Bei Schwimmerin Lena-Marie Precht dreht sich alles um die Zeit

Oliver König

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Noch im Wasser wirft sie einen Blick auf die Anzeigetafel: Lena-Marie Precht ist bei der Kurzbahn-DM in Berlin schnell unterwegs gewesen. - © Oliver König
Noch im Wasser wirft sie einen Blick auf die Anzeigetafel: Lena-Marie Precht ist bei der Kurzbahn-DM in Berlin schnell unterwegs gewesen. (© Oliver König)

Bad Salzuflen/Wülfer-Bexten. 18 Jahre jung, schlank, 1,95 Meter groß, eine Modellathletin. Lena-Marie Precht aus Bad Salzuflen-Wülfer zieht in einer der populärsten Sportarten ihre Bahnen, dem Schwimmen. So erfolgreich, dass für sie das Pendeln von ihrem Wohnort zum Training nach Paderborn und zum Studium nach Bielefeld zum Alltag gehört.

„Wir müssen sehen, wie Lena Zeit hat", hat ihr Vater Charly Precht bei der Terminabsprache am Telefon gesagt. Und dass das Wort Zeit eine sehr große Rolle im Leben der jungen Sportlerin spielt, wird in dem 75-minütigen Gespräch immer wieder deutlich.

Nein, in den Vordergrund stellen, das ist nicht Lena-Maries Ding. Dabei hätte sie allen Grund dazu, für sich zu werben. Denn – ungewöhnlich für eine Schwimmerin – erst vor sechs Jahren ist die Psychologie-Studentin mit dieser Sportart angefangen. „Klar bin ich als Kind gerne geschwommen. Ich bin aber auch geritten, habe voltigiert oder verschiedene Sportarten im TuS Bexterhagen ausprobiert. Doch aus gesundheitlichen Gründen durfte ich zwei Jahre gar keinen Sport ausüben", berichtet sie. Nach der Zwangspause hat die Lipperin eine Liste mit diversen Sportarten erstellt und verschiedene Sachen getestet. Geblieben ist das Schwimmen. Schließlich kommt das Vorbild aus der eigenen Familie. Mama Christiane war selbst Leistungsschwimmerin.

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Prompt stellte Lena-Marie ihre Fähigkeiten beim Schwimm-Team Bielefeld unter Beweis. Die Trainer dort zeigten sich einverstanden. „Also bin ich dabei geblieben. Am Anfang waren es dreimal die Woche Training. Meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt", blickt die Studentin zu ihrem Vater hinüber.

Und zum ersten Mal wird klar: Die Zeit spielte schon damals eine große Rolle. Denn das Ishara-Bad am Bielefelder Bahnhof liegt nicht gleich um die Ecke – vor allem, wenn sie einen Weg mit dem Bus absolvierte. Die Schule am Gymnasium Aspe wollte auch erledigt werden, nur der Klavier-Unterricht blieb auf der Strecke. Das Training wurde ja umfangreicher.

„Ob ich zu spät mit dem Schwimmen angefangen bin? Sicher, anfänglich fehlte die Grundlagen-Ausdauer. Doch bis jetzt läuft es gut. Ich konnte es kompensieren", sagt Lena-Marie Precht. Ihr Ziel war es schon immer, sich zu verbessern, im Leistungsbereich voran zu kommen. So, wie vor wenigen Tagen bei der Deutschen Meisterschaft auf der Kurzbahn in Berlin. Drei Top-12-Platzierungen, vier OWL-Rekorde und sechs persönliche Bestzeiten waren die stolze Bilanz.

Volles Programm: So sieht ein Tagesplan für die Schwimmerin Lena-Marie Precht aus. - © Montage: Benjamin Möller
Volles Programm: So sieht ein Tagesplan für die Schwimmerin Lena-Marie Precht aus. (© Montage: Benjamin Möller)

Dazu hat das Training am Landesleistungsstützpunkt Paderborn beigetragen, das vor zweieinhalb Jahren zu ihrer sportlichen Heimat geworden ist. „Organisation ist eben alles", macht die Athletin des 1. Paderborner Schwimmvereins klar. Denn die Zeiten hat sie nicht nur im Becken, sondern auch bei ihren täglichen Fahrten nach Hause, zum Training oder zur Uni im Blick. Viel Freiraum bleibt ihr nicht. „Die Zeit", so Lena-Marie Precht, „die ich für mich habe, nutze ich in aller Ruhe. Man muss im Alltag ganz einfach ein paar Momente für sich haben." Und das bei den Erwartungen, die sie an sich selbst stellt. „Ich will immer besser werden. Auf den Wettkämpfen holst du dir die Motivation." So orientiert sie sich an Dingen, „bei denen ich weiß, wo ich Potenzial habe".

Auch als sie sich im März einen Mittelfußbruch zuzog und die Deutsche Meisterschaft auf der Langbahn verpasste, warf sie das nur kurzzeitig aus der Bahn. „Zehn Wochen kein Training, das war hart. Da waren selbst drei Kilometer im Wasser zu viel. Immerhin hatte ich Zeit, mich noch intensiver um das Studium zu kümmern", lächelt die 18-Jährige.

Training, Uni, Wettkämpfe, Trainingslager – und ein klein wenig Privatleben. Noch ist Lena-Marie Precht nicht an dem Punkt gewesen, wo es ihr zu viel geworden ist. „Der wird hoffentlich auch nicht so schnell kommen. Du musst eben sehen, wie du alles unter einen Hut bekommst", sagt sie – und fragt zum Abschluss des Gesprächs nach der Uhrzeit.

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