Jung-Schiris sind mit Spaß bei der Sache

80 bis 100 Entscheidungen pro Spiel schrecken Jessica Frings und Benjamin Löding nicht ab

Von Judith Stracke

Zwei Jung-Schiris und ihre Geschichte - © Sport
Zwei Jung-Schiris und ihre Geschichte (© Sport)

Kreis Lippe. Es besteht Nachholbedarf, wenn es um höherklassig pfeifende Schiedsrichter im Fußballkreis Lemgo geht. Jessica Frings und Benjamin Löding sind auf dem besten Weg, den Kreis gut aussehen zu lassen.

Sie sind jung, dynamisch und lieben Fußball. Jung-Schiedsrichterin Jessica Frings scherzt: "Es ist  toll, wenn 22 Männer nach deiner Pfeife tanzen." Was folgt, ist ein ernst gemeintes Geständnis aus dem hübschen Mund der Anlageberaterin: "Ich habe nie Fußball gespielt, habe nur meine bessere Hälfte zu seinen Spielen begleitet und mich im Seitenaus aufgeführt wie Klopp junior, was so viel heißt, dass ich oft über den Schiri gemeckert habe, bis ein Trainer zu mir meinte, mach’ es selbst."

Ein Wort, das sich die Kirchheiderin (übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Ex-Bundesliga-Star Torsten Frings) nicht zweimal sagen lässt. Sie meldet sich im Mai 2010 ganz freiwillig  zum Anwärterkursus. Weder das 117 Seiten starke Regelwerk noch die 80 bis 100 zu treffende Entscheidungen pro Spiel oder die rund sechs bis acht Kilometer lange Laufstrecke, die sie vergleichbar mit einem Mittelfeldspieler schon wenige Wochen später bei ihrem ersten Einsatz im Kreisliga-C-Spiel der Herren zu absolvieren hat, können sie bremsen.

Die Jung-Schiris Benjamin Löding und Jessica Frings stellen sich beim A-Junioren-Bundesligaspiel Dortmund gegen Hannover mit Dortmunds Kevin Holz (stammt aus Kohlstädt) und Hannovers Marc Yannick Grunert auf. - © Foto: Stracke
Die Jung-Schiris Benjamin Löding und Jessica Frings stellen sich beim A-Junioren-Bundesligaspiel Dortmund gegen Hannover mit Dortmunds Kevin Holz (stammt aus Kohlstädt) und Hannovers Marc Yannick Grunert auf. (© Foto: Stracke)

Im Gegenteil: der "Dienst in schwarz" wird für sie zur schönsten Nebensache der Welt. Rund 250 Einsätze danach und nur knapp drei Jahre später, die sie inzwischen berechtigen, in der Herren-Bezirksliga-Partien zu leiten oder auch in der Junioren-Bundesliga die Fahne zu schwenken, weiß sie: "Es ist 70 Prozent Spaß und 30 Prozent Ärger, den du nicht persönlich nehmen darfst. Wir machen genauso Fehler wie die Spieler, die wir schützen. Daher habe ich auch keine Angst, mich zwischen zweimal Zweimeter zu stellen. Das richtige Bauchgefühl ist das wichtigste, und das wächst mit jedem Einsatz."

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel, lautet das Motto der temperamentvollen 24-Jährigen: "Seid sportlich fair und sagt mir meine Fehler in vernünftigem Ton, sonst kann ich nichts lernen. Das gebe ich oft in der Kabine den Mannschaften mit auf den Weg." Ein Weg, auf dem sie sich zwei Dinge wünscht: "Einmal an der Linie von Bundesligist Schalke 04 zu stehen und, wenn es auch nur ein Freundschaftsspiel ist. Und mehr Frauen, die sich an die Pfeife trauen."

Getraut hat sich auch Schirikollege Benjamin Löding. Er tauschte sein Spielertrikot gegen den schwarzen Dress nach seinem ersten Schlüsselbeinbruch. "Ich hatte von den Verletzungen als aktiver Spieler genug, wollte mich aber weiter sportlich betätigen und so startete ich meine Referee-Karriere mit 17 Jahren", erzählt der Asemisser. Heute ist er 22 und auf dem Sprung in die Landesliga.

Dabei setzt er auf  Einfühlvermögen und  Unauffälligkeit. Sein Vorbild ist der Unparteiische Florian Meyer. "Der erklärt und redet viel", meint der BWL-Student und ergänzt mit einem Lächeln: "Am besten ist es, wenn niemand am Ende mehr weiß, wer überhaupt gepfiffen hat."

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