30. Auflage des Lemgoer U19-Hallen-Masters

Zwei Tage Budenzauber in der Lipperlandhalle

Jörg Hagemann

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Aufbau des Kunstrasen in der Lipperlandhalle - © Sebastian Lucas
Aufbau des Kunstrasen in der Lipperlandhalle (© Sebastian Lucas)

Lemgo. In der Lipperlandhalle sprießt der Rasen. Für den Sparkasse Lemgo Cup, das an diesem Wochenende zum 30. Mal stattfindende U19-Bundesligaturnier des TBV Lemgo, haben die Organisatoren tief in die Tasche gegriffen und erstmals Kunstrasen verlegen lassen.

Mal schauen, ob Fortuna Düsseldorf auf den grünen Halmen seinen Vorjahreserfolg wiederholen kann. Der Titelverteidiger bekommt es in der Gruppe B mit Rekordsieger 1. FC Köln, Hannover 96, FC St. Pauli, DSC Arminia Bielefeld und TuS Leopoldshöhe zu tun. In der Gruppe A kämpfen Hertha BSC Berlin, Werder Bremen, MSV Duisburg, RW Essen, SC Paderborn und TBV Lemgo ums Weiterkommen.

Die 30 wichtigsten Fakten über 30 Jahre A-Jugend-Masters in Lemgo:

1
Mit der Verlegung des grünen Kunstrasens gibt es beim 30. Turnier mal wieder eine innovative Neuerung. 1987 wurde noch mit Toraus und ohne Hintertorbande gespielt.

2
Vater des Turniers ist Heinz Schwarz. Trotz großer Skepsis im Verein setzte der ehemalige Lizenzspieler von Werder Bremen die an der Theke im „Friedensstern" ersonnene Vision zusammen mit Dieter Sundermann um. Beide bürgten mit jeweils 10.000 DM für das erste Turnier 1987.

3
Gründungsmitglieder der Turnierserie waren 1989 Bayer 04 Leverkusen, 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt, VfL Bochum, Arminia Bielefeld, Hannover 96, VfL Osnabrück und der TBV.

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Nervenkitzel hoch drei gab es in zwei Endspielen, die vom Neunmeter-Punkt entschieden wurden. 2008 setzte sich der 1. FC Köln mit 8:6 gegen Bielefeld durch. Vier Jahre später gewann Mainz 05 mit 5:4 gegen Hansa Rostock.

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Das langweiligste Finale datiert aus dem Jahr 1995. Seinerzeit putzte der 1. FC Köln Bayer 05 Uerdingen mit 11:1.

6
Eine der schillernsten Figuren des Masters war Rudi Merk. Der Vater des ehemaligen FIFA-Schiedsrichters Dr. Markus Merk fungierte über viele Jahre als Jugendchef des 1. FC Kaiserslautern. Das Unikum vom Betzenberg begeisterte auch andere Bundesligisten für das Lemgoer Turnier. Kurz vor seinem Tod wurde er hierfür mit der Verdienstnadel des TBV Lemgo ausgezeichnet.

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Heutzutage spricht man vom MVP. 1987 wurde noch der „beste Spieler des Turniers" gekürt. Die erste Auszeichnung ging an Stefan Schwarz, ein junger Schwede in Diensten von Bayer 04 Leverkusen. Schwarz machte anschließend Weltkarriere, kickte für Benfica Lissabon, FC Arsenal, AC Florenz, FC Valencia und AFC Sunderland.

8
Überhaupt brachte die Premiere 1987 echte Typen hervor. Siehe Mario Basler (Kaiserslautern) oder Thorsten Legat (Bochum), der aktuell ins RTL-Dschungelcamp einzieht.

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In den ersten beiden Jahren gab es identische Endspielpaarungen. Setzte sich der Deutsche Meister Bayer Leverkusen 1987 noch klar mit 4:1 gegen Kaiserslautern durch, so gab es bei der Neuauflage ein Jahr später eine echte Knüppelei. Schiedsrichter Klaus Hillebrand (Bad Salzuflen) verhängte sechs Zeitstrafen. Obwohl Leverkusen glatte acht Minuten in Unterzahl spielte, wiederholten die Jungs von Jürgen Gelsdorf mit 3:2 ihren Vorjahreserfolg.

10
Den Top-Torjäger oder den besten Spieler des Turniers hat der TBV Lemgo noch nie gestellt. Dafür aber schon dreimal den besten Keeper. Nach Sven Wilmsmeier 1994 und Roman Spieß 2012 gelang dieses Kunststück 2014 auch Nik Hannebaum. 2010 wurde die Ehre mit dem aus Jerxen stammenden Arminen-Keeper Jan Schönwälder einem weiteren Lipper zuteil.

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Großer Beliebtheit erfreut sich alljährlich eine Tombola, an der sich nicht nur die Zuschauer beteiligen. 2008 sorgte Kölns Torjäger Mahmut Temur für große Heiterkeit, als er einen Tanz-Kursus bei Margret Hey gewann.

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Bundesweite Beachtung fand das Turnier 1989 durch eine zweiseitige Reportage im kicker-Sportmagazin. Anschließend rief sogar Uli Hoeneß in Lemgo an.

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Ganz heiß auf einen Besuch in Lemgo war 1989 Dieter Lieberwirth, U19-Trainer des 1. FC Nürnberg. Lieberwirth war kurz zuvor von Club-Cheftrainer Hermann Gerland als Bundesligaspieler reaktiviert worden. Doch das Masters wollte sich der Club-Routinier nicht entgehen lassen, weshalb ihn Gerland vom Training befreite. Prompt entzauberte der Club, mit Lieberwirth auf der Bank, Meister Stuttgart mit 4:2.

