Auch in Detmold werden die besten Nachwuchskicker gefördert

Eine bundesweite Leistungsdiagnostik ermöglicht einen Vergleich der größten Talente in Deutschland

Dietmar Welle

  • 0
Während der aus Schlangen kommende Joshua Kubi den Ball um die Stangen tanzen lässt, konzentrieren sich seine Mitspieler auf die nächste Aufgabe. Im Hintergrund laufen die Kameras mit. - © Egon Penner
Während der aus Schlangen kommende Joshua Kubi den Ball um die Stangen tanzen lässt, konzentrieren sich seine Mitspieler auf die nächste Aufgabe. Im Hintergrund laufen die Kameras mit. (© Egon Penner)

Detmold. „Den Straßenfußball gibt’s nicht mehr." Günter Erfkamp, ehemaliger Vorsitzender des FuL-Kreises Detmold, schaut nach diesen Worten etwas traurig drein. Doch Erfkamp wäre nicht Erfkamp, überwöge nicht das Positive. „Aber unterm Strich geht’s mit dem Fußball voran", huscht ein Lächeln über sein Gesicht.

Ja, seine Leidenschaft nach vorne bringen, das war schon immer Erfkamps Ansatz. Der im positiven Sinne Fußballverrückte hat den Virus auch auf seinen Sohn Dirk übertragen. Und das Schalke-Gen. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zum heimischen Kick. Beim früheren Straßenfußball schliffen die Nachwuchskicker ihre Skills ein, brauchten keine Nachwuchsförderung. Wer sich auf dem Acker durchsetzte, der fand auch schnell einen Platz in einem „richten" Fußballteam.

Als es mit dem Straßenfußball endgültig aus und vorbei war, da hatte Erfkamp senior schon längst eine Antwort parat. Er erinnert sich: „Es gab immer weniger Möglichkeiten, einfach so Fußball zu spielen. Dann haben wir in die Kreiskasse gegriffen und am 8. Oktober 2000 ein detailliertes Training für Auswahlmannschaften im FuL-Kreis Detmold initiiert." Das Trainertrio bestand aus den Männern der ersten Stunde: Dirk Erfkamp, Andreas Stockebrand und Manfred Wessel. Namen mit einem guten Klang, die für Qualität standen und stehen.

Als dann der Deutsche Fußball-Bund ein Jahr später sein Förderkonzept mit den Stützpunkten einrichten wollte, entgegnete Erfkamp, der Ältere: „Tut uns leid, wir sind schon seit einigen Monaten genau in diese Richtung tätig. Aber natürlich haben wir dann mitgemacht." Gesplittet gab es ab 1. März 2002 einen Stützpunkt im Machtbereich des FuL-Kreises Detmold in Lage wie auch in Detmold. Die offizielle Eröffnung am Werreanger lief am 8. September, es ging fortan um eine bundesweit mit 19 Millionen Euro unterstützte Maßnahme zur Talentförderung. Und das möglichst in der Form „durchdacht".

Schon längst seien die Zeiten vorbei, so Dirk Erfkamp, dass eine Übungseinheit aus zehn Runden laufen und dann sieben gegen sieben bestand. Fortan richtete sich die Nachwuchsausbildung an Lehrordnern aus, jede Einheit ist durchstrukturiert. Fallbeispiel: „Handlungsoptionen bei gegnerischem Ballbesitz". Danach wissen alle Bescheid.

Im FuL-Kreis Detmold nehmen 20 Spieler pro Einheit und Jahrgang teil. Es beginnt bei den E-Mädchen und setzt sich bei den Jugendlichen bis zu den C-Junioren fort. Den Erfolg sieht Günter Erfkamp darin, dass „deutlich mehr Juniorenmannschaften überkreislich spielen als früher" mit den Schwerpunkten in Hiddesen-Heidenoldendorf und Jerxen-Orbke.

Die Stützpunktarbeit verbessere jeden Spieler individuell. Und das lässt sich auch bemessen. Regelmäßig unterziehen sich die Talente einem Leistungstest, der – wissenschaftlich begleitet – bundesweit ausgewertet wird.

An den Ergebnissen orientieren sich nicht zuletzt auch die Trainer unter dem Thema: Wo stehen wir mit unserem Ausbildungsniveau? Mittlerweile gilt das Lipperland für den Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld oder den Drittligisten als zuverlässige Versorgungsstation für den eigenen Nachwuchs. Güner Erfkamp. „Da sind unsere Jungs herzlich willkommen."

Nicht jeder schafft den großen Sprung. Aber es gibt doch genügend Beispiele für eine erfolgreiche Karriere: Angreifer Felix Platte aus Sabbenhausen, erst Schalke, jetzt Darmstadt. Der 20-Jährige durchlief auch die Detmolder Station. Wichtig ist Günter Erfkamp aber auch, dass nicht nur die Spieler, sondern auch die Übungsleiter immer auf dem neuesten Stand sind.

Von 1965 bis zum Jahr 2016 habe es ohne Unterbrechung eine Übungsleiterausbildung gegeben, zudem seien die nicht lizenzierten Übungsleiter geschult worden. „Das spricht für uns", so Dirk Erfkamp: „Mit dem Fußball soll es doch weiter voran gehen."

Information

Die Stützpunkttrainer in Detmold

Folgende Fußball-Übungsleiter sind für die Junioren-Auswahlmannschaften im FuL-Kreis Detmold derzeit verantwortlich:

  • U11-Stützpunkt: Ralf Pejunk;
  • U12-Stützpunkt: Frank Herrmann;
  • U13-Stützpunkt: Dirk Erfkamp;
  • U14/U15-Stützpunkt: Christian Meier;
  • U14-Mädchen-Kreisauswahl: Vanessa Seefeld.

Als Betreuer der Auswahlmannschaften fungiert Werner Brand. Die
Trainingseinheiten finden vorwiegend im Detmolder Schulzentrum Mitte
sowie am Werreanger in Lage statt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.