Aders und Fritzemeier: Über den Hermannslauf Freundschaft geschlossen

Stephanie Frust

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Geteilte Freude, ist doppelte Freude: Die Norwegerin Hilde Aders (r.), zweimalige Siegerin des Hermannslaufes, genießt ihr Glück gemeinsam mit der Bielefelder Läuferin Stephanie Fritzemeier, 2015 Dritte, 2016 Zweite. - © Christian Weische
Geteilte Freude, ist doppelte Freude: Die Norwegerin Hilde Aders (r.), zweimalige Siegerin des Hermannslaufes, genießt ihr Glück gemeinsam mit der Bielefelder Läuferin Stephanie Fritzemeier, 2015 Dritte, 2016 Zweite. (© Christian Weische)

Bielefeld. Der Facebook-Post von Anfang Januar ist originell. Und verrät vor allem eines über Stephanie Fritzemeier: Der Hermannslauf ist ihre große Leidenschaft. Mittels Bilderrätsel gestaltete die Läuferin vom TSVE 1890 Bielefeld einen Weckruf zum Anmeldestart für den 46. Teuto-Klassiker am 30. April und erhielt dafür gleich ein „Gefällt mir" von ihrer Konkurrentin und zugleich Freundin, Hilde Aders aus dem 2.800 Kilometer entfernten Tromsø.

Die Norwegerin kam 2014 über familiäre Verbindungen nach Bielefeld zu ihrer ersten Teilnahme am Hermannslauf und hat diesen seitdem in ihr Herz geschlossen. „Ich mag diese Varianten von Sand, Wald, Asphalt und Treppen. Und auch wegen der Stimmung ist er einer der schönsten Volksläufe, die ich kenne."

Stephanie Fritzemeier und Hilde Aders gehen am letzten Aprilsonntag als Favoritinnen auf die 31,1 Kilometer von Detmold nach Bielefeld. Aders liegt als Gewinnerin der vergangenen beiden Jahre eine größere Nasenlänge vorn gegenüber der TSVE-Läuferin, die zuletzt die Plätze drei und zwei belegte. Wer von beiden es am Ende ganz oben aufs Treppchen schafft oder ob sich doch eine andere Athletin an ihnen vorbeischiebt, ist aber von nachrangiger Bedeutung.

Das, was für jede Läuferin, jeden Läufer zählt, ist das Gesamtphänomen: Die Stimmung vor, während und nach dem Wettkampf. Das Naturgeplänkel, das eigene Wohlbefinden auf der Strecke, das Erlebnis, an die eigenen Grenzen gegangen zu sein und möglichst die persönliche Bestzeit erreicht oder gar verbessert zu haben. „Immer, wenn ich laufe, möchte ich schneller sein als vorher", erzählt Aders. „Sonst ergibt das ganze Training doch keinen Sinn, oder?"

Wenn ihr das gelinge – beim Hermann beispielsweise steigerte sich die 26-Jährige von 2:17:48 Stunden bei ihrer ersten Teilnahme 2014 über 2:07:02 (2015) auf 2:05:47 (2016) – sei die Platzierung zweitrangig. So konnte sich die angehende Grundschullehrerin über ihren zweiten Platz beim Oslo-Marathon 2016 genauso freuen wie über ihren Sieg beim gleichen Wettbewerb ein Jahr zuvor. Eben weil sie den als norwegische Meisterschaften ausgetragenen Lauf in persönlicher Bestzeit von 2:51:03 Stunden meisterte und damit schneller war als bei ihrem Triumph 2015.

Gleichzeitig verhehlt sie nicht, dass sie gern als Tagesschnellste aufs Treppchen steigt. „Normalerweise laufe ich mein eigenes Rennen. Aber wenn wir auf der Zielgeraden zu zweit oder zu dritt sind, dann hoffe ich doch, dass ich gewinne." Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr das beim 46. OWL-Klassiker in neun Tagen erneut gelingt, ist groß.

Im vergangenen Jahr lief die Norwegerin trotz Rückenschmerzen als Solistin zum Sieg. Elf Minuten vor Stephanie Fritzemeier erreichte sie das Ziel an der Sparrenburg. Deshalb sind die Hoffnungen, dass der Lorbeerkranz dieses Mal in Bielefeld bleibt, auch gering.

Verwandlung: Hilde Aders’ Siegerkranz aus dem vergangenen Jahr erstrahlte Monate später in weihnachtlichem Glanz. - © Aders
Verwandlung: Hilde Aders’ Siegerkranz aus dem vergangenen Jahr erstrahlte Monate später in weihnachtlichem Glanz. (© Aders)

„Ich weiß nicht, wie ich diese elf Minuten aufholen soll. Die Hilde ist voll im Training, hat in Norwegen optimale Bedingungen. Für sie sind die Höhen beim Hermann Hügel", sagt Fritzemeier anerkennend über ihre Facebook-Freundin. Deshalb konzentriert sich die 25-Jährige auf eine neue persönliche Bestzeit und ist diesbezüglich zuversichtlich.

Vor zwei Jahren haben sich die beiden Läuferinnen beim Hermannslauf kennengelernt. Wenn man gemeinsam auf dem Treppchen steht, gibt es viel zu erzählen. „Das gefällt mir so an diesem Sport", sagt Fritzemeier. „Ich habe so viele Freunde gefunden und lerne immer wieder neue Menschen kennen."

Es könnten bald noch einige Bekanntschaften hinzukommen. Falls sie der Einladung ins Land der Elche folgt. „Nord-Norwegen muss man einfach mal gesehen haben", meint Hilde Aders. „Und wir haben hier in Tromsø zwei wunderschöne Läufe." Und einen an den Hermann erinnernden Weihnachtskranz. „Den hat Tante Rita aus meinem Siegerkranz gebastelt." Wie originell!

Letzte Folge: Drei Renntaktiken für unterschiedliche Köpfe und Beine.

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