Impressionen aus Hillentrup bei Lippe hautnah. - © Heidi Stork

Lippe hautnah
Hillentrup: Da wohnen, wo andere Urlaub machen

Impressionen aus Hillentrup bei Lippe hautnah. (© Heidi Stork)

Dörentrup-Hillentrup. Etwa sechs Kilometer nordöstlich von Lemgo, im Herzen des lippischen Berglandes, liegt das Kirchdorf Hillentrup mit seiner imposanten neugotischen Kirche. Liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser säumen die Hauptstraße, die sich durch den lang gezogenen Talort schlängelt. Wer dem Alltags-Stress entfliehen und die Seele baumeln lassen möchte, kommt hier auf seine Kosten.

Oder etwa doch nicht? "Lippe hautnah" das Dorfprojekt von LZ und Radio Lippe wollte es genauer wissen und hat die Bewohner am 16. Juli zum Dorfgespräch im Gemeindehausgarten gebeten. Wo gibt es Probleme im Dorf? Was läuft gut und welche Dinge an Hillentrup sind bemerkenswert? Das wollte das Reporterteam von den 150 anwesenden Hillentrupern wissen. Und schon nach kurzer Zeit war klar: Hillentrup hat viele schöne Seiten, aber auch mit einigen Problemen zu kämpfen.

So ist der historische Dorfkern rund um die Kirche für Fachwerkliebhaber ein wahres Eldorado. Doch nicht nur Touristen wissen das idyllische Kleinod zu schätzen. Der größte Ortsteil der Gemeinde Dörentrup ist mit etwa 3.000 Einwohnern Hillentrup. Dazu gehören neben dem Dorf Hillentrup aber auch das Dorf Spork, das Dörentruper "Zentrum" und die Siedlung Neuenkamp. Im Dorf Hillentrup selbst leben nur noch knapp 300 Menschen.

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Der Heimatverein „Nachbarschaft Hillentrup" und Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Dörentrup hatten im Vorfeld des Dorfgesprächs kräftig mit angepackt, um das Beisammensein möglichst gemütlich zu gestalten. Was ihnen an ihrem Leben in Hillentrup gut gefällt, wo es Verbesserungswünsche gibt und was die Dorfbewohner an ihrem Dorf bemerkenswert finden, erzählten die Gäste Moderatorin Julia Ures.

Dabei wurde schnell klar: Das Leben im idyllischen Ort im schmalen Tal des Hillbachs ist absolut lebenswert. Die schöne Landschaft, die Natur und das tolle Verhältnis zur Nachbarschaft waren nur zwei der genannten Punkte.

Fotostrecke: Lippe hautnah in Hillentrup - Das Dorfgespräch

Über andere Themen wurden durchaus kontrovers diskutiert. So beklagte Philipp Antonius Müller die fehlende Perspektive für Jugendliche. „Es gibt hier keine Ausbildungsmöglichkeiten für junge Leute, darum wandern sie ab", kritisierte er. Dem widersprach Silke Schirrmacher, die in Hillentrup aufgewachsen ist, zeitweilig woanders wohnte und nun selbst mit ihrer jungen Familie in Hillentrup lebt.

Karin Blome hob den fröhlichen Gesang nicht nur zu Geburtstagsfeiern als positiv im Dorf hervor. Das stellte sie auch sofort unter Beweis: Spontan stimmte sie das Lied über das Leben am „Hillebach" an. Dabei wurde sie von zahlreichen Gästen laut und fröhlich unterstützt.

Auch die große Zahl an Nahversorgern, Ärzten, ein schönes Freibad und eine Tankstelle im zwei Kilometer entfernten Nachbardorf Dörentrup entlang der B66 wurden positiv hervorgehoben. Wenngleich die Topographie des Dorfes Hillentrup besonders für ältere Menschen ein Problem darstelle, betonte Wolfgang Allemeier. „Hier oben ist es wunderschön, aber wenn man nicht mehr mobil ist, vereinsamt man hier leicht", mahnte er.

