Hier wird rund um Leopoldstal gewandert

Alexandra Schaller

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Das Wandern ist des Lippers Lust - © Archiv: Janet König
Das Wandern ist des Lippers Lust (© Archiv: Janet König)

Horn-Bad Meinberg/Leopoldstal. Wer will, kann eine Woche lang rund um Leopoldstal wandern – und das ohne einen Weg zweimal zu gehen. Diese bemerkenswerte Aussage des passionierten Wanderers Volker Grusewski ließ bei der Veranstaltung „Lippe hautnah" von LZ und Radio Lippe aufhorchen. Die LZ macht die 
Probe aufs Exempel und lässt sich von dem 67-jährigen Leopoldstaler seinen Lieblingsweg zeigen.

Strammen Schrittes stapft Volker Grusewski in Wanderschuhen und knallgelber Jacke durch den Wald – links von ihm plätschert der Silberbach leise dahin, zu seiner Rechten erheben sich steile, grüne Hänge, die mit Bäumen und Sträuchern dicht bewachsen sind. Grusewskis Lieblingsrunde: Einmal um den Silberbach.

Volker Grusewski im Silberbachtal. - © Alexandra Schaller
Volker Grusewski im Silberbachtal. (© Alexandra Schaller)

Unterwegs ist der 67-Jährige dabei allerdings meist allein. Kein Wunder, bei dem Tempo. „Im Ort rufen sie mir häufig hinterher, ich solle nicht so schnell gehen", erzählt der Pensionär mit einem Schmunzeln. Sein Tempo, das hält er eben – egal ob es bergauf oder über Stock und Stein geht. Und er genießt die Ruhe dabei.

Das Wandern liegt Volker Grusewski in gewisser Weise im Blut. Mit seinen Eltern ist er schon als Kind immer an der frischen Luft, spielt als junger Mann Fußball, joggt und fährt Fahrrad. Später braucht der gebürtige Leopoldstaler dann die Bewegung als Ausgleich zum Job: Der gelernte Fernmeldehandwerker hat erst bei der Post, später bei der Telekom gearbeitet. Seit 2006 genießt er seine Pension. Und damit ihm nicht langweilig wird, ist er kurz darauf in den Leopoldstaler Heimatverein eingetreten. „Ich musste etwas tun", sagt er. Nur ein paar Monate später ist er Schriftführer – seit knapp zwei Jahren nun sogar zweiter Vorsitzender.

"Unter zehn Kilometern geht nichts"

Radfahren und Wandern – seine beiden liebsten Hobbys lässt er dennoch auch weiterhin nicht zu kurz kommen. Alle zwei bis drei Tage zieht es ihn für eineinhalb bis zwei Stunden in die Natur. Wenn das Wetter es zulässt, versteht sich. Acht bis zehn Kilometer sind für Volker Grusewski da keine Seltenheit. Mit seinen neu angeschafften Nordic-Walking-Stöcken ist ihm das sogar noch zu wenig. „Unter zehn Kilometern geht da gar nichts", sagt der Leopoldstaler.

Silberbachtal. - © Foto: Alexandra Schaller
Silberbachtal. (© Foto: Alexandra Schaller)

Für ihn ist der Weg das Ziel: „Ich gehe immer dort entlang, wo ich lange nicht mehr war." Genug Auswahl hat er wohl. Immerhin behauptete er bei „Lippe hautnah", man könne rund um Leopoldstal eine Woche wandern – ohne einen Weg zweimal zu gehen. Erfahrung hat er über die Jahre gesammelt. „Hier in der Gegend habe ich mich noch nie verlaufen", sagt er.

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Und wer beim Finden des richtigen Weges Hilfe benötigt, der ist bei Volker Grusewski genau richtig. „Wen ich mit fragendem Blick vor einer Karte stehen sehe, den spreche ich immer an und frage, ob ich weiterhelfen kann", sagt der 67-Jährige. Schon häufig ist man so ins Gespräch gekommen. Und den ein oder anderen hat Grusewski dann sicher wieder auf den richtigen Pfad geführt. „Teilweise sind die Wanderer dann auch richtig glücklich, wenn sie noch ein besonders schönes Fleckchen Leopoldstal zu Gesicht bekommen haben", sagt er.

Der silberne Schimmer gibt dem Bach seinen Namen

Für ihn ist das schönste Fleckchen wohl der Silberbachtal. „Früher hat man hier versucht, Silber zu schürfen. Den Namen hat der Bach aber auch von seinem silbernen Schimmer, wenn die Sonne darauf scheint", verrät der 67-Jährige. Seine Route weitet er je nach Lust und Laune beliebig bis zur Preußischen oder Lippischen Velmerstot aus. Gut eineinhalb Stunden braucht er dann für die acht bis zehn Kilometer. „Es gibt eigentlich kein besonderes Highlight – ich finde das große Ganze einfach toll", schwärmt er.

Eine kleine Anregung hat Grusewski dann aber doch. Die Wege könnten bei schlechter Witterung etwas besser sein. Und ein paar Rastmöglichkeiten wie Bänke, gerade für ältere Menschen, die könnte sich Volker Grusweski auf seiner Lieblingsroute auch gut vorstellen.

