Wohnprojekt soll Arminias Jugend auf dem Weg zum Profi helfen

Sozialpädagoge schult Persönlichkeit der Nachwuchskicker

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Rüdiger Kauf (links) und Matthias Hellmig (rechts) mit (von links) Sammy Touffour, Onur Yildirim und Khalil Kleit. - © Foto: Lucas
Rüdiger Kauf (links) und Matthias Hellmig (rechts) mit (von links) Sammy Touffour, Onur Yildirim und Khalil Kleit. (© Foto: Lucas)
Lipper schult

Arminia-Nachwuchs - © Sport
Lipper schult
Arminia-Nachwuchs (© Sport)

Bielefeld (slu). Arminia Bielefeld im Umbruch. Das gilt auch für den Unterbau der Drittliga-Mannschaft. Wichtig dabei ist das Wohnprojekt, in dem ein Lipper eine Hauptrolle spielt: Matthias Hellmig (33).

Freitag, 14.00 Uhr: Der "Sporker Junge" kommt zur Eduard-Windthorst-Straße, um die U19-Spieler Khalil Kleit und Onur Yildirim sowie U23-Kicker Sammy Tuffour in ihrer Wohnung zu besuchen. An seiner Seite: Vereinsikone Rüdiger Kauf (37), der ein Praktikum bei seinem Ex-Klub absolviert. "Ich schaue in alle Bereiche rein und möchte nach meinem Sportmanagement-Studium im Fußballbereich etwas machen. Das Wohnprojekt finde ich sehr spannend", sagt "Rübe", der zehn Jahre für die Arminia kickte.

"Spannend" ist auch das Stichwort für den Sozialpädagogen aus Lippe, der in seiner Diplomarbeit die Wirkung zwischen Sozialer Arbeit und Sport untersuchte: "Es macht riesigen Spaß, für den DSC zu arbeiten. Die Aufgabe ist interessant und das Klima im Verein toll. Es herrscht Aufbruchstimmung."

Hellmig ist hauptberuflich Angestellter der Stadt Bielefeld, für den Fußball-Drittligisten arbeitet er seit drei Monaten ehrenamtlich: "Durch mein Engagement bekomme ich einen Fuß in die Tür, will meine Aufgaben in Absprache mit Projektleiter Oliver Krause richtig gut machen. Hier kann ich Hobby und Beruf verbinden."

Matthias Hellmig, bis vor wenigen Wochen noch für den Lemgoer A-Ligisten FC Schwelentrup-Spork/W. aktiv, sieht sich als Bindeglied zwischen dem Klub und den Talenten. Er möchte, dass sie sich mit dem Klub identifizieren, bei einem Abstecher in der Geschäftsstelle bereitet er sich auf seinen Trip zur WG vor: "Die Abläufe sind professionell - beeindruckend."

Treffpunkt für die Nachwuchsfußballer und den Lipper ist jede Woche in der Küche. An einer Magnetwand hängt der Putzplan: Flur, Küche, Toilette, Badezimmer, Mülleimer, Fenster - alles ist geregelt. Nachdem die Spieler ihre Aufgabe erledigt haben, bewerten sie sich selber mit "gut", "mittel" oder "schlecht". "Das ist für die Entwicklung wichtig", betont Hellmig. Entscheidender für die Bewohner der Wohngemeinschaft ist jedoch das Urteil des Sozialpädagogen: "Es kommt vor, dass ich eine ungenügende ,Leistung‘ entsprechend bewerte - gnadenlos. Wird bei der Hausarbeit häufiger geschlampt, drohen Konsequenzen, die sich auf den sportlichen Bereich beziehen können. Aber auch Belohnungen bei entsprechender Gründlichkeit sind möglich."

Das Ziel? "Wir wollen die Spieler in der Persönlichkeit schulen. Sie ist ein bedeutsamer Baustein auf dem Weg zum Fußballprofi." Leicht fallen dem Trio die Aufgaben nicht. Matthias Hellmig weiß, dass die Nachwuchskicker "viel Begleitung" brauchen, da ihr Elternhaus nicht in der Nähe ist: "Aber die Jungs nehmen das gut an." Neu eingeführt wurde vor Kurzem auch eine Haushaltskasse.

An diesem Freitag, als die LZ zu Besuch ist, urteilt Hellmig: "Alles in Ordnung, bei mir sah es früher auch nicht besser aus." Abseits des Fußballs hilft der Verein den Jugendlichen, auch beruflich Fuß zu fassen. Sie gehen zur Schule oder absolvieren eine Ausbildung. "Früher wurde bei Arminia viel mehr im Nachwuchsbereich gemacht, aber auch hier müssen erstmal kleine Brötchen gebacken werden", weiß Hellmig.

Rüdiger Kauf spricht gerne mit den Kickern, sagt: "Die Ausbildung heute ist eine ganz andere, die Jungs bekommen viel mehr vermittelt. Ich habe ganz lange bei meinem Heimatverein gespielt. Aber meine Erfahrungen, die ich im Profi-Fußball gemacht habe, gebe ich gerne weiter."

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