Der Hiddeser Louis Weßels blickt auf sein erfolgreiches Jahr 2016 zurück

Sebastian Lucas

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Nach seinem ersten Sieg auf der ATP-Tour stellte er sich im Juli in Hamburg den Fragen der Journalisten. - © Frank Molter
Nach seinem ersten Sieg auf der ATP-Tour stellte er sich im Juli in Hamburg den Fragen der Journalisten. (© Frank Molter)

Detmold. Hinter dem Detmolder Tennis-Nachwuchs-Ass Louis Weßels liegt ein sehr erfolgreiches Jahr. Der 18-Jährige etablierte sich nicht nur unter den stärksten 20 Junioren weltweit, sondern gehört in seinem Jahrgang auch zu den bestplatziertesten Spielern der ATP-Weltrangliste. Er liegt aktuell auf Position 539. Bei einem LZ-Besuch blickte der waschechte Lipper, der im DTB-Bundesstützpunkt in Hannover lebt und trainiert, zurück und voraus. Er erzählt bei einer Cola, die er lieber aus der Flasche statt aus dem Glas trinkt, unter anderem, wie sein erster Sieg auf der ATP-Tour sein Leben veränderte.

Louis, 2016 ist gerade vorbei. Haben Sie sich an Silvester ein Glas Sekt auf das abgelaufene Jahr gegönnt?

Louis Weßels: Ich mag keinen Sekt, auch Bier schmeckt mir irgendwie nicht. Meine Eltern wollten, dass ich ein Glas Sekt trinke. Einen Grund dafür gab es ja auch: Es liegt ein sehr erfolgreiches Jahr hinter mir.

Konkret?

Weßels: Ich habe mich spielerisch und persönlich weiterentwickelt. Ich bin offener, männlicher geworden, die Kindheit ist vorbei.

Und dann gab es diesen Sieg in Hamburg. Mit dem 5:7, 6:2, 6:1 gegen den Kanadier Steven Diez am Rothenbaum gelang Ihnen im Juli beim Debüt auf der ATP-Tour gleich eine faustdicke Überraschung.

Weßels: Mit diesem Erfolg hatte ich selber nicht gerechnet. Drei Tage vorher bekam mein Trainer Peter Pfannkoch einen Anruf von den Verantwortlichen um Turnierdirektor Michael Stich. Nach vielen Absagen boten sie mir neben Marvin Möller, der auch zum Talent-Team des DTB gehört und aus Hamburg stammt, eine Wild-Card an. Ich hatte etwas Angst, da wir gerade in Wimbledon waren und auf Rasen spielten. Im Doppel kam ich bei dem Junioren-Grand-Slam-Turnier bis ins Halbfinale. Mir blieben also nur eineinhalb Tage, um mich auf einen ganz anderen Belag, Asche, umzustellen.

Wieso klappte das dann so gut?

Weßels: Weil ich zur richtigen Zeit perfekt spielte. Dass ich das Niveau habe, wusste ich. Ich wollte die Partie vor 1.500 Zuschauern auf dem Court 1 einfach nur genießen, die Lockerheit war da. Diez hatte alle Junioren geschlagen, doch ich spielte wie von einem anderen Stern.

Und danach?

Weßels: Die Aufmerksamkeit, die ich bekam, war unglaublich. Ich war der jüngste Spieler in diesem Jahr, der ein Match auf der ATP-Tour gewann. Es folgten Pressekonferenz und viele Interviewtermine. Ich war unter anderem im Sat1-Morgenmagazin. Die Welt änderte sich komplett: Mein Handy vibrierte ständig, beim Training am nächsten Tag schauten Besucher zu und wollten anschließend Autogramme.

Nach dem spielfreien Tag folgte das 1:6, 1:6 gegen Martin Klizan aus der Slowakei, den späteren Turniersieger. Auf einmal war alles anders?

Weßels: Ja, es ging auf den Centre Court. 4.500 Zuschauer kamen, und ich betrat als Zweiter den Platz. Die Zuschauer erhoben sich, während des Matches standen sie nach jedem Punktgewinn auf. Ich war viel angespannter und wollte gut starten. Aber das war nicht möglich. Trotz des deutlichen Ergebnisses hatte ich meine Möglichkeiten.

Der Rummel legte sich wieder?

Weßels: Ich habe die Zeit genossen, schoss in der Weltrangliste von 0 auf 600. Doch am nächsten Tag musste ich wieder nach Mannheim zur Schule. Es folgte die Europameisterschaft in der Schweiz. Nach meiner Rückkehr hatte sich alles wieder beruhigt, es ist ein schnelllebiges Geschäft.

Wie habe ich mir Ihr Leben in Hannover vorzustellen?

Weßels: Im Bundesstützpunkt habe ich ein Zimmer, mache morgens eineinhalb Stunden Fitness. Es folgen zwei Tennis-Einheiten und dann noch Konditionstraining. Abends ist dann noch Physiotherapie.

