Badminton: Der Arm kann gar nicht lang genug sein

Martin Hostert

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Redakteur Martin Hostert beim Badminton in Brake - © Torben Gocke
Redakteur Martin Hostert beim Badminton in Brake (© Torben Gocke)

Lemgo-Brake. Der Ball war draußen, ich schwöre. Aber nein: „drin!“, schreien die anderen, und zwar lauter als ich. Wider besseres Wissen lasse ich mich auf eine Wiederholung ein, der Punkt geht natürlich verloren. Wir verlieren den Satz selbstredend 19:21. Doch davon lasse ich mir das Badminton-Training nicht verleiden.

Ich habe mich beim TuS Brake eingeladen. Als „Hobby Senioren S I“ wird die Trainingsgruppe auf der Homepage bezeichnet. Das hört sich passend an für einen, der sonst nur ab und an mit seinem Sohn die Federbälle um die Ohren schmettert. 12 bis 20 Spieler treffen sich mittwochsabends in der Halle der Grundschule am Schloss, sie haben zweieinhalb Stunden Hallenzeit.

Die sieben Netze sind schnell aufgebaut, der Schläger zur Hand. Aber Stop: „Wir machen uns erst warm“, warnt Oliver Beermann. Der Realschullehrer ist Trainer der Truppe und freut sich über jeden neuen Mitspieler, selbst wenn es einer von der Zeitung ist. Wir drehen ein paar Runden. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, die rechte Hand zum Boden, die linke Hand zum Boden, das rechte Bein gestreckt, das linke Bein gestreckt.

Dann geht es los. Ich finde mich mit drei anderen Jungs zum Doppel wieder, plötzlich jagt der gelbe Federball an meinem Kopf vorbei. Ich hechte hinterher. Bloß: Wo ist überhaupt das Feld zu Ende? Warum sind da 42 Linien in 48 Farben auf den Boden gemalt? Jürgen klärt auf: „Du musst auf die grünen Linien achten, und zwar beim Doppel auf die äußeren. Am besten stehst Du hier“, sagt er und zeigt mit dem Schläger auf eine blaue Markierung, etwa anderthalb bis zwei Meter vom Netz entfernt. „Und geh nicht immer so weit nach hinten.“ Warum nicht – das wird sofort klar. So lang ist mein Arm nämlich auch wieder nicht, dass ich den hundsgemein ganz sanft gelupften Ball noch erreichen könnte. Das Spielgerät senkt sich einen Millimeter am Netz vorbei nach unten und ploppt auf den Boden. Ich gerate ins Straucheln, falle fast hin, die anderen grinsen sich einen.

Wir schlagen den Ball ein wenig hin und her, es gelingt einigermaßen, aber allzu oft treffe ich Holz, semmel’ neben den Ball, schlage ins Netz. Und immer wieder laufe ich nach vorn ins Leere. Ich stehe falsch! Besser also an der blauen Linie stehen. Und wenn ich den Ball soft lupfen will, bitte vorn bleiben, nicht nach hinten gehen. „Du weiß ja, dass Du kurz spielen wirst. Also musst Du am Netz bleiben; Jürgen steht hinten.“ Er jagt die Bälle zurück, die lang kommen. Der Federball fliegt hin und her, mit ziemlicher Kraft schlagen die Spieler zu. Ich darf mich nicht nach hinten zum Partner wenden und gucken, ob er den Ball bekommt. „Du sieht doch, wenn der Ball zurückkommt. Pass also auf, falls der Gegner kurz zurückspielt.“ Ich folge brav, lausche auf den Wusch – und knalle dennoch einige Male fast mit meinem Partner zusammen. Steht er zu weit vorne? Ich zu weit hinten?

Badminton-Duos müssen reden, es sei denn, sie kennen sich seit Jahren. Ein strenges rechts/links oder vorne/hinten gibt es nicht. Es dauert ein bisschen, dann habe ich es halbwegs raus. Achte mehr auf die Schlägerhaltung. Lupfe mal, schmettere mal. Schwitze und schwitze, grätsche und strauchle und schwitze und kollidiere mit meinem Partner. Wir gewinnen sogar einen Satz, einen verlieren wir – wie gesagt – durch betrügerische Machenschaften knapp. Ansonsten heißt es gern 8:21 oder auch mal 9:21. Ich treffe manchen Ball gut, manchen gar nicht. Haue oft ins Netz und angeblich hinter die Linien, so dass die Gegner „Aus!“ schreien.

Die Braker Jungs können allerdings auch ganz nett sein, korrigieren Schlägerhaltung und Position. Loben, wenn ein Ball nicht ganz so amateurhaft rüberkommt. Nur, wenn es dann ans Zählen geht, sind sie eisenhart. Ich bleibe dabei, der Ball war draußen.

www.tusbrake.de

Information
Alle Teile aus der Serie finden Sie unter www.LZ.de/wirbewegenlippe

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