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04.02.2012
SPORT
Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen
Prof. Dr. Cyrus Klostermann über klassische und saisonale Verletzungen

Rät zu angeleitetem Training: Chefarzt Prof. Dr. Cyrus Klostermann. | Foto: Privat

Kreis Lippe. Der Kreuzbandriss und die kaputte Schulter gehören zu den Verletzungs-Klassikern beim Sport, besonders bei Fuß- und Handballern. Aber auch "Wasserbomben" im Schwimmbad können böse Folgen haben.

Lemgos Handball-Profi Sebastian Schneider (Bandscheibe) oder Lüerdissens Fußball-Torwart André Schnatmann (Achillessehne) sind zwei lippische Athleten, die derzeit mit schweren Verletzungen zu kämpfen haben. Ist das Knie kaputt oder die Schulter defekt, sind Experten wie Prof. Dr. Cyrus Klostermann, Chefarzt der Unfallchirurgie am Klinikum Lippe, gefragt.


Herr Klostermann, welche Sportverletzung war die kurioseste, die Sie mal behandeln mussten?

Prof. Dr. Cyrus Klostermann: Das war zu meiner Berliner Zeit eine Wirbelkörperfraktur bei einem Teilnehmer der "Arschbombenweltmeisterschaft". Der war beim Sprung aus fünf Metern Höhe folgenschwer im Wasser aufgekommen.

Welche Sportverletzungen müssen Sie am häufigsten behandeln?

Klostermann: Da Lippe eine Handball-Region ist, sind das Schulterverletzungen. Beim Fußball sind Kreuzband und Meniskus dauerhafte Themen. Grundsätzlich ist aber zwischen Verletzungen, die bei Kontaktsportarten entstehen, und denen, die einseitige Belastung als Ursache haben, zu unterscheiden.

Inwiefern?

Klostermann: Beim Tennis ist es oft eine jahrelange einseitige Belastung, zum Beispiel des Schultergelenkes, die zu Verschleiß führt und behandelt werden muss. Das kann Fußballer und Handballer auch treffen, bei diesen Sportarten entstehen Verletzungen aber öfter durch oder nach Kontakt mit dem Gegner. Es gibt aber auch Verletzungen, die saisonbedingt vermehrt auftreten.

Welche?

Klostermann: Im Moment sind das Wintersportverletzungen, dabei ist häufig das Knie betroffen. Im Sommer ist es die Trampolin-Zeit, wobei sich gerade Kinder und Jugendliche verschiedene Verletzungen zuziehen. Aber auch Trendsportarten wie Mountainbiken sind im Kreisgebiet angesagt. Fahrradunfälle nehmen generell zu. Sportverletzungen seit einigen Jahren aber auch.

Woran liegt das?

Klostermann: Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Freizeit einen hohen Stellenwert hat und in der Körperaktivität ja auch gewünscht und gefördert wird. Dadurch sind einfach viel mehr Menschen sportlich aktiv. Auch Ältere nehmen immer häufiger die Breitensportangebote der Vereine wahr. Im Alter sind es oft Verschleiß und Arthrose, die den Menschen zusetzen.

Welche Sportarten sind aus Ihrer Sicht am ungefährlichsten?

Klostermann: Laufsportler behandeln wir sehr selten. Aber auch die Verletzungsmuster beim Golfen sind überschaubar. Hier sind es eher die Verschleiß-Erscheinungen, die irgendwann Probleme bereiten.

Was können Sportler tun, um solchem Verschleiß vorzubeugen?

Klostermann: Sportler müssen ihre Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen. In der Anfangsphase ist ein gut angeleitetes Training wichtig, um sich schadhafte Bewegungen nicht von vorn herein anzugewöhnen. Wiedereinsteiger sollten nach langen Pausen aufpassen und kontrolliert beginnen. Außerdem sollten bestehende Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen, wie das Aufsetzen eines Helms beim Radfahren, ergriffen werden.

Noch vor einigen Jahren galten Schulterverletzungen bei Handballern und Kreuzband­risse bei Fußballern als das sichere Ende der sportlichen Laufbahn. Wie sind die Behandlungschancen heute?

Klostermann: Diese Verletzungen sind immer noch gravierend für das jeweilige Gelenk. Allerdings sind die Behandlungstechniken wesentlich besser geworden. Wir verstehen heute viel mehr von der Gelenkmechanik der Schulter und des Knies. Operationen sind heute weichteilschonender, Kreuzbänder können mit Plastiken rekonstruiert werden. Auch Rehamaßnahmen haben sich weiterentwickelt. Wie lange eine Regeneration dauert, hängt aber vom Einzelfall ab. Es bleiben schwere Verletzungen.

Das Interview führte LZ-Volontär Patrick Bockwinkel.


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