Exportschlager: Leopoldstaler erforschen ihre Geschichte

Torben Gocke

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Eifrig bei der Arbeit: „Weißt du noch, wie’s früher war..?-Organisatorin Marion Petringmeier hilft den Kindern beim orientieren auf einer alten Landkarte. - © Heimatverein Leopoldstal
Eifrig bei der Arbeit: „Weißt du noch, wie’s früher war..?-Organisatorin Marion Petringmeier hilft den Kindern beim orientieren auf einer alten Landkarte. (© Heimatverein Leopoldstal)

Horn-Bad Meinberg/Leopoldstal. In Leopoldstal hat man das geschafft, was vielerorts noch Wunschdenken ist: Junge Menschen hören den Älteren zu und lassen sich Geschichten aus der Vergangenheit erzählen – vollkommen freiwillig und mit großer Begeisterung.

Das Format „Weißt du noch, wie’s früher war..?" erfreut sich bei Kindern und Erwachsenen großer Beliebtheit und ist über den Lippischen Heimatbund sogar zu einem Leopoldstaler Exportschlager geworden. Andere Heimatvereine oder Dorfgemeinschaften greifen Idee und Konzept auf. Der Grundgedanke: Mädchen und Jungen sollen Geschichte erleben können und ein Gefühl dafür bekommen, was früher anders war.

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"Einfach drauf los" läuft in Leopoldstal nichts

Das Geheimnis des Erfolges sieht man in Leopoldstal im gut strukturierten Konzept des Projekts, denn „einfach drauf los" läuft hier gar nichts. Die Themen wechseln zwar durch, schließlich wollen die Macher die Kinder nicht langweilen. „Dahinter steckt jedoch ein erprobtes Verfahren zur Vorbereitung und zum Verfahren an dem Tag selbst", verrät Stephanie Brinkmann, die Initiatorin. Sobald Thema und die dazu passenden Erzähler feststehen, wird ein Termin zum Vorgespräch vereinbart. Mit den Referenten des Tages wird schon einmal der Ablauf durchgegangen und eventuelle Fragen werden besprochen.

Dabei kann es um den zeitlichen Ablauf gehen, es können sich didaktische Fragestellungen ergeben oder ganz handfeste logistische Probleme, etwa, wenn Requisiten oder besonderes Anschauungsmaterial benötigt wird. „Je nach Thema kann das reichlich Arbeit nach sich ziehen", weiß Brinkmann – jüngst mussten für einen Nachmittag etwa Zink-Badewannen besorgt und in die Silbergrundhalle gebracht werden. Ein Aufwand, der für das Gelingen von „Weißt du noch wie’s früher war..?" jedoch wichtig sei. Denn so könne der Nachwuchs am besten erfahren, wie früher gebadet wurde und was dafür alles nötig war. Weitere Themen drehten sich um das Spielzeug von damals, über das Brotbacken, wie es früher bei der Feuerwehr war und vieles mehr.

Ein Essen, das thematisch passt, gehört zu den Treffen dazu

Wenn die Kinder kommen, sollten die wichtigen Fragen geklärt und der Ablauf wohl strukturiert sein. „Diese Treffen sind immer vier Wochen vor dem eigentlichen Termin, so dass wir noch etwas Spielraum haben." Pflichtbesorgung vor jedem Treffen sind Lebensmittel. Denn ein Essen, welches thematisch passt, steht immer mit auf dem Programm – vom Pickert bis hin zur Stulle.

Sorgen, es könnte zu wenig Teilnehmer oder zu wenige Erzähler geben, machen sich die Organisatorinnen nicht – „im Gegenteil. Es gibt viele Erwachsene, die noch mitmachen wollen und bei den Kindern von sechs bis zwölf Jahren gibt es einen festen Stamm, der dabei ist." Bislang gab es keine Doppelung bei den Inhalten, obwohl die Leopoldstaler mit diesem Angebot seit 2013 aktiv sind – fünf Mal pro Jahr. Zusätzlich bietet der Verein zum Jahreswechsel einen Abend für die Erwachsenen an. Dabei berichten alle Erzähler eines Jahres bis zu 100 Gästen von ihrem jeweiligen Thema.

Heimatverein dokumentiert jeden Aktionstag

Der Heimatverein wird parallel zum Angebot für die Kinder außerdem seiner Chronistenpflicht gerecht, denn jeder Aktionstag wird in Wort und Bild von Marion Petringmeier und Stephanie Brinkmann dokumentiert und auf der Internetseite des Vereins gesammelt.

Einen Aufschwung über Leopoldstals Grenzen hinaus erhielt das Format, nachdem es vom Lippischen Heimatbund mit dem Ernst-Barmeyer-Preis ausgezeichnet wurde. Aus dem ganzen Kreisgebiet erreichten Brinkmann danach Anfragen.

Empfehlung vom Lippischen Heimatbund

Das Projekt „Weißt du noch, wie’s früher war...?" ist ein echter Export-Schlager geworden: Bereits sechs Ortsvereine haben nach Angaben des Lippischen Heimatbunds das Konzept aus Leopoldstal übernommen und bringen eine ganz neue Zusammengehörigkeit in ihre Dorfgemeinschaft. Und es werden immer mehr.

Unter anderem hat der Heimatverein Bad Meinberg hat das Projekt aufgegriffen, „weil Ältere den Jüngeren aus ihrem Leben berichten sollten", sagt der Vorsitzende Wolfgang Diekmann. Die Jugend solle für Geschichte interessiert werden. „Wir haben mitbekommen, dass viele Lehrer in den Grundschulen gar nicht mehr aus der Region kommen. Da können wir als Verein unterstützend ansetzen und Heimatkunde betreiben."

In Bad Meinberg gehe es dabei etwa um die Besonderheiten des Kurbetriebs und den traditionellen Moorstich selbst. Das Konzept aus Leopoldstal sei toll, deswegen habe der Verein es übernommen und ihm den „Meinberger Touch" verliehen, sagt Diekmann. Der Lippische Heimatbund empfehle solche Programme für Alt und Jung, Unterstützung gäbe es auch bei Fachtagungen.

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