Bundestagskandidat Lothar Kowelek im Porträt

Marianne Schwarzer

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Für Die Linken kandidiert Lothar Kowelek. - © Vera Gerstendorf-Welle
Für Die Linken kandidiert Lothar Kowelek. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Andere Leute haben gebannt oder gelangweilt vor der Glotze gesessen und das so genannte Kanzler-Duell geguckt. Nicht so Lothar Kowelek, Bundestagskandidat der Linken im Wahlkreis Lippe II: "So einen Polit-Zirkus tue ich mir nicht an. Ich hab statt dessen einen Horror-Film geguckt."

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Wie es Lothar Kowelek als Spross einer klassischen Pivitsheider Arbeiterfamilie betrachtet, ist ziemlich klar: Von links. Der gelernte Schriftsetzer und studierte Sozialarbeiter wurde politisch schon früh sozialisiert, hat sich als Teenager für das autonome Jugendzentrum in Pivitsheide engagiert. "Wir haben das auch hingekriegt, aber es hat nur ein paar Monate überlebt" erzählt er. "Politisch war es einfach nicht gewollt." So weit Links wie heute war er nicht immer: "Ich habe 1998 noch die Grünen gewählt, doch dann sind die in den Krieg marschiert."

 "Die Konfrontation mit denen, die die Macht haben, hat in der Tat bei mir Spuren hinterlassen."

Sozialdemokratische Politik wäre auch nicht mehr in Frage gekommen: "Spätestens nach der Agenda 2010 war das vorbei." Ihm ging es um Gerechtigkeit, und dazu gehört für den Sozialarbeiter auch der Mindestlohn: "Und die einzigen, die das damals wollten, war die PDS." 2007 gingen die Linken daraus hervor, ein Jahr später trat Lothar Kowelek in die Partei ein.

2009 ging er in die Kommunalpolitik, wurde Mitglied der Detmolder Ratsfraktion. Sein Schwerpunkt: Arbeit und Soziales. Der Einsatz für die Unterdrückten, das hatte ihn zu der Zeit längst im Berufsleben begleitet. Nicht von ungefähr hat sich Lothar Kowelek das Café am See in Bad Meinberg für das Interview mit der LZ ausgesucht: "Hier, in der damaligen Rolandklinik, habe ich früher gearbeitet, bevor ich zur Brunnenklinik gewechselt bin." Er hat hier nicht nur als Sozialarbeiter gearbeitet, sondern sich hier auch im Betriebsrat engagiert. Aktiv hat er sich am Arbeitskampf im Versuch beteiligt, einen Tarif für die Beschäftigten durchzusetzen.: "Die Konfrontation mit denen, die die Macht haben, hat in der Tat bei mir Spuren hinterlassen."

Was denkt der zweifache Vater, wenn er nach Berlin und auf die Zukunft schaut? - Nichts Gutes: "Ich fürchte, dass mit der Großen Koalition ein "Weiter so" geben wird, und das wird Verschlechterungen im Bereich der Rente und vielen anderen sozialen Bereichen bringen. "Ich fürchte, dass die Macht der Wirtschaft sich vergrößert und der Lobbyismus so weiter geht." Von linker Politik in Berlin erhofft er sich hier ein Korrektiv, aber Optimismus sieht anders aus: "Ich rechne mit nichts."

Flüchtlinge: Dass Menschen ihre Heimat verlassen, hat Gründe: Kriege, wirtschaftliche Destabilisierung - Faktoren, die maßgeblich vom Westen geprägt wurden. Die Lebensgrundlagen der Menschen werden zerstört. Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen.

Europa: Die EU ist eine ganz wichtige Sache, nur die Art der Organisation und die Arbeit der EU-Kommission ist falsch. Wir brauchen mehr europäische Sozialstandards.

Politikverdrossenheit: Dagegen etwas zu tun, ist schwer. Ich denke, viele Gründe, warum Menschen sich zurückziehen, haben mit ihrer Lage zu tun. Die, die sich abgehängt fühlen hören auf, sich zu interessieren. Wir brauchen gegen die Resignation eine neue politische Agenda.

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