Langjähriger Leopoldstaler blickt auf ein bewegtes Leben zurück

Alexandra Schaller

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Erinnert sich: Karl Zappini mit einem Bild seines Großvaters Silvio (rechts) und einem Foto von sich selbst. Darauf arbeitet er auf einer Baustelle in Lüdenscheid, wo er seine Frau kennenlernte. - © Alexandra Schaller
Erinnert sich: Karl Zappini mit einem Bild seines Großvaters Silvio (rechts) und einem Foto von sich selbst. Darauf arbeitet er auf einer Baustelle in Lüdenscheid, wo er seine Frau kennenlernte. (© Alexandra Schaller)

Horn-Bad Meinberg/Leopoldstal. Ganz leicht zittern Karl Zappinis Hände, als er langsam durch seine alten, schon leicht vergilbten Fotoalben blättert. Seite für Seite erzählen die kleinen schwarz-weißen Fotografien seine Geschichte.

Die Geschichte eines Mannes, der den Krieg überlebt hat. Der sich vom Maurer zum Geschäftsführer einer Baugesellschaft hochgearbeitet hat. Der jahrelang in der SPD, in der Gewerkschaft und in der Handwerkskammer aktiv gewesen ist. Und der es so ganz nebenbei sogar zum Deutschen Meister im Gewichtheben gebracht hat.

„Was ich nicht alles gemacht habe", sagt der 81-Jährige heute, der im Ort ziemlich bekannt ist und auch bei der LZ-Aktion Lippe hautnah in Leopoldstal mit von der Partie war. Mit zaghaften Schritten, die Hände fest am Rollator, geht er auf seinen gemütlichen schwarzen Ledersessel in der Ecke des Wohnzimmers zu und lässt sich darin nieder. Seine Geschichte – und die seiner Familie – beginnt in der italienischen Gemeinde Rabbi.

Um 1900 entschließt sich sein Großvater Silvio – vom Militär ausgemustert – nach Deutschland zu gehen. „In Altenbeken wurden im Zuge des Viaduktbaus Eisenbahnschwellen benötigt", erzählt Zappini. Sein Opa versteht sich als Tischler auf den Umgang mit Holz und Schwellenbeil – nur wenig später macht er sich selbstständig und baut sich mit seinen Ersparnissen in Paderborn einen Schwellenhauerbetrieb auf.

Was das mit Leopoldstal zu tun hat? Einiges: Immerhin stammen auch die ersten dort verlegten Bahnschwellen aus der Hand von Silvio Zappini. Und auch Karl Zappini selbst kann sich noch gut an seinen ersten Besuch im Ort erinnern. „Ich war etwa vier Jahre alt. Bei einem Glas Limo wartete ich in der damaligen Kneipe gegenüber des Bahnhofs auf meinen Vater Peppo, der im Sägewerk über den Kauf neuer Waldflächen verhandelte", erinnert sich der Rentner.

Im März 1945 überlebt die gesamte Familie Zappini dann den Bombenangriff auf Paderborn, flieht zu einer Tante nach Bad Meinberg und lässt sich schließlich im Ort nieder. Karl Zappini will Förster werden – doch das Geld für die Ausbildung hat seine Familie nicht. Und: Der damals 14-Jährige ist zu klein und wird als Lehrling immer wieder abgelehnt: „Da saß ich im Straßengraben und habe geheult."

Zahlreiche Medaillen zieren die Kellerwände

Dann ergattert er aber doch noch eine Ausbildungsstelle als Maurer. Doch der ehrgeizige junge Mann will mehr: Sechs Jahre arbeitet er im In- und Ausland und erhält schließlich Stipendien, die ihm Meisterprüfung und Studium ermöglichen. Schon in Lüdenscheid lernt er seine spätere Ehefrau Gisela kennen, mit der er sich in Leopoldstal niederlassen wird. „Die Natur hier ist vor allem zum Sport treiben einfach toll", sagt er.

Denn sportbegeistert, das ist der 81-Jährige zeitlebens ohne Frage. Zahlreiche Urkunden und Medaillen zieren die Kellerwände im Hause Zappini. Darunter auch der Deutsche Meistertitel. „Ich habe so ziemlich alles gewonnen, was man in meiner Gewichtsklasse gewinnen konnte", berichtet er sichtlich stolz, während er eine der Medaillen sanft durch die Hand gleiten lässt.

Geboxt hat Zappini im Übrigen auch – nach dem Gewichtheben hat es ihm aber vor allem die Leichtathletik angetan. Als junger Mann fährt er mit dem Rennrad zur Verwandtschaft nach Italien, später nimmt er – teils mit seiner Frau – neun Mal am Hermannslauf teil. Noch mit 75 Jahren läuft er den Paderborner Volkslauf.

Seine Familie zieht immer mit: „Sonntags wurden die Kinder aus dem Bett getrommelt und dann ging es los", sagt er mit einem Schmunzeln. Nach einer Operation ist Karl Zappini heute nicht mehr ganz so gut zu Fuß. Eines genießt er aber dennoch: Dass seine beiden Kinder samt Enkel direkt um die Ecke wohnen.

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