Rege Diskussionen hat es beim Dorfgespräch gegeben. - © Heidi Stork
Rege Diskussionen hat es beim Dorfgespräch gegeben. (© Heidi Stork)

Eine Bewohnerin forderte mehr kulturelle Veranstaltungen im Dorf. Von enttäuschenden Besucherzahlen bei Kunstausstellungen wusste hingegen Laura Gerber zu berichten. Auch ihr liegt die Belebung der Kultur im Dorf am Herzen. „Angebotene Veranstaltungen wurden jedoch bisher eher verhalten angenommen", betonte sie. Wie sollten Angebot und Nachfrage besser miteinander verzahnt werden? Zumindest machen sich nach dem Dorfgespräch mehr Menschen in Hillentrup Gedanken über kulturelle Events in der Gemeinde.

Auch das Verkehrsaufkommen wird von den Dorfbewohnern unterschiedlich wahrgenommen. Die schlechte Anbindung an die Autobahn kritisierte Sylvia Bäune. „Das schreckt viele ab, hierher zu ziehen", vermutete sie. In den Sommermonaten stellten zudem zahlreiche Motorradfahrer eine Belastung dar, die das hügelige Bergland für Ausfahrten nutzen, ebenso zu schnell fahrende Autofahrer. Während es beim hohen Tempo auf der Dorfstraße Konsens gab, gab es andere Meinungen zur Äußerung von Sylvia Bäune. "Unser Dorf liegt doch sehr zentral. Wir sind in 30 Minuten in Detmold, Hameln oder Rinteln. Das ist keine weite Strecke", formulierte ein anderer Teilnehmer.

Ein Bewohner beklagte die Parksituation entlang der Hauptstraße. Wenn auf allen Parkflächen Autos parkten, sei es für größere Fahrzeuge sehr schwierig, dort vorbeizukommen.

Ein weiterer Teilnehmer machte auf die Situation der Grundschule aufmerksam. Er erklärte, dass Grundschüler zum Essen in der Mittagspause in die Turnhalle - einige Meter weit entfernt - gehen müssten. "Die Küche in der Schule im 2. Stock wird überhaupt nicht genutzt. Das ist alles andere als schön", sagte er im Gespräch.

Als bemerkenswert hob Heinz Jäger die wunderschöne Kirche hervor, die Dorfbild prägend sei und dringend saniert werden müsse. Der ehemalige Gemeindepastor Ralph Oberkrome erinnerte an die 700-Jahr-Feier, bei der nahezu ein ganzes Jahr gemeinsam gefeiert wurde. Er sieht in Hillentrup das große Bedürfnis nach Begegnung und möchte Vereine und Institutionen noch enger zusammenbringen, um mehr gemeinsame Aktionen auf die Beine zu stellen. "Das zeigt allein die Resonanz bei Lippe hautnah"

Und in einem sind sich die Hillentruper durchweg einig: Die malerische Natur und die abwechslungsreichen Wandermöglichkeiten rund um das Kirchdorf sind einzigartig und bieten ein malerisches Umfeld zum Wohnen.


Zum Herunterladen
  1. LZ-Bericht aus August 1979 - 700-Jahr-Feier
  2. LZ-Bericht aus Januar 1979 über die Turnhalle
  3. LZ-Bericht zum Bau des Freibades
  4. LZ-Bericht aus 1979 zum Gedenkstein
  5. LZ-Bericht zur 700-Jahr-Feier
  6. LZ-Bericht Wie alt ist Hillentrup?
  7. LZ-Bericht zu Uphucker

Information
Eine lebenswertes Dorf - von Willi Gahlen

Hillentrup liegt in einem schönen Seitental der Bega. Im oberen Dorfgebiet umgeben von Bergen bis zirka 300 Meter Höhe. Die erste Erwähnung Hillentrups ist bisher mit 1279 datiert. 1979 gab es darum die große 700-Jahr-Feier im Dorf. Eine Gedenktafel am Buswendeplatz weist noch heute darauf hin. Am Fuße des Mühlenbergs ist die Quelle für das Trinkwasser, um das "uns uns alle Welt beneidet". Auch die klare Luft in Hillentrup sei erwähnenswert. Die Hillentruper nennen sich selbst auch "Uphucker". Im Hornsiek waren früher die Flachsrotten, dort versammelten sich immer viele Frösche. Diese Frösche waren der Grund für den Namen "Uphucker". 

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von Seda Hagemann und Heidi Stork

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