Verein der Woche: Ambulanter Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe

Tanja Watermann

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Eine starke Gemeinschaft: Der „Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe" hat neben seinen hauptamtlichen Kräften viele Mitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren. - © Tanja Watermann
Eine starke Gemeinschaft: Der „Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe" hat neben seinen hauptamtlichen Kräften viele Mitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren. (© Tanja Watermann)

Kreis Lippe. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes Lippe" unterstützen Menschen in der letzten Phase ihres Lebens. Dabei helfen sie ihnen beim Wunsch, diese möglichst schmerzfrei, bewusst und selbstbestimmt und in vertrauter Umgebung verbringen zu können.

Die ehrenamtlich tätigen Teammitglieder sind Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen, Altersgruppen und Konfessionen, die sich mit den Themengebieten Krankheit, Leid, Sterben und Trauer intensiv befasst haben. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Schwerkranke, Sterbende und ihre Angehörigen in der Zeit des Sterbens zu begleiten. Sie alle wurden intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Information

Beratung

Detmold
Leopoldstraße 16,
32756 Detmold
Telefon: (0 52 31) 96 28 00

Lemgo
Kramerstraße 10 (Nähe Marktplatz),
32657 Lemgo
Telefon: (05261) 77 73 83

Bad Salzuflen
Lange Straße 9 (direkt am Salzhof)
32105 Bad Salzuflen
Telefon (05222) 36 39 310

Noch mehr Informationen unter www.hospiz-lippe.de

Darüber hinaus möchte der Verein dazu beitragen, dass das Sterben, der Tod und auch die Trauer wieder als wichtige Bestandteile des Lebens verstanden werden und nicht hinter einer Tabuzone verschwinden. Durch die Unterstützung kann die schwere Zeit des Abschiednehmens tragbar gemacht werden und die Trauerbewältigung beginnen.

Obwohl sich bei der Vereinsarbeit vieles um Themen wie Trauer, Schmerz und Verlust dreht, sind die drei Beratungsstellen in Bad Salzuflen, Lemgo und Detmold hell und freundlich eingerichtet. Ratsuchende werden herzlich empfangen. Denn „Hospiz" bedeutet im Ursprungssinn „Gastfreundschaft" und „Herberge". Im Mittelalter wurden hier Pilger aufgenommen, um ihnen Stärke und Kraft für den weiteren Weg zu geben.

Große Entlastung für die Angehörigen

Die Hospizbewegung bemüht sich heute, diese mitmenschliche Tradition im Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden wieder aufleben zu lassen. Das wesentliche Ziel des Vereins ist es, Menschen in Lippe in der letzten Lebensphase Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken und ihnen konkrete medizinische und pflegerische Hilfe zu ermöglichen. Denn die Würde eines jeden einzelnen Menschen und seine Einzigartigkeit werden geachtet und seine Autonomie respektiert und unterstützt.

Konkret begleiten die Mitarbeiter Menschen in der letzten Lebensphase durch Besuche zu Hause und in stationären Einrichtungen. Dabei sprechen sie mit ihnen auf Wunsch über ihre Krankheit, Ängste und Sorgen, bleiben bei ihnen, wenn es ihnen nicht gut geht, und entlasten die Familie, wenn diese arbeiten oder sich ausruhen muss. Dies ist auch für die Angehörigen, die sich in den Zeiten des Abschieds ebenfalls viele Gedanken machen, eine große Entlastung. Der Hospizdienst Lippe übernimmt keine Krankenpflege, hat aber ein umfassendes Netz sozialer Dienste, auf das er zurückgreifen und die Menschen beraten kann.

Die Leistungen sind kostenlos

Auch bei Fragen zu Patientenverfügungen und Möglichkeiten der Schmerztherapie stehen die Mitarbeiter mit konkretem Rat und Kontakten zur Verfügung. Geschäftsführer Andreas Lüdeke betont, dass die Leistungen des Hospizdienstes von jedermann kostenlos in Anspruch genommen werden können – natürlich stehen die Mitarbeiter unter Schweigepflicht. Der Verein lebt von der aktiven Mitarbeit von etwa 130 der derzeit 951 Mitglieder und von Spenden. Deshalb werden immer Unterstützer und ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht, die die Ziele des Vereins weiterverfolgen und ermöglichen.

