Lemgo. Mit 10:2 Punkten hat der Handball-Bundesligist TBV Lemgo im Dezember sportlich in die Spur zurückgefunden. Doch wie ist zum Jahreswechsel die wirtschaftliche Lage?
TBV-Beiratsvorsitzender Siegfried Haverkamp, der in wenigen Wochen seinen 71. Geburtstag feiert, erteilt Auskunft.
Ist Platz elf zur WM-Pause ein gutes oder ein schlechtes Ergebnis?
Siegfried Haverkamp: Ich eigne mich nicht zum Schönreden. Doch viele Gründe, weshalb es teilweise nicht lief, liegen außerhalb des sportlichen Bereichs. Es macht jedoch keinen Sinn, die Ereignisse der Vergangenheit als Ursache unserer Probleme neu zu interpretieren.
Also kein Nachkarten gegenüber den ausgeschiedenen Geschäftsführern. . .
Haverkamp: Sportliche Leistungen wachsen in einem unbelasteten Umfeld. Doch davon konnte durch die Personalprobleme in der Vereinsspitze nicht die Rede sein. Das größte Übel sind die daraus entstandenen finanziellen Folgen. Nach dem Platzen der Sponsorenverträge im Sommer und der Abwendung einer drohenden Insolvenz gab es keine ausreichende Anschlussfinanzierung. Trotz intensiver Bemühungen ist es uns nicht gelungen, in kürzester Zeit eine finanzielle Konsolidierung zu erreichen. Die verbliebenen Altlasten erwiesen sich als nachhaltiger, als zunächst angenommen.
Was heißt das konkret?
Haverkamp: In Aussicht gestellte Werbeverträge ließen sich teilweise nicht realisieren. Bedauerlicherweise sind auch die Zuschauereinnahmen gegenüber dem Planansatz deutlich gesunken. Das alles führte zu einem neuerlichen Defizit in beträchtlicher Höhe.
Auf der Gesellschafterversammlung war von 400.000 bis 500.000 Euro die Rede, die über die Kommanditisten aufgefangen werden sollten. Wie ist die Resonanz?
Haverkamp: Bis heute leider nur gering. Ich interpretiere die Zurückhaltung unserer Gesellschafter mit der Sorge, dass wir die Kurve nicht kriegen. Doch dank weiterer Sponsorenzuwendungen ist aktuell nur noch ein Restbetrag von 150.000 Euro offen. Ich hoffe, dass wir durch weitere Eigenkapitalzuflüsse aus der KG auch dieses Problem aus der Welt schaffen und der Lizenz-Erteilung durch die HBL im Frühjahr 2013 nichts mehr im Wege steht.
Abgesehen von Mittelmann Martin Strobel, der eine Option zieht und im Sommer zurück nach Balingen wechselt, herrscht hinsichtlich der Personalplanungen für die neue Saison bislang absolute Funkstille. Nach den Worten des Trainers hakt es an dieser Stelle.
Haverkamp: Es hakt keineswegs. Der Zeitfaktor für endgültige Entscheidungen wird jedoch nicht nur durch uns allein bestimmt. Dennoch: Es wird weitergehen - im Rahmen unserer Möglichkeiten. Dabei dürfte inzwischen jedem klar sein, dass dieser Rahmen nicht dem entspricht, was man sich wünscht. Anpassungen werden notwendig sein, um vergleichbare Situationen, wie wir sie jetzt zweimal innerhalb kurzer Zeit erleben mussten, künftig zu vermeiden. Wir sind verpflichtet, aus unserem Budget das zu machen, was es hergibt, statt Verpflichtungen einzugehen, welche anschließend nicht erfüllt werden können und ich gezwungen bin, wieder an viele Türen zu klopfen.
Auch mit dem Trainer wurde noch nicht verlängert. Wie hoch ist das Risiko, dass Dirk Beuchler den TBV Lemgo verlässt?
Haverkamp: Wir sind in guten Gesprächen mit weiteren Sponsoren. Leider kam Weihnachten zu plötzlich, um über ein endgültiges Ergebnis zu verfügen. Wir müssen uns bei der Kaderplanung, zu der auch der Trainer zählt, deshalb noch etwas gedulden. Das ist mit allen Beteiligten so abgesprochen - auch mit Dirk Beuchler. Von meiner Seite gibt es keinerlei Zweifel, dass wir ihn halten wollen - und zwar langfristig.
Ihre Wünsche für das neue Jahr?
Haverkamp: Persönlich wünsche ich meiner Familie und mir Gesundheit. Aber auch ein wenig mehr Zeit für private Dinge, die zuletzt zu kurz gekommen sind. Beim TBV geht es darum, Nachhaltigkeit zu erzeugen. Wir müssen ein langfristiges Konzept umsetzen, in dem die Nachwuchsförderung Priorität besitzt.
Das Interview führte LZ-Redakteur Jörg Hagemann.
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