Dazu kommen die Turniere. Wer plant die?

Weßels: Vornehmlich mein Trainer, 2016 waren es zirka 25. Im Hintergrund zieht mein Manager, Rainer Schüttler, der in der Schweiz lebt, viele Strippen. Ich unterhalte mich oft mit ihm, er war selber die Nummer fünf der Welt und besitzt einen enormen Erfahrungsschatz. Davon möchte ich profitieren.

Und finanziell?

Weßels: Die Situation hat sich entspannt. Für den Sieg in Hamburg gab es beispielsweise eine ordentliche Prämie. Zudem steht der DTB voll hinter mir. Ich rücke nun in den B-Kader auf, zu dem auch Philipp Kohlschreiber, Alexander Zverev und Jan-Lennard Struff gehören. Für mich und meine Eltern entstehen keine großartigen Kosten mehr. Für ihre Unterstützung bin ich ihnen total dankbar.

Wie sehen die Pläne für 2017 aus?

Weßels: Bis Ende Februar steht das Programm. Ich starte bei einem Challenger-Turnier in Koblenz, das mit 42.000 Euro dotiert ist. Dort treten Spieler zwischen Rang 100 und 500 der Welt an, diese Turniere sind der Einstieg. Es folgen zwei Challenger-Turniere in Frankreich. Im März muss ich dann für zweieinhalb Monate zur Schule nach Mannheim, um mein Abitur zu machen.

Wo wollen Sie Ende 2017 stehen?

Weßels: Unter den Top 500.

Und in fünf Jahren?

Weßels: Unter den Top 100. Klar ist: Du brauchst einen langen Atem. Mit 22, 23 Jahren schaffen die meisten erst den Sprung. Meine Entwicklung stimmt, das spüre ich vor allem auch im Training.


Kommentar: "Ein sehr langer Atem ist nötig"

von Sebastian Lucas

Louis Weßels ist groß, genau 2,00 Meter. Und: Das Jahr 2016 ist für das Nachwuchstennis-Ass sehr gut gelaufen. Er sprang in der Weltrangliste von 0 auf aktuell 539 und war für einige Tage, nach seinem ersten Sieg auf der ATP-Tour, ein gefeierter Sportheld. Gefühlt: ein richtig Großer.

Klar ist: Lippe darf sich nach dem Abschied der Blombergerin Linda Stahl, die beim Speerwerfen als Europameisterin sowie Olympia-Bronze-Gewinnerin herausstach und Ende 2016 ihre Karriere beendete, über einen neuen Hoffnungsträger Abseits der Handballhallen freuen. Weßels besitzt Potenzial, er nimmt viel auf sich und ist einen weiteren Schritt zu einem erfolgreichen Tennis-Profi gegangen. In Hannover trainiert er fleißig, auch das Abitur, das er an einer Privatschule in Mannheim ohne viele Präsenzzeiten machen kann, nimmt er 2017 in Angriff.

Nach dem Erfolg in Hamburg am Rothenbaum „änderte sich die Welt komplett", wie er selber erzählt. Doch das Geschäft mit der gelben Filzkugel läuft nicht mehr wie zu Zeiten von Boris Becker, der mit 17 Jahren Wimbledon gewann und ein Ausnahmetalent war. Die Spieler in der Weltspitze sind 27 Jahre und älter, so dass Weßels nicht nachlassen darf, um an die großen Geldtöpfe zu kommen. Seine Aussage „Der Sport ist ein schnelllebiges Geschäft" trifft es gut. Dass er es selber erkennt, zeigt auch: Der 18-Jährige ist gereift, auch als Persönlichkeit.

Mit dem Rückenwind, die ihm der Deutsche Tennis-Bund nun gibt, kann der Hiddeser seinen Weg weitergehen. Die Familie muss nicht mehr tief in die Tasche greifen und mit ihrem Louis um die Welt jetten. Ein Ass, das hilft.

Information

Persönlich

Louis Weßels ist ein waschechter Lipper und wuchs in Hiddesen auf. Dort wohnen seine Eltern und Schwester Shari (14). Der 18-jährige Bayern-München-Fan gehört zum DTB-Talentteam und rückt nun in den B-Kader auf. Er wohnt und trainiert im Stützpunkt Hannover, an einer Privatschule in Mannheim möchte er im Sommer sein Abitur machen. Weßels ist 2,00 Meter groß und 88 Kilogramm schwer, sein Aufschlag (über 200 km/h) und seine Vorhand sind seine stärksten Schläge.

Die Freundin von Louis Weßels kommt aus Berlin. Alle zwei Wochen besucht der Detmolder seine Eltern. Für BTTC Bielefeld schlägt Weßels nun als Nummer eins in der 2. Bundesliga auf.

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