Auch wenn Kinder und Jugendliche von lebensbegrenzenden Krankheiten betroffen sind, setzt die Arbeit des Vereins an, denn oft gerät das gesamte Familiengefüge aus den Fugen. Nicht nur das erkrankte Kind, sondern auch Eltern und Geschwisterkinder stehen im Fokus und erhalten Aufmerksamkeit und Zuwendung – und es wird überlegt, was hilfreich, wohltuend und wichtig für die ganze Familie ist. Die ambulante Kinder- und Hospizarbeit orientiert sich mit den Angeboten an den individuellen Bedürfnissen der Familie und schafft durch kleine Freiräume Entlastung.

Zusätzlich zu der aktiven Hilfe bietet der Hospizdienst Lippe eine große Reihe an Veranstaltungen, Seminaren und Vorträgen sowie Trauerreisen an. Die Themen sind dabei vielfältig und bieten unter dem großen Dach „Leben begleiten bis zuletzt" spezifische Informationen zum Umgang mit der Trauer, dem hilfreichen Verhalten am Krankenbett, rechtliche Einblicke in Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten und den Umgang von Kindern mit Tod und Trauer.

Den Willen frühzeitig regeln

Der „Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe" berät und unterstützt bei der Aufsetzung von Patientenverfügungen. Diese sollten frühzeitig formuliert werden.

Diese Verfügungen regeln, welche lebensverlängernde Maßnahmen und medizinischen Möglichkeiten Ärzte und Angehörige bei unheilbarer Krankheit, schwerer Demenz oder beim Hirntod ausschöpfen sollen. Es gibt Standard-Verfügungen, die jedoch Satz für Satz überprüft werden sollten, ob sie wirklich dem eigenen Willen entsprechen.

Wenn nichts geregelt ist, können Ärzte und Angehörige am Bett eines schwerstkranken oder bewusstlosen Patienten nicht herausfinden, ob lebensverlängernde Maßnahmen in seinem Sinne wären.

Besonders belastend wird die Situation für die Angehörigen, wenn diese sich untereinander in der Einschätzung des Patientenwillens nicht einig sind. Da das Thema sehr komplex ist und es für gesunde Menschen schwierig ist, sich in diese endgültige Situation, in der man nicht mehr handlungs- oder entscheidungsfähig ist, hineinzuversetzen, bietet der Hospizdienst Seminare, Vorträge und Beratungen an.

„Die Verfügung greift erst, wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann. Bis dahin entscheidet er selber und es gilt der aktuelle Wille", betont Birgit Bleibaum, hauptamtliche Mitarbeiterin.

Seminare und Vorträge

Das gesamte umfangreiche Seminar- und Vortragsangebot dieses Jahres kann unter www.hospiz-lippe.de eingesehen werden. Dies ist nur ein Auszug der Angebote:

"Was trägt uns in unsicheren Zeiten"
22. März, 19 Uhr, Kirchliches Zentrum Eben-Ezer Ein dialogischer Vortrag über das Vertrauen von Anne u. Nikolaus Schneider (Berlin)

Grundkursus „Sterbende Begleiten"

Start am 29. April (9.30 bis 16.30 Uhr) in Blomberg und sieben Mal jeweils dienstagsvormittags von 9 bis 11.30 Uhr, außer am 16. Mai

"Wann darf ein Mensch sterben?”
Mittwoch, 21. Juni, 19 Uhr, Vortrag der Mobilen Ethikberatung in Lippe (MELIP), Seniorenresidenz Hoffmannspark, Hoffmannstraße 7a, Bad Salzuflen

„Tag der offenen Tür"
Fünf Jahre Beratungsstelle, Samstag, 1. Juli, Lange Straße 9, Bad Salzuflen

Informationen zur Erstellung einer Patientenverfügung ist in persönlichen Einzelgesprächen jederzeit auf Anfrage möglich.

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