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Überragender Spieler war 1989 Jens Keller (Stuttgart), der es später zum Bundesligacoach beim VfB und auf Schalke brachte.

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Heute ist das Maritim-Hotel die Herberge für die Talente. In den Anfängen des Turniers war zunächst an eine Unterbringung in Jugendherbergen gedacht, wogegen die Klubs aber rebellierten. Als gute Gastgeber erwiesen sich stets die Hoteliers Hartmann (Matorf) und Hermeier (Westorf), beides bekennende HSV-Fans.

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Eine zentrale Rolle spielt stets das Kampfgericht. Bei der Premiere 1987 führten Erich Krause, Jürgen Markgraf, Manfred Mesch, Werner Tibulski und Hallensprecher Klaus Theimann Regie.

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Der enge Draht von Heinz Schwarz zum SV Werder Bremen führte zu einer für den TBV Lemgo tollen Kooperation. Klaus-Dieter Fischer ernannte die Lipper zum 100% Partnerverein vom SV Werder.

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1990 bekam der TBV Lemgo Konkurrenz vor der eigenen Haustür. Binnen einer Woche gaben sich Deutschlands beste U19-Teams zweimal ein Stelldichein in OWL. Während der VfB 03 Bielefeld in der Carl-Servering-Schule mit Ajax Amsterdam bereits internationale Gäste im Fokus hatte, setzt Lemgo seit 30 Jahren konsequent auf deutsche Nachwuchsteams. Und auf Qualität. 1990 war mit Meister VfB Stuttgart, Finalist 1. FC Nürnberg, DFB-Pokalsieger VfL Bochum und Finalist Karlsruher SC die Creme de la Creme im Lüttfeld zu Gast. Der TBV freute sich über 36 aktuelle Nationalspieler.

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Inzwischen fungiert Michael Reschke als Transferminister beim FC Bayern München. 2001 arbeitete er noch als Scout bei Bayer Leverkusen und attestierte dem TBV „eine große Bedeutung für den Jugendfußball in der Region" sowie „eine große soziale Komponente".

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Legendär ist das 1992-er Turnier, als der FC Bayern mit dem heutigen Gladbacher Manager Max Eberl, Torhüter Uwe Gospodarek und Dietmar Hamann auftrumpfte. Letztgenannte betrieben ein reges Wechselspiel, wobei Hamann als verkappter Torhüter mit fulminanten Distanzschüssen auf sich aufmerksam machte. Im Endspiel schlugen sie Dynamo Dresden mit 4:1. Dass die Dresdener Alexander Zickler und Jens Jeremies schon bald nach München wechseln sollten, wurde in Lemgo eingestielt.

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Ein besonderes Kunststück gelang Nizamettin Caliskan. Der Dribbelkünstler von Borussia Dortmund verteidigte 2005 die bereits ein Jahr zuvor erfolgte Auszeichnung als bester Spieler des Turniers.

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Heute kickt er in der Premier League in Tottenham. Vor sechs Jahren ließ Heung-Min Son seine Extraklasse in Lemgo aufblitzen. Bei einem Kopfball-Wettbewerb im Foyer jonglierte der HSV-Stürmer die Kugel über sagenhafte 408 Kontakte über seine Stirn.

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Ein Qualitätsmerkmal für den familiären Turniercharakter ist der Gästeabend, der zunächst bei Heinrich Brinkmeier im „Lippischen Norden" stattfand. Weitere Lokalitäten waren das Sporthaus am Jahnplatz, die Schlossscheune, Hartmann in Matorf und aktuell die Lipperlandhalle.

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Die Bewirtung war für den TBV in den Anfangsjahren eine sprudelnde Einnahmequelle. Ein riesiges Helferteam um Heinz Thiede und Harry Hauser kümmerte sich um den Thekenaufbau. Mit James Ongley und Rainer „Acker" Moritz gab es sogar ein extra Koch-Team, das für die Gästeteams in riesigen Pötten Suppe oder Nudeln zubereitete. Und die Frauen backten Kuchen. In Hochzeiten wurden über 150 Torten verputzt.

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Rekordsieger mit fünf Titeln ist der 1. FC Köln, gefolgt von Bayer Leverkusen (4) und Arminia Bielefeld als dreimaliger Gewinner.

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Vier aktuelle Fußball-Weltmeister haben in Lemgo ihre Jugendzeit ausklingen lassen: Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm (FC Bayern), Jerome Boateng (Hertha BSC) und Roman Weidenfeller (1.FC Kaiserslautern).

27
Zu den Helden des Masters gehören Heiner Froböse und Michael Ristig, die seit 30 Jahren bei jedem Turnier ehrenamtlich als Gästebetreuer mithelfen. Froböse begleitet in diesem Jahr Fortuna Düsseldorf, während „Muckel" Ristig den MSV Duisburg unter seine Fittiche nimmt.

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Aus der aktuellen Erst- und Zweitligagilde haben mit Ralf Rangnick (Stuttgart), Christian Streich (Freiburg), Thomas Schaaf, Victor Skripnik (Bremen), Sascha Lewandowski (Leverkusen/Bochum) und Norbert Meier (Gladbach) sechs Übungsleiter U19-Teams in Lemgo trainiert.

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Lemgo steht seit jeher für ein friedliches Fußballfest. Nur 2014 gabs Krach, als 62 Hansa-Rostock-Fans in der Lipperlandhalle randalierten und ausgewiesen wurden.

30
Seit zwölf Jahren fungiert Wolfgang Polduwe als Turnier-Geschäftsführer. Seine Vorgänger waren Klaus Homringhaus, Hartmut Krause und Dirk Mesch sowie der unvergessene Mitbegründer Heinz Schwarz.

U19-Bundesliga-Hallen-Masters in der Lipperlandhalle

U19-Bundesliga-Hallen-Masters in der Lipperlandhalle

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