Selbstversuch im Schießsport: Wer zu lange zielt, hat verloren

Jens Rademacher

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Keine Hektik: Jugendleiter Gerhard Arend (rechts) erklärt LZ-Redakteur Jens Rademacher den Umgang mit dem Luftgewehr. Im Hintergrund sieht Vereinsvorsitzender Jörg Riemeier zu. - © Torben Gocke
Keine Hektik: Jugendleiter Gerhard Arend (rechts) erklärt LZ-Redakteur Jens Rademacher den Umgang mit dem Luftgewehr. Im Hintergrund sieht Vereinsvorsitzender Jörg Riemeier zu. (© Torben Gocke)

Lemgo. Wann macht eine neue Sportart besonders Spaß? Wenn man sofort Erfolge sieht. Da hat das Test-Schießen beim Kleinkaliber-Sportverein Horrido Laubke in Lemgo mir einen ganzen Haufen Motivation verschafft. Denn dass gleich bei meinen ersten Versuchen mit dem Luftgewehr eine „saubere Zehn" dabei ist, wie Vereinsvorsitzender Jörg Riemeier mir sagt, kann sich doch sehen lassen. Mitten ins Schwarze der kleinen Pappscheibe.

Einfach so in den Schießstand unter den Eichen zu marschieren und anzulegen, das ist beim Test-Abend für den LZ-Redakteur aber doch nicht drin. Erwartungsgemäß. Denn an der Sicherheitsunterweisung mit Jörg Riemeier und Jugendleiter Gerhard Arend führt kein Weg vorbei.

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„Grundvoraussetzung ist, dass mit der Waffe nie auf Menschen gezielt wird", schärfen mir die beiden ein. Da spielt es keine Rolle, dass ich am Anfang nur ein Infrarotgewehr in die Hand bekomme. Schnell wird klar: Es geht hier nicht um Kraft oder ums Auspowern, sondern um einen Sport, bei dem Verantwortung gefragt ist. Und Konzentration. Deshalb unterhält man sich im Schießstand auch nur leise.

Und als ich dann da stehe und mit dem Infrarotgewehr auf die zehn Meter entfernte Scheibe ziele, kann ich mir einen Tatterich nicht erlauben. „Schulterbreit stehen", rät Arend. Dreimal ruhig atmen, dann die Luft anhalten. Ich lege an. Durchs Kornloch geschaut und – hoppla. Da habe ich schon geschossen, obwohl ich den Abzug nur leicht angetippt habe. Immerhin eine Sieben. Bei einem der nächsten Versuche lasse ich mir noch mehr Zeit. „Je länger Sie zielen, desto schlechter wird es", weiß Arend. Irgendwann hat man sich also kaputtgezielt.

Dann darf ich an das Luftgewehr mit scharfer Munition. Etwas Respekt habe ich schon. Doch die Trefferquote wird besser. Bei meinen nächsten Versuchen ist dann auch die Zehn dabei. Deshalb kann ich es nachvollziehen, was mir meine Coaches antworten, als ich sie nach der Faszination des Schießsports frage. „Die volle Konzentration – und alles andere abschalten", sagt Arend. Beim Schießsport sei der größte Zappelphilipp ruhig zu bekommen, auch in der Schule. Und Jörg Riemeier sagt, er finde Ausgeglichenheit und Ruhe bei seinem Sport. „Wenn man an andere Dinge denkt, merkt man das gleich am Ergebnis."

Dabei sitzen wir im Schießhaus, umgeben von Stahlschränken, in denen die Gewehre stehen. Die Polizei kontrolliere, dass die Vorgaben eingehalten werden, sagt der Vorsitzende. Hat der Schießsport denn nicht etwas Militärisches an sich, frage ich. Schließlich bin ich Wehrdienstverweigerer. Das sei eine falsche Annahme, sagen Riemeier und Arend. Es handle sich um ein Sportgerät – „wie die Kugel beim Kugelstoßen".

Doch die beiden wissen um die Imageprobleme. Gerade junge Leute seien nur schwer zu gewinnen. Amokläufe hätten ein negatives Licht auf die Sportschützen geworfen. „Da fällt aber viel auf uns zurück, obwohl wir gerade das Gegenteil vermitteln."

Ich für meinen Teil werde meinen Schießstreifen mit nach Hause nehmen. Da ist schließlich eine „saubere Zehn" drauf.

Information

Fünf Teams in der Kreisklasse

Der KKSV Horrido Laubke hat 80 Mitglieder. Geschossen wird nicht nur mit Luftgewehren, sondern auch mit Zimmerstutzen und Kleinkalibergewehren. Regelmäßig gibt es Vergleichs- und Pokalschießen mit befreundeten Vereinen. Fünf Mannschaften schießen in der ersten und der zweiten Kreisklasse und starten auch bei Meisterschaften im Schützenkreis Lippe. Wer Interesse hat, kann donnerstags im Schießhaus unter den Eichen in Lemgo (Detmolder Weg, Ecke Biesterbergweg) vorbeischauen. Jugendliche trainieren ab 17 Uhr, Erwachsene ab 19 Uhr.

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