Lippe hautnah in Lieme - © Heidi Stork

Lippe hautnah
So zufrieden sind die Liemer mit ihrem Ort

Lippe hautnah in Lieme (© Heidi Stork)

Lemgo-Lieme. „Lippe hautnah", das Dorfprojekt von LZ, LZ.de und Radio Lippe hat am Sonntag in Lieme Station gemacht, um mehr über das Dorf und seine Bewohner zu erfahren. Während die meisten Liemer am frühen Morgen noch gemütlich in den Federn lagen, wurden im Liemer Krug bereits fleißig Brötchen geschmiert. Für die Mitglieder des Kultur- und Sportrings war es Ehrensache, dem „Lippe hautnah"-Team bei der Vorbereitung der Veranstaltung unter die Arme zu greifen.

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Um dem Dorfgespräch den entsprechenden Rahmen zu geben, hatte Familie Spies den Saal des Liemer Kruges zur Verfügung gestellt. Schnell wurde im Dorfgespräch klar: Lieme verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur, mit Arzt- und Zahnarztpraxis, KiTa, Grundschule, Tankstelle, Bäckerei mit kleinem Lebensmittelmarkt, Freibad, Postfiliale, Sparkasse und gleich drei Gastronomiebetrieben. Heike Brußmann hob besonders den Zusammenhalt der Dorfbewohner hervor, wo jeder jeden kennt.

Claudia Scholz hat vor 20 Jahren in Lieme gebaut und freut sich besonders über die gute Busverbindung. Die Batze habe sie allerdings erst vor kurzem für sich entdeckt, seitdem sie mit ihrem Enkelkind dort zum Schwimmen gehe. Karl- Rochus Kintscher will indes den Ilsepark in Lieme weiter voran bringen, den die Initiative „Wir sind Lieme" mit Hilfe von Fördergeldern aus dem europäischen Leaderprogramm ausbauen und verschönern möchte. Andreas Kramp lobte die Entwicklung des Dorfes und den Zusammenhalt der Bewohner.

Dass Lieme einen eigenen FC Bayern München Fanclub hat, hob Elke Stösser als positiv hervor. Jürgen Gronemeier sprach als erster Vorsitzender über die Entstehung des inzwischen 170 Mitglieder zählenden Fanclubs. Udo Golabeck lobte die rasche Integration von Neubürgern in die Dorfgemeinschaft. „Die Liemer sind offen und gehen aufeinander zu", brachte er es auf den Punkt. Doch es gab auch Kritik. So beklagte Christoph Nickel die kaum vorhandenen Wanderwege um Lieme, zudem gehe die Zahl der Kirchgänger mehr und mehr zurück.

Das Dorfgespräch in Lieme - © Heidi Stork
Das Dorfgespräch in Lieme (© Heidi Stork)

Weiter appellierte er an den örtlichen Sportverein, mehr Energie in die Trainerausbildung zu investieren. Sein elfjähriger Sohn Sebastian kritisierte die überfüllten Schulbusse zu den weiterführenden Schulen nach Lemgo. Ein dickes Lob gab es indes für Freibad, Spiel- und Sportplatz sowie Bäckerei. „Und das beste Eis gibt es bei Fricke", ist der Elfjährige überzeugt.

Eisdielenbesitzer Klaus Fricke ärgert sich jedoch seit Jahren über den schlechten Zustand der Bielefelder Straße in Richtung Hagen. „Die Straße erinnert an einen russischen Knüppeldamm", schimpfte er. Ohne Radweg bestehe dort zudem Gefahr für Radfahrer und Fußgänger. Mehrfach habe er diesen Missstand bereits bei den Behörden gemeldet, wegen zu geringem Verkehrsaufkommen bisher jedoch ohne Erfolg. „Dabei wäre ich sogar bereit, von meinem Grundstück Fläche für einen Radweg zur Verfügung zu stellen", betont er kopfschüttelnd.

Julia Ures moderierte das Dorfgespräch in Lieme - © Heidi Stork
Julia Ures moderierte das Dorfgespräch in Lieme (© Heidi Stork)

Kritik gab es auch an der generell zu hohen Geschwindigkeit im Durchgangsverkehr. Der Versuch von Dirk Wilmsmeier, eine Tempo-30-Zone zu erwirken, sei bisher gescheitert. Auch das marode Sporthaus kam zur Sprache, das aus seiner Sicht nicht nur dringend renoviert, sondern auch erweitert werden müsste.

