des Doktortitels zurücknehmen, er wolle einen Schlussstrich ziehen. Er habe Fehler gemacht, für die er gerade stehen müsse. Sein Amt will er aber behalten. Dienstrechtlich habe er nichts zu befürchten, sagte Kasper der LZ, das habe das Innenministerium bestätigt. Das Vergehen liegt vor seiner Dienstzeit. Die Geldstrafe gegen den Politiker bleibt unterhalb der Grenze, mit der sie in das polizeiliche Führungszeugnis aufgenommen werden müsste. Das Innenministerium wollte auf Anfrage der LZ keine Stellungnahme abgeben. Bei der Staatsanwaltschaft Göttingen war gestern kein Sprecher mehr zu erreichen.

Kaspers Vorgänger Joachim Bünemann (SPD) war vom Amt suspendiert und schließlich abgewählt worden. Das Landgericht hatte ihn zu einer Geldstrafe von 7800 Euro verurteilt, weil er die Feier seines 50. Geburtstags vom Landesverband bezahlen ließ.

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