Leichtathlet bereitet sich in Detmold auf die Olympischen Spiele vor

Doch zunächst steht für den Läufer Amanal Petros die Cross-Europameisterschaft in Italien an

Dietmar Welle

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Passt und hat keine Luft: Bastian Schünke vom Detmolder Vitalzentrum Sport hilft Amanal Petros beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe. - © Dietmar Welle
Passt und hat keine Luft: Bastian Schünke vom Detmolder Vitalzentrum Sport hilft Amanal Petros beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe. (© Dietmar Welle)

Detmold. Entspannt sitzt Amanal Petros auf der Fensterbank im Detmolder Vitalzentrum Sport an der Röntgenstraße. Der junge Mann lächelt. Er weiß, dass ihm Gutes geschieht.

Denn der deutsche Leichtathlet eritreischer Herkunft bekommt im Detmolder Vitalzentrum an der Röntgenstraße nach einer eingehenden Laufbandanalyse neue Strümpfe verpasst. Nein, nicht irgendwelche. Sondern spezielle. Denn die blauen Überzieher dienen der Leistungsförderung und Verbesserung der Regeneration nach dem Training oder dem Wettkampf.

Auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse kann in diesen Zeiten niemand verzichten. Denn Amanal Petros, seit 2012 in Deutschland, ist Hochleistungsläufer und als solcher Mitglied im Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Es kommt manchmal auf hundertstel Sekunden an, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Da ist jede erlaubte Leistungsförderung herzlich willkommen.

Es kommt auf eine Hundertstel an

Seine Fähigkeiten kann Amanal Petros, gerade einmal 21 Jahre, am besten über fünf und zehn Kilometer einsetzen. Und das schon sehr erfolgreich. Denn kurz nach der Einbürgerung und die Aufnahme in den DLV lief der Afrikaner mit den blendend weißen Zähnen im Jahr 2015 auf den dritten Rang bei den Crossmeisterschaften über 10.000 Meter in Frankreich.

Seine sportliche Heimat hat Petros nach einem ersten Anheuern beim TSVE Bielefeld nunmehr beim Rivalen SV Brackwede gefunden, bei dem er von Thomas Heidbreder trainiert wird. Alles Handeln und Tun gilt der optimalen Vorbereitung auf die noch anstehenden, großen Herausforderungen.

Information

Persönlich

Amanal Petros wurde in Eritrea geboren. Mit zwei Jahren floh er mit seiner Mutter ins Nachbarland Äthiopien. Mit 20 Jahren wanderte er mit seiner Mutter aus politischen Gründen nach Deutschland (Bielefeld) aus. Der Langstreckenläufer startete zunächst für den TSVE Bielefeld und wechselte Anfang 2016 zum Konkurrenten SV Brackwede. Bei den deutschen U-23-Meisterschaften sicherte er sich 2015 drei und ein Jahr später zwei Meistertitel. Sein größter Erfolg als Nachwuchsläufer war seine Bronzemedaille bei der U-23-Crosslauf-Europameisterschaft im französischen Hyères. Bei den Senioren sicherte sich Petras bereits mehrere deutsche Vizemeisterschaften. Quelle: Wikipedia

Den Hintergrund des Petrosschen Besuchs im Lipperland erläutert Claudia Dziggel-Vogt vom Vitalzentrum Sport. „Um sportliche Spitzenleistungen abzuliefern, wird der eigene Körper sehr beansprucht und gefördert. Das kann zu erheblichen Belastungen führen", so Dziggel-Vogt. Im Vitalzentrum hat sich ein innovatives Lauflabor installiert.

Mit der zur Verfügung stehenden Technik und Analysesoftware kann die erfahrene Crew eine ganzkörperliche Laufanalyse durchführen und somit beispielsweise Fehlbelastungen identifizieren und Empfehlungen zur Optimierung geben. Dziggel-Vogt: „Mit unserem Sortiment und den Produkten aus dem Bereich der Sportkompression, Sportbandagen, Einlagen und Fitnesshilfsmitteln können sich Sportler gezielte Unterstützung holen."

Amanal Petros, der sich ständig weiter verbessern will, mag auf die Kompressionsstrümpfe nicht verzichten: „Nach einem Training oder einem Wettkampf ziehe ich die Strümpfe über. Durch den Druck auf die Muskulatur und die Blutbahnen regeneriert der Körper schneller, die Werte verbessern sich in kürzerer Zeit und ich kann besser entspannen."

Auf die Cross-EM am Sonntag, 11. Dezember, auf der italienischen Insel Sardinien hat sich Petros übrigens auf der holländischen Insel Texel vorbereitet, während seine Konkurrenten dafür schon einmal in den USA reisen. Besser oder schlechter? Am Ende zählen nur die Ergebnisse. Und die sprechen im Augenblick für Amanal Petros, der sein großes Ziel ja noch vor Augen hat: „Ich will an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 teilnehmen."

Wort zum Sport: "Eingliederung durch den Sport"

von Dietmar Welle

Amanal Petros ist ein zielstrebiger Sportler. Der Eriträer, seit vier Jahren in Deutschland, hat bereits den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft geschafft. Seine Integration nach der Flucht aus seinem Heimatland gelang über die Leichtathletik in einem stinknormalen Verein wie dem TSVE Bielefeld und jetzt der SV Brackwede.

Diese Art von Klubs gibt es im Lipperland in großer Zahl. Allein 460 Sportvereine zählen wir hierzulande. Aktuell gibt es keine Belege darüber, wie viele Flüchtlinge sich bisher in den organisierten Sport eingegliedert haben. Da wäre der in diesen Zeiten offenbar gänzlich auf die Ausrichtung seiner Sportgala am 11. Dezember in der Lipperlandhalle fokussierte Kreissportbund Lippe gefordert, mit Hilfe der Städte- und Gemeindesportbünde Zahlen auf den Tisch zu legen und zu dokumentieren, wo wir in unserer Heimat stehen.

Aber vielleicht hilft ja das Petrossche Beispiel auf die Sprünge. Weil die Geschichte des Afrikaners so viel Mut macht und weil sie zeigt, dass Disziplin, Fleiß und Bereitschaft helfen können, seinen Weg zu machen. Und wenn es nicht zu höheren Weihen reicht, dann bietet gerade die Gemeinschaft in unseren Vereinen jedermann – egal , wie erfolgreich er seinen Sport betreibt – ein Zuhause.

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