Blaue und schwarze Schilder weisen Wanderern ab sofort die neuen Wege

Marcus Hansen hat in den vergangenen Wochen und Monaten ordentlich zu tun gehabt. Rund 150 Baumstämme hat er gesäubert, ebensoviele Metallplättchen mit bunten Wegweisern beklebt, sie mit Spezialkleber eingestrichen und an den Baumstämmen befestigt. Der Grund: Rund um Leopoldstal sind zwei neue Wanderwege ausgeschildert worden.

Wer sich die Beine auf einer kurzen Spazierrunde vertreten möchte, für den ist der Silberbachpfad mit einer Distanz von 4,5 Kilometern geeignet: Er führt als Rundweg einmal unterhalb, einmal oberhalb am Silberbach entlang. Etwas anspruchsvoller wird es auf der gut neun Kilometer langen Velmerstot-Route.

„Sie verbindet die wichtigsten Attraktionen wie den Eggeturm, die Lippische Velmerstot, das Silberbachtal und die Schleifmühle", erklärt Marcus Hansen. Gutes Schuhwerk sei hier Pflicht: Denn auf der gut dreistündigen Tour müsse ganz bewusst über Felsbrocken oder das ein oder andere Wurzelwerk gekraxelt werden.

"Leopoldstal muss noch bekannter werden"

Entstanden sind die neuen Touren ab Januar diesen Jahres in einer siebenköpfigen Arbeitsgruppe, der neben Verantwortlichen des Naturparks Teutoburger Wald oder dem Egge-Gebirgsverein auch Marcus Hansen beisaß. Und auch wenn letztlich nicht alle seiner Ideen umgesetzt werden konnten: „Um Leopoldstal noch bekannter zu machen, sind attraktive Wanderwege unabdingbar", sagt er. Und: Aufgrund der naturbelassenen Wege ist die Velmerstot-Route jetzt sogar zertifiziert worden.

Das neue Schild zu den beiden neuen Wanderwegen. - © Alexandra Schaller(LZ)
Das neue Schild zu den beiden neuen Wanderwegen. (© Alexandra Schaller(LZ))

Seit zwei Jahren ist Marcus Hansen für die Wegezeichnung zuständig. Auf seinen Kontrollgängen auf den zwölf größten Wegen, die bis zu den Externsteinen reichen, hat der Inhaber der Leopoldstaler Bäckerei seine Rosenschere immer in der Tasche. Und auch seine Familie wird eingespannt: Auf gemeinsamen Wanderungen darf die entscheiden, ob die Beschilderung für Nicht-Ortskundige ausreichend ist. „Ich selbst weiß genau, wo die Wege verlaufen – ein Außenstehender sieht das noch einmal ganz anders", sagt Marcus Hansen.

Zusätzlich zu den beiden Routen gibt es in Leopoldstal auch zwei neue Wandertafeln. Sowohl an der Alten Schule als auch am Silberbach können sich Wanderer informieren. Für die neuen Touren mussten andere Wege allerdings weichen. „Fünf von ihnen, die teilweise noch aus den 1970er Jahren stammen, werden nun demarkiert und verschwinden aus den Wanderkarten", erläutert der Wanderwegewart. Dann geht es für ihn wieder in den Wald. Einer muss ja die alten Hinweisschilder von den Bäumen kratzen.

Bessere Wege für Wanderer

Mit der Eröffnung des Wanderkompetenzzentrums WALK am Hermannsdenkmal ist ein Umbruch beim Wandertourismus eingeläutet worden, ist sich Nadine Radionovs sicher. Sie selbst ist beim Naturpark Teutoburger Wald für den Teilbereich Wandern zuständig.

„Wir arbeiten nicht mehr nebeneinander her, sondern ziehen alle an einem Strang", sagt sie. „Wir" – damit meint sie den Naturpark und die Lippe Tourismus & Marketing GmbH, die inzwischen beide an der Grotenburg angesiedelt sind. Und auch bei den Wanderwegen in Lippe wollen die Beteiligten für Qualität sorgen. „Es geht uns gerade bei neuen Wegen wie dem Silberbachpfad und der Velmerstot-Route darum, weniger Wege in besserer Qualität anzubieten", so Radionovs. Nach der Devise: Für jeden neuen Weg weichen zwei alte – wie auch in Leopoldstal.

"Projekt Zukunftsfit Wandern" will Wandern in Lippe weiter nach vorne bringen

Ein Mammutprojekt, das dabei unterstütze, sei das „Projekt Zukunftsfit Wandern". Dotiert mit zwei Millionen Euro, läuft es über drei Jahre noch bis August 2019 und will die Wanderinfrastruktur rund um den Teutoburger Wald aufwerten. Laut Projektleiter Ronald Claaßen gehe es dabei nicht nur um die Wege, sondern auch um Marketingaspekte und darum, etwa Gaststätten wanderfreundlich zu gestalten.

In Lippe läuft derzeit die Bestandsaufnahme. Klar ist: Es herrscht Ausbaubedarf. Denn mit Hansaweg und Hermannsweg trugen vor Projektstart lediglich zwei altklassifizierte Wanderwege die Zertifizierung „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland". Inzwischen sind drei weitere dazugekommen – darunter die Leopoldstaler Velmerstot-Route.

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