Die geschlossene Apotheke sorgt unter den Dorfbewohnern ebenfalls für Zündstoff. „Das ist ein Zustand, den wir dringend ändern sollten", unterstrich Steffen Brußmann. Derweil wünscht sich Sebastian Stösser einen öffentlichen Grillplatz für Lieme. Adelheid Krüger freut sich über die neu geschaffenen Arbeitsplätze, die das Industriegebiet mit sich gebracht habe. „Es ist im ganzen viel los im Dorf, leider auch mehr LKW-Verkehr als früher", betonte sie.

Fotostrecke: Lippe hautnah in Lieme
Fotostrecke: Fotos von "Fricken Ömmes"


Lippe hautnah-Team besucht "Fricken Ömmes"

So wie der TBV zu Lemgo gehört, ist die Eisdiele von Klaus und Ingrid Fricke schräg gegenüber vom Freibad seit Jahrzehnten ein unverkennbares Markenzeichen von Lieme. Klaus Fricke, liebevoll „Ömmes" genannt, hat sie vor fast 30 Jahren von seinen Eltern übernommen und zu einer echten Institution ausgebaut.

Als sein Vater Hermann 1952 (lange bevor italienische Eisdielen wie Pilze aus dem Boden schossen) die erste Eismaschine kaufte, war das für die Dorfbewohner eine kleine Sensation. „Mit Vanille, Schokolade und Zitrone gab es anfangs allerdings nur drei Sorten", erinnert sich Klaus Fricke an seine Kindheit. Mittwochs und Samstags kam dann noch Banane hinzu. Erdbeereis gab es nur während der Erdbeerzeit im Frühjahr.

zu dieser Zeit entstand auch sein Spitzname „Ömmes". Ein Geselle des Vaters habe ihn immer so genannt, weil er eher das Gegenteil, nämlich ein Hämpfling gewesen sei. „Und seit mehr als 60 Jahren höre ich auf diesen Spitznamen", erzählt er schmunzelnd. Weil er als Jugendlicher mit Eis nicht viel am Hut hatte, machte Fricke nach der Schulzeit zunächst eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehmechaniker. Als sein Vater Mitte der 1970er Jahre in Rente ging, wurde es zunächst ruhig um die Liemer Eispezialitäten.

Doch vor 27 Jahren besann sich „Fricken Ömmes" seiner heimlichen Passion und eröffnete eine kleine Eisdiele an der Bielefelder Straße. „Es war, als wäre die Eisdiele nie geschlossen worden", beschreibt er den Ansturm bei der Wiedereröffnung. Versteckt hinter hohen Hecken ist die winzige Eisdiele längst kein Geheimtipp mehr. Von Mitte März bis Anfang September haben Schleckermäuler hier die Qual der Wahl aus 35 Eissorten. Ein gut gehütetes Geheimnis sind die zahlreiches Eisrezepte, die zum Teil noch von den Eltern stammen.

Ideen holt sich Klaus Fricke aber auch auf Fachmessen. Dass er mit seinen Kreationen den Geschmack seiner Kunden trifft, beweisen die langen Warteschlangen, die bei schönem Wetter regelmäßig bis zur Straße reichen. Mittlerweile gehört zu der originellen Eisdiele auch ein zünftiger Biergarten mit der urigen „Enger Hütte", die für Klaus Fricke längst zum zweiten Wohnzimmer geworden ist. Hier treffen sich Stammgäste und Ausflügler in gemütlicher Runde.

„Ich muss immer was zu tun haben", antwortet der 70jährige auf die Frage nach der Motivation. Denn neben der Herstellung von Speiseeis, ist das Kochen seine zweite große Passion. „Die Rippchen mit Bratkartoffeln sind einsame Spitze", schwärmt Monika Stölting, die zu den Stammgästen der „Enger-Hütte" zählt. Und wenn die Stimmung unter den Gästen im Biergarten so richtig brodelt, dann holt der umtriebige Rentner auch noch seine Quetschkommode raus. Auf die Frage, wovon er sich denn - nur hypothetisch - schwerer trennen könnte, von der Kneipe oder vom Eis, antwortet er jedoch ohne zu zögern: „Mein Herz hängt am Eis."

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von Heidi Stork

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