Beim Jazz-Tanz ist der gesamte Körper in Bewegung

Die Frauen aus der Gruppe „Latissimo“ aus Oerlinghausen lassen bei ihrem Training die Beine fliegen

Freya Köhring

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Körperspannung: LZ-Volontärin Freya Köhring beim Jazz-Tanz. - © Torben Gocke
Körperspannung: LZ-Volontärin Freya Köhring beim Jazz-Tanz. (© Torben Gocke)
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LZ-Volontärin Freya Köhring beim Selbstversuch im Jazz-Tanz.

Video zum Jazz-Tanz

Oerlinghausen. Als Trainerin Jessica Ringe die kleinen Turnkästen aufbaut, schwant mir Böses. Der Schweiß rennt bereits allen Mitgliedern der Jazz-Tanz-Gruppe „Latissimo" vom Turn- und Sportverein Oerlinghausen den Rücken hinunter. Doch es hilft nichts – da muss ich jetzt durch.

Das wird eine schwitzige Angelegenheit merke ich sofort, als ich am Mittwochabend in der Turnhalle der Heinz-Sielmann-Schule. Die Luft steht im Raum und wird durch das Jazz-Tanz-Training noch weiter aufgeheizt. Acht Frauen führen mich an den, für mich neuen, Sport heran. „Ach, das wird schon", reden mir die Mädels gut zu. Ich bin noch skeptisch, denn es wird anstrengend, das hat mir die Gruppe versprochen.

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Meine Turnschuhe kann ich gleich ausziehen. „Damit hast du nicht so viel Gefühl im Fuß", klärt mich Tanzkollegin Julia Spickernagel auf. Also lieber Barfuß? Da hält mir Teilnehmerin Katharina Baehr ein Paar spezielle Gymnastikschuhe hin. Dann geht es auch schon los – mit Ausdauerübungen.„Insgesamt vier Übungen machen wir heute", ruft uns Trainerin Mona Drees zu, die diesen Teil leitet. Bei den Liegestützen versage ich. Doch wozu ist das gut? Ich dachte wir tanzen? „Ausdauer ist einfach sehr wichtig in dem Sport", sagt Katharina Baehr.

Bänder dehnen auf dem Kasten

Ein ganzer Tanz sei sehr anstrengend und vor allem im Wettkampf, wenn die Teilnehmer ihre Choreographie manchmal dreimal am Tag tanzten, helfe das Ausdauertraining. Uns bringt es an diesem Abend ordentlich ins Schwitzen. Inzwischen hat Trainerin Jessica Ringe vier kleine Turnkästen aufgebaut. Ein leises Raunen geht durch den Raum. Dehnung steht jetzt auf dem Programm. In kleinen Grüppchen werden die Beine gestreckt. Ich weiß nicht, wie hoch ich meine Beine bekomme. „Willst du es mal auf den Kästen probieren", fragt mich Jessica Ringe und ich zögere nicht, denn langsam macht es mir richtig Spaß.

Mit den Kästen übt die Gruppe den Spagat. Etwas unbeholfen setze ich den rechten Fuß auf den vorderen Kasten und stütze mich mit den Armen ab. Dann wird der hintere Kasten weggezogen, bis ich „Stopp" rufe. „Nicht schlecht", versichert mir die Gruppe.
Die Dehnung der Bänder sei sehr wichtig, erklären mir die Tänzerinnen. Die Bänder müssten lang sein, damit die Sprünge schön groß werden. Außerdem kämen viele der Bewegungen auch im Tanz vor.

„Zeigt ihr mir jetzt ein paar Sprünge", frage ich und bekomme ein „klar" als Antwort. Aufstellung in einer Ecke, von da aus geht es quer durch die Halle. Beine auseinander und dabei die Spannung im Körper halten. Beim Jazz-Tanz würden alle Körperregionen, bis in die Finger- und Zehenspitzen beansprucht, erklärt mir Katharina Baehr.

Die großen Sprünge mache ich heute nicht mehr. Wider Erwarten macht es mir richtig Spaß und die Stimmung ist trotz Hitze super. Anschließend präsentiert mir die Gruppe den Tanz, mit dem sie an kürzlich einem Wettkampf teilgenommen haben. Einen Teil der Choreographie bringen sie mir danach bei. Dabei steht am Ende ein Fall zu Boden an. Das kommt mir sehr entgegen.

So entwickelte sich der Jazz-Tanz

Jazz-Tanz hat seinen Ursprung in Afrika, wurde aber in den USA weiter ausgebaut und entwickelte sich immer weiter aus zahllosen Tanzstilen, wie Ballett, afro-amerikanischen Tanz und Modern Dance. Genaue Fußarbeit ist sehr wichtig beim Tanzen. Zunächst wurde zu Jazzmusik getanzt. Inzwischen wird auch auf Rock, Pop und HipHop zurückgegriffen. Neben dem TSV Oerlinghausen bieten auch noch einige andere Vereine in Lippe Jazz-Tanz an.

Information

Integration durch Vereinssport

Die Einwohnerstatistik des Kreises Lippe zeigt ganz deutlich – wir werden immer weniger, älter und bunter. Auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen geht kontinuierlich zurück, mit der Folge, dass Vereine immer weniger junge Vereinsmitglieder finden, teilt der der Kreissportbund Lippe (KSB) mit. Dabei werde eine sehr große Gruppe der Gesellschaft – Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund – von Sportvereinen fast gar nicht erreicht. Hier bestehe großes Potenzial für die zahlreichen Sportvereine im Kreis Lippe. Diese sei inzwischen auch von der Politik, die diverse Förderprogramme unter den Motto „Integration" oder „Flüchtlinge & Sport" entwickelt habe, entdeckt worden. Dazu gehöre auch ein Vortrag von Migrationsexpertin Prof. Christa Kleindienst-Cachay, die am Mittwoch, 29. Juni, um 18.30 Uhr im Kreishaus referiere. Im Rahmen dieses Treffens könnten sich Sportvereine auszutauschen und mehr über Fördermodalitäten in den einzelnen Bereich erfahren, so der KSB.
Weitere Infos und ein Anmeldeformular gibt es im Netz unter www.ksb-lippe.de.

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