Babyklappen bleiben bestehen

Familienministerin Schröder will Einrichtungen rechtlich regeln

VON SANDRA SPIEKER

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Berlin/Hüllhorst/Paderborn. Sie sind umstritten, seit es sie gibt. Für einige Mütter in Not sind sie der letzte Ausweg. Rund hundert Babyklappen gibt es in Deutschland, sieben in Ostwestfalen-Lippe. Noch im vergangenen Jahr sah es so aus, als wollte das Bundesfamilienministerium die anonymen Einrichtungen abschaffen.

Jetzt korrigierte Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ihre Pläne: Das Ministerium wolle das Angebot von Babyklappen in den kommenden drei Jahren "evaluieren und Standards für deren Betrieb erarbeiten", hieß es.

Wie eine Sprecherin mitteilte, soll das weiter Teil des Gesetzes zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt sein. Der Gesetzentwurf steht derzeit noch in der Abstimmung mit den Fraktionen und ist noch nicht abgesegnet.

"Wir sind natürlich froh darüber, dass Frau Schröder zurückgerudert ist", sagt Annette Tietze aus Hüllhorst (Kreis Minden-Lübbecke). Für verzweifelte Frauen, die ihre Lage für ausweglos halten, hat sie im Jahr 2000 in ihrem Heimatort ein Babykörbchen in Trägerschaft der Freien Christengemeinde Eickhorst eingerichtet. Fünf Säuglinge wurden seitdem in die Wiege in Hüllhorst gelegt, eine Mutter entschloss sich wenige Tage später, ihr Kind wieder zu sich zu nehmen.

"Gern würden wir hier auch anonyme Geburten anbieten, finden aber leider kein Krankenhaus dafür", sagt Tietze. Eine vertrauliche Geburt, wie sie das Familienministerium ermöglichen will, sieht Tietze nur als Parallellösung zur Babyklappe. Nach einer vertraulichen Geburt kann das Kind seine Herkunftsurkunde ab dem 16. Lebensjahr einsehen.

"Man kann Babyklappen nicht einfach ersatzlos streichen", sagt auch Claudia Englisch-Grothe vom Sozialdienst Katholischer Frauen, dem Ansprechpartner für das Paderborner Babyfenster. Das würde eine Lücke hinterlassen, die nicht so einfach geschlossen werden kann.

Der Sozialdienst vermittelt die Kinder an Familien, das Jugendamt hat die Vormundschaft, Träger der Babyklappe ist ein Verein. Diese Dreiteilung, sagt Englisch-Grothe, sei optimal. So könne jeder dem anderen auf die Finger schauen. In anderen OWL-Städten fungiert das Jugendamt auch als Vermittler.

Dass die Babyklappen generell überprüft werden sollen, halten die Expertinnen für legitim. "Aber jede Einrichtung bemüht sich jetzt schon um vernünftige Standards", sagt Annette Tietze.

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