Mordfall Bosseborn: Zeuge gibt Hinweise auf versteckte Gegenstände von Wilfried W.

Jürgen Mahncke

Platte für Platte muss angehoben werden. Der Boden darunter wird nach Auffälligkeiten untersucht. - © Mathiesen-TV
Platte für Platte muss angehoben werden. Der Boden darunter wird nach Auffälligkeiten untersucht. (© Mathiesen-TV)

Höxter. Es war eine schweißtreibende Arbeit, die Beamte der Bielefelder Mordkommission am Mittwochmorgen in Höxter-Bosseborn verrichteten. Etwa 60 schwere Waschbetonplatten eines Gehweges vor der Haustür des Horrorhauses mussten sie anheben. Dann wurde der Sandboden darunter akribisch beäugt. Die Spurensicherer waren auf der Suche nach belastenden Gegenständen, die der wegen Doppelmordes angeklagte Wilfried W. hier eventuell vor seiner Festnahme vergrub.

Eine Zeugenaussage am 19. Verhandlungstag vor dem Landgericht Paderborn hatte den Anstoß gegeben, das kleine Gehöft in Bosseborn erneut in Augenschein zu nehmen. Der 30-jährige Mann, der Wilfried W. während eines Gefangenentransportes kennengelernt und sich mit ihm intensiv über dessen Straftaten unterhalten hatte, wusste Interessantes bei seiner Vernehmung zu berichten. So habe ihn Wilfried W. gefragt, ob er irgendwo in den Medien gelesen habe, dass der plattierte Gehweg vor seinem Gehöft in Bosseborn intensiv untersucht worden sei und wenn ja, ob man dort etwas gefunden habe.

Nach dieser Aussage nahm Strafverteidiger Peter Wüller Kontakt zu seiner Mandantin Angelika W. auf, die ebenso wie ihr Ex-Mann wegen Doppelmordes angeklagt ist. „Sie konnte sich gut vorstellen, dass Wilfried hier Dinge versteckt hat, die keiner finden sollte", berichtet der Anwalt von seinem Gespräch.

Wilfried habe sie damals beim Zersägen von Annika W. Leiche, die auf dem Gehöft wegen schwerer Misshandlungen gestorben und erst in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt wurde, mit seinem Handy gefilmt. Mit dem Video wollte er seine Ex-Frau notfalls erpressen. Das Telefon mit den brisanten Aufnahmen sei bis heute nicht aufgetaucht. Ebenso soll Wilfried W. eine kleine schwarze Pistole besessen haben, die bisher nicht gefunden wurde.

Über den Inhalt des Gesprächs mit seiner Mandantin informierte Peter Wüller unmittelbar den für das Verfahren zuständigen Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. Der erwirkte eine richterliche Anordnung, den in den Fokus gekommenen plattierten Gehweg genauer zu untersuchen.

Bereits nach der Verhaftung des Folterpaares Ende April vergangenen Jahres hatte es eine umfangreiche, monatelange Spurensuche und 
-sicherung im und um das Haus in Bosseborn gegeben. Unzählige Beweisstücke wurden sichergestellt und liegen teilweise immer noch beim Landeskriminalamt zur Untersuchung.

Am Mittwochvormittag nach zwei Stunden Plattenanhebens und Begutachtung des Unterbodens gab es von den Beamten der Spurensicherung nur einen knappen Kommentar: „Wir haben nichts gefunden." Wieder einmal waren die erheblichen Anstrengungen der Mordkommission, noch mehr Licht in das bizarre Geschehen in Bosseborn zu bringen, ins Leere gelaufen.

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