Rollkunstlauf mit Pirouetten und Drehungen erfordert viel Koordination

Freya Köhring

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Ästhetischer Sport: Frauke Baldig (links) und Lena Hilker vom TBV "Jahn" Alverdissen drehen ihre Runden. - © Bernhard Preuß
Ästhetischer Sport: Frauke Baldig (links) und Lena Hilker vom TBV "Jahn" Alverdissen drehen ihre Runden. (© Bernhard Preuß)

Barntrup-Sonneborn. Anlauf nehmen, Schwung holen und dann ein doppelter Rittberger – im Anschluss landet die junge Sportlerin sicher und dreht weiter ihre Bahnen in der Halle in Sonneborn. Nein, es handelt sich nicht um Eis- sondern um Rollkunstlauf. Eine Sportart, die Isabella Barbarito beim TBV „Jahn" Alverdissen anbietet – und das mit Erfolg.

Doppelter Axel, Rittberger und Sitzpirouetten. „Auf den ersten Blick ist der Sport dem Eiskunstlaufen sehr ähnlich, und auch die Elemente sind identisch. Wir haben Rollen statt Kufen", fasst Trainerin Isabella Barbarito zusammen. Zudem seien sie nicht auf einen bestimmten Untergrund angewiesen, sondern könnten auf Beton ebenso gut fahren, wie auf Holz und PVC.

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„Jetzt bitte einmal Sitzpirouetten", ruft sie einem der Mädchen zu, die an diesem Mittwoch ihre Runden durch die Halle ziehen. Andere üben Sprünge oder bestimmte Schrittfolgen. Sieht nicht so einfach aus. Der Sport verlangt viel Kraft, Koordination und Ausdauer.

Neben dem Training auf den Rollschuhen stehen deshalb auch Laufeinheiten, Kraft- und Dehnübungen, Seilspringen und Intervalltraining auf dem Programm. „Was die Läufer können sollten, ist Spagat", sagt Barbarito. Kraft und Orientierung sei bei den Sprüngen sehr wichtig. Der Körper muss in der Lage sein, die hohen Sprünge abzufangen und nach mehreren Drehungen auch noch wissen, in welche Richtung weitergelaufen werden muss. Ausdauer ist schließlich bei einer kompletten Kür, egal ob beim Rolltanzen, Paar- oder Gruppenlauf oder einer Einzelkür, gefragt. „Der ganze Körper ist bei diesem Sport gefordert, jede Muskelgruppe", sagt Barbarito, die selbst erfolgreich im Rollkunstlauf war und Trägerin des Silbernen Lorbeerblattes ist.

Im Jahr 2004 führte die Sportlerin die Rollkunstlaufsparte im Verein ein. Bis jetzt ist der TBV „Jahn" Alverdissen der einzige Verein in Lippe, der diese Sportart anbietet. Und das mit Erfolg. Inzwischen trainiert Isabella Barbarito etwa 65 Jungen und Mädchen in verschiedenen Altersklassen. Die 30-Jährige bietet die Sparte sowohl als Breiten- als auch als Leistungssport an – wobei die Leistungssportler natürlich öfter trainieren. Regelmäßig nehmen Läufer an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil. Die 13-jährige Cora Bögeholz ist mehrfache Deutsche Meisterin. Mit fünf hat sie angefangen. „Der Sport ist einfach so vielseitig, das finde ich toll", sagt sie und ergänzt: „Am meisten machen mir die Wettkämpfe Spaß."

Schutz: Strumpf über Schuh macht zwar einen dicken Fuß aber dafür auch ein langes Bein. - © Bernhard Preuß
Schutz: Strumpf über Schuh macht zwar einen dicken Fuß aber dafür auch ein langes Bein. (© Bernhard Preuß)


Frauke Baldig (12) und Lea Hilker (11) haben mit dem Sport begonnen, als sie 6 und 5 Jahre alt waren. „Ich wollte etwas machen, was nicht jeder macht", sagt Frauke. Doch manchmal kann Rollkunstlauf auch weh tun, geben beide zu. Stürze gehören zum Sport dazu. „Deshalb lernen sie auch das Fallen", erklärt Barbarito.

Auch an diesem Tag landen einige Läuferinnen etwas unsanft. Doch schon im nächsten Moment machen sich die Mädchen in ihren glitzernden Kleidern zur nächsten Übung. „Die Kleider gehören dazu", sagt Barbarito. Das sei für viele Mädchen bestimmt ein zusätzlicher Anreiz. Viele blieben auch beim Rollkunstlauf. Ab der Pubertät würde es dann jedoch schwieriger.

Wer Rollkunstlaufen und an Wettkämpfen teilnehmen möchte, der sollte laut Barbarito früh mit dem Sport beginnen, um ein Gefühl für den Rollschuh zu bekommen. Natürlich könnte man auch noch als Erwachsener damit anfangen, aber dann zum Spaß.

Ganz so preiswert ist der Sport nicht. „Profi-Rollschuhe liegen bei 900 Euro", erzählt Barbarito. Einsteigermodelle gibt es ab 200 bis 250 Euro. Und warum wird die Strumpfhose über die Schuhe gezogen? Das hat zweierlei Gründe verrät die Trainerin: „So wird einmal das Bein optisch verlängert und schützt den Schuh vor unschönen Schrammen und verdeckt sie auch." Und was ist für Isabella Barbarito das Besondere am Rollkunstlauf? „Es ein ist ein künstlerischer und ästhetischer Sport. Gleichzeitig auch athletisch und verlangt Kraft und Ausdauer", sagt die 30-Jährige abschließend.

Information
Mehr Infos unter http://www.tbv-jahn-alverdissen.de/ oder unter http://www.rollkunstlauf-alverdissen.de/.

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