Bogenschießen: Mit Ruhe und Kraft ins Ziel

Eine uralte Sportart verbindet Tradition mit Hightech und lockt neue Mitglieder in die Schützenvereine

Marlen Grote

  • 1
Bogenschießen in Lemgo. - © Bernhard Preuß
Bogenschießen in Lemgo. (© Bernhard Preuß)
Video

Lemgo-Kirchheide. Ich lege den Pfeil an die Sehne, hebe den Bogen und fasse das Ziel ins Auge. Spannen, loslassen – der Pfeil schlägt mit einem dumpfen Geräusch in die Scheibe ein. Ins Schwarze treffe ich noch nicht, aber ein paar Pfeile versammeln sich immerhin im selben Bereich. „Wenn die dicht beisammen landen, ist das schon ganz gut“, meint Horst Tannhäuser vom Verein „Freischütz Lemgo“.

Information
Alle Teile aus der Serie finden Sie unter www.LZ.de/wirbewegenlippe

Meine Pfeile fliegen weder im Wilden Westen noch in der Mongolei, sondern in der Schießsportanlage des Vereins in Kirchheide. Immer mehr Schützenvereine haben eine Bogen-Abteilung und verzeichnen dort oft die stärksten Zuwächse. Beim Lemgoer „Freischütz“ gibt es dagegen nur diese Waffe – und doch eine große Vielfalt.

Vom klassischen Langbogen, mit dem einst die Engländer im Mittelalter die Rüstungen ihrer Gegner durchschossen, über Recurvebögen mit oder ohne Visier bis zu Hightech-Waffen mit Umlenkrollen, den sogenannten Compoundbögen, ist hier eine überraschend große Bandbreite vertreten. Und auch die Vereinsmitglieder haben ganz unterschiedliche Motivationen, von entspannter Freizeitbeschäftigung bis zum Leistungssport. Der Lemgoer Verein hat immerhin einen 15-fachen Deutschen Meister in seinen Reihen.

Aber egal wie viele Schützen ihre unterschiedlichen Waffen einsetzen, immer herrscht konzentrierte Ruhe. So beginnen wir das Training auch mit Aufwärmübungen, die teilweise wie Qi Gong wirken. Das Ziel: in die richtige Grundhaltung finden. Das ist nicht so leicht, denn man steht beim Bogenschießen seitlich zum Ziel und darf sich nicht verdrehen. Sonst fliegt der Pfeil an der Scheibe vorbei und man braucht nach dem Schuss eine Weile, bis man ihn wiedergefunden hat.

Auf die Suche dürfen sich die Schützen erst begeben, wenn alle ihre Pfeile verschossen und die Bögen niedergelegt haben. Sicherheit ist wichtig, und als ich versuche, meine Pfeile aus der Scheibe zu ziehen, weiß ich auch warum: Sie stecken erstaunlich fest in der Platte aus gepressten Holzhäckseln. „So ein Bogen hat mehr Durchschlagkraft als ein Gewehr“, bestätigt Hartmut Dreckmeier, vorsitzender des Vereins.

Fotostrecke: Bogenschießen in Lemgo

Das Spannen des Bogens ist durchaus Sport, ich muss mich aufrichten, die Schultern zurücknehmen und die Sehne nach hinten ziehen – eine Haltung, die Stärke suggeriert. Ein bisschen Indianer oder Amazone kitzelt das tief drinnen tatsächlich wach. Diese Kombination aus Kraft, Ruhe und Konzentration ist wohl der Grund, weshalb viele gerade in diesem Sport einen passenden Ausgleich zum Alltagsstress finden. Die richtige Technik erfordert ein gutes Köpergefühl. Ich meine, dass ich gerade bin, aber Horst Tannhäuser korrigiert: „Den Bogen tiefer, sonst geht der Pfeil drüber“. Stimmt, als ich für mein Empfinden schon in den Boden ziele, treffe ich immer noch ins obere Drittel der Schießscheibe. An meiner Selbstwahrnehmung muss ich wohl noch arbeiten. Spaß macht das Schießen mit diesen uralten Waffen aber auf jeden Fall.

Bogensport ausprobieren

Wer selbst Pfeil und Bogen zur Hand nehmen möchte, kann den Sport im Verein Freischütz Lemgo ausprobieren. Freitags ab 17 Uhr treffen sich die Schützen zum Training, für Einsteiger gibt es Leihbögen. Gäste sollten sich vorher anmelden. Wenn danach die Entscheidung für den Sport gefallen ist, kommen Kosten für eine Anfängerausrüstung mit Bogen, Pfeilen und bogentasche von etwa 200 bis 250 Euro auf den Schützen zu. Der Jahresbeitrag im Verein beträgt 65 Euro. Kontaktdaten und Infos zum Verein stehen auf der Homepage www.freischuetz-lemgo.de.

Fitnesstipp: Sit down!

Detmold. Heute zeigt Anna Muer die „Sit down’s“ für starke Oberschenkel. Zu Anfang auf einen festen Untergrund setzen, die Beine sind lang ausgestreckt, die Fußspitzen angezogen. Nun die Arme hinter dem Rücken positionieren. Anschließend wird nur das rechte Bein angehoben. Danach kann das Bein in Bewegung gesetzt werden, indem es über das am Boden liegende Bein gebracht wird und dann wieder zurück in Ausgangsposition geführt wird. Der Fuß sollte bei der Übung immer über den anderen drüber. Nach 25 bis 30 Wiederholungen kann gewechselt werden.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar
1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!