Interview mit Dr. Klaus Schafmeister vom Zukunftsbüro des Kreises Lippe

Astrid Sewing

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Entspannt die Daten für Lippes Zukunft im Blick: Dr. Klaus Schafmeister hat fürs Foto in einer Kissenlandschaft im CIIT Platz genommen. - © Bernhard Preuss
Entspannt die Daten für Lippes Zukunft im Blick: Dr. Klaus Schafmeister hat fürs Foto in einer Kissenlandschaft im CIIT Platz genommen. (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Kleinere Orte haben eine „sehr hohe Lebensqualität". Und Mittelzentren wie Lemgo, Bad Salzuflen oder Detmold werden im regionalen Wettbewerb „erheblichen Anpassungen ausgesetzt sein, ähnlich wie Horn oder Lage". Davon ist Klaus Schafmeister überzeugt. Er leitet das Zukunftsbüro des Kreises Lippe.

Sie liegen ganz entspannt in den Kissen – hat der ländliche Raum etwas Einschläferndes?

Information
Persönlich
Dr. oec. Klaus Schafmeister studierte Volkswirtschaftslehre an Universitäten in Paderborn und den USA. Am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der Uni Paderborn lehrte und forschte er im Bereich der Dogmengeschichte und der Regionalökonomie. Ab 2000 war er unter anderem Geschäftsführer der Detmold Marketing GmbH, Leiter des Hermannbüro, der Wirtschaftsförderung des Kreises und des Zukunftsbüros des Kreises Lippe. Er leitet das Innovationszentrum für Elektromobilität und Erneuerbare Energie im Ländlichen Raum, Dörentrup.

Schafmeister: Nein, er ist eine wunderschöne Gebietskulisse. Wenn wir den Wald nicht hätten, wenn wir die Entspannung nicht hätten, nicht diese Wohnmöglichkeiten – dann hätten wir viel mehr Klima-, Gesundheits- und Sicherheitsprobleme.

Warum wollen dann so wenige da hin?

Schafmeister: Das platte Land wird total idealisiert oder als langweilig abgestempelt. Aber nehmen Sie mal die Fahrtzeiten. Als ich von Remmighausen ins Kreishaus fuhr, brauchte ich 20 Minuten, heute fahre ich nach Dörentrup und brauche nicht länger, aber die Strecke ist schöner. Wir müssen diese Qualitäten positiver herausstellen.

Mit einer Imagekampagne?

Schafmeister: Warum nicht? Lebensqualität ist ein entscheidender Faktor für Familien. Wenn wir das klar machen, haben wir keine Probleme mit der Demografie.

Wer kehrt dem Land denn den Rücken?

Schafmeister: Die ganz Jungen gehen zur Ausbildung weg. Das habe ich meinem Sohn auch geraten. Die Frage ist, wie man erreicht, dass sie wiederkommen.

Haben Sie dafür Ideen?

Schafmeister: Man muss in größeren Räumen denken – wie zum Beispiel in der Regionale. Das Land fördert gemeinsame Projekte der Kommunen. Beispiel: Eine S-Bahn-Verbindung von Bielefeld nach Lemgo wäre super, dann müsste man vielleicht am Lüttfeld kleine Busse einsetzen. Das wäre mit der Informationstechnologie auf dem Campus zu verbinden. Dann haben wir die Begabahn, auch die Strecke zwischen Barntrup und Rinteln bietet Möglichkeiten. Schnellbuslinien zwischen Lemgo und Detmold sind denkbar – das ist im nächsten Förderprojekt schon drin.

Und die Dörfer?

Schafmeister: Studenten der Hochschule haben in Stemmen eine Umfrage gemacht. Dabei kam heraus, dass die meisten nach Rinteln oder Vlotho fahren. Laut Navi braucht der ÖPNV fast zwei Stunden für zehn Kilometer Luftlinie. Da müssten Dorfautos fahren. Es geht darum, bedarfsorientiert zu planen.

Und die Versorgung mit Lebensmitteln?

Schafmeister: Da ist an den Ausbau von Lieferservice-Angeboten zu denken. Wer körperlich stark eingeschränkt ist, kann die 200 Meter zum nächsten Laden nicht gehen. Autonom fahrende Autos werden helfen, solche Probleme zu lösen.

Wann sehen Sie das?

Schafmeister: Bestimmt noch 15 Jahre. Ich verstehe allerdings nicht, warum solche Versuche in den Städten gemacht werden und nicht im ländlichen Raum, da hätten wir den Platz. Auch Versuche mit Drohnen könnten hier laufen.

Und die Städte? Werden dort mehr Menschen hinziehen?

Schafmeister: Das ist eine spannende Frage. Über Wachstum wie in Paderborn wird man sich nicht positionieren können, die besonderen Potenziale und Merkmale müssen deshalb stringent weiter entwickelt werden.

Was muss man tun, damit die Potenziale erhalten bleiben oder wachsen?

Schafmeister: Wenn Lemgo sich weiter so entwickelt, mit dem Innovation-Campus in Bezug auf digitale Wirtschaft und in Verbindung der Bereiche Bildung-Forschung-Wirtschaft, sind das zukunftssichernde Projekte. Sie werden wie ein Wachstumsmotor nicht nur für Lemgo, sondern für das umliegende Land wirken.

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