"Turnmäuse" üben Kunststücke bis zur Perfektion

Tanja Watermann

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Die jungen Kunstturnerinnen werden im Training da abgeholt, wo sie stehen. Hier arbeitet Trainerin Miriam Bergmann (18) zusammen mit Melina Keil an einer Balanceübung auf dem Schwebebalken. - © Tanja Watermann
Die jungen Kunstturnerinnen werden im Training da abgeholt, wo sie stehen. Hier arbeitet Trainerin Miriam Bergmann (18) zusammen mit Melina Keil an einer Balanceübung auf dem Schwebebalken. (© Tanja Watermann)

Detmold. Das Kunstturnen ist eine der Sportarten, die bei den Olympischen Spielen am Bildschirm in den Fokus der Menschen rückte und sich großer Beliebtheit erfreut. Wer hier in den vergangenen drei Jahrzehnten im Vierjahres-Rhythmus aktiv vor dem Fernseher dabei war, konnte auch ohne große Fachkenntnisse erkennen, dass die Übungen und Küren immer spektakulärer wurden.

Einzelelemente folgen einander in irrwitzigem Tempo, mit den Flugelementen schrauben sich die Turner immer höher in den Himmel und der Schwierigkeitsgrad steigt gefühlt mit jedem Wettbewerb. Als ehemaliger Hochleistungs-Turner und aktiver Trainer beim „Detmolder Turnverein von 1860" analysiert Hans-Joachim Dörrer (73) diese Entwicklung zwiegespalten.

„Auf der einen Seite hat sich das Material der Geräte im Sinne der Sportler weiterentwickelt, so dass weitere Leistungssteigerungen möglich sind. Auf der anderen Seite ist diese Entwicklung ein schmaler Grad zwischen Perfektion und höherem Risiko", erklärt Dörrer beim Training seiner „Turnmäuse".

Wie Perlen auf einer Schnur turnen die jungen Vereinmitglieder des "Detmolder Turnvereins von 1860" auf dem Schwebebalken und haben viel Spaß bei den Übungen, bei denen es um Kraft, Ausdauer, Ästhetik und Körperspannung geht. - © Tanja Watermann
Wie Perlen auf einer Schnur turnen die jungen Vereinmitglieder des "Detmolder Turnvereins von 1860" auf dem Schwebebalken und haben viel Spaß bei den Übungen, bei denen es um Kraft, Ausdauer, Ästhetik und Körperspannung geht. (© Tanja Watermann)


Heute trainieren sieben der Jüngsten im Alter zwischen sieben und neun Jahre mit Dörrer und Co-Trainerin Miriam Bergmann (18) in der Gerätehalle, die mit Schwebebalken, dem Sprungtisch (früher unter dem Namen „Pferd" bekannt), dem Stufenbarren und den stark gefederten Matten für die Bodenelemente ausgestattet ist. Die Kunstturnerinnen trainieren in Detmold auf Wettkampf-Niveau.

Ein teurer Spaß, denn nach den Olympischen Spielen 2012 in London wurden die Unterkonstruktionen der Matten von Gummi- auf Stahlfedern umgerüstet. „Wir haben Sportler aus der Talentschmiede, die zu nationalen und internationalen Turnieren fahren, da muss man mit den neuesten Standards mithalten", erklärt der Trainer.

Die Faszination „Kunstturnen" hat hier alle gepackt, denn es gibt kaum eine Sportart, bei der das Körperbewusstsein, Kraft, Eleganz, Ausdruck, aber auch Mut und Ehrgeiz gleichermaßen gefördert werden. „Wer später erfolgreich an Wettbewerben teilnehmen möchte, muss mit etwa fünf Jahren anfangen, um die körperliche Grundausbildung auf eine gesunde Basis zu stellen. Dann ist mit ein bisschen Talent und gutem Training alles möglich", weiß Bergmann aus eigener Erfahrung.

Nach ihrem sportlichen Höhepunkt im Alter von zwölf bis etwa 15 Jahren, bei dem sie im Bundeskader und bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften erfolgreich dabei war, wurden ihr Schule und Abitur wichtiger.

Wer den jungen Sportlerinnen beim Training in der Halle zuschaut, sieht, wie viel Spaß es ihnen macht. Viele der Kinder haben über das Mutter- und Kindturnen ihre Wunschsportart entdeckt. „Doch selbst, wenn sie später die Sportart wechseln, nehmen sie eine gute, solide Grundlage mit. Während Dörrer mit einem Teil der Kinder das „Aufhocken" am Einzelholm übt, trainieren Bergmann und ihre Schülerinnen einen ersten Sprung auf dem Schwebebalken.

„Sicherheit geht uns hier natürlich über alles. Erst wenn die Sprünge mit den Sicherungen aus Weichmatten, oder nahe der ’Schnitzelgrube’ wirklich ganz sicher gelingen, geht es im nächsten Schritt an die Geräte. Denn unsauber geturnte Elemente bringen keine Punkte", so die Abiturientin, die weiter in der Oberliga turnt und mit einem vollendeten Salto ganz sauber vom Schwebebalken springt. Und lächelt. Denn diesem erfolgreich absolvierten Sprung vom Schwebebalken, gingen viele Übungssprünge voraus.

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