Löw hält an Özil und Gündogan fest: So sehen Fußball-Promis aus OWL den Fall

Frank Hellmann

Özil und Gündogan stehen in der Kritik.        - © Arne Dedert/dpa
Özil und Gündogan stehen in der Kritik.        (© Arne Dedert/dpa)

Dortmund. Bundestrainer Joachim Löw hat bei der Vorstellung des vorläufigen WM-Kaders für Russland deutlich gemacht, dass für ihn zu keinem Zeitpunkt ein Ausschluss von Mesut Özil und Ilkay Gündogan zur Debatte stand. Richtig? Wir haben Prominente aus dem Fußball in Ostwestfalen gefragt.

Dass das Dortmunder Fußballmuseum vis-à-vis zum Hauptbahnhof auch einen sehr geräumigen Vorplatz mitsamt Sonnenliegen bekommen hat, auf dem es sich aushalten lässt, hat sich herumgesprochen. Am Dienstag schienen es viele Menschen gar nicht erwarten zu können, dass die überdimensionalen Schattenbilder an der Außenfassade mit den Konterfeis jener Kicker beklebt werden, die nunmehr das vorläufige WM-Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft bilden. Dass darunter sich auch Mesut Özil und Ilkay Gündogan befinden, stand außer Frage.

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Ex-SCP-Spieler Deniz Naki hat ebenso wie der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau das Treffen der beiden Nationalspieler mit dem türkischen Staatspräsidenten deutlich kritisiert.

Daran ändert auch nichts, wenn sich die zwei türkischstämmigen Nationalspieler mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten lassen.
„Selbstredend nicht. Zu keiner Sekunde!" betonte Bundestrainer Joachim Löw zu der zwangsläufigen Frage, ob ihn das klassische Eigentor seiner in Gelsenkirchen geborenen Nationalspieler denn habe nachdenken lassen, die beiden nicht für die WM in Russland zu nominieren. Ihr Fotoshooting inklusive Überreichen eines bei Gündogan sogar handschriftlich signierten Trikots hatte parteienübergreifend handfeste Kritik hervorgebracht.

Grindel versucht PR-Desaster diplomatisch zu glätten

Reinhard Grindel, früherer CDU-Bundestagsabgeordneter und aktueller Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), versuchte sich am Tag nach dem PR-Desaster als Diplomat. Einerseits sei das Problem dieser Aktion, „dass das Trennende wieder hochkommt." Grindel hatte zunächst die Sorge formuliert, dass damit „der Integrationsarbeit des DFB sicher nicht geholfen wird". Am Dienstag betätigte sich der 56-Jährige bereits wieder als Brückenbauer, indem er bat: „Menschen können Fehler machen. Ich bitte das Maß zu wahren und maßvoll zu reagieren."

Özil und Gündogan sollen nicht in die Strafecke

Doch müssen dann nicht gerade Leitfiguren wie Özil und Gündogan einen so klaren Kopf beweisen wie der in Frankfurt geborene Emre Can? Der hatte dem Vernehmen nach auch eine Einladung zu der von Erdogan als Wahlpropaganda missbrauchten Veranstaltung in London erhalten, aber der verletzte Spieler des FC Liverpool blieb fern. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff gab sich Mühe, zwei wichtige Spieler nicht in die Strafecke zu stellen: „Ich habe mit beiden gesprochen." Ihnen sei nicht ganz klar gewesen, was bei dem Event in London mit 400 Gästen ablaufe. Und: „Man muss verstehen wie Türken ticken."

Im Doppelpass auf die Agenda von Angela Merkel

Das Verhalten von Özil und Gündogan wirkt befremdlich, weil beide die Branche kennen sollten: Özil als bald 30 Jahre alter Spielmacher des FC Arsenal bestreitet demnächst sein 90. Länderspiel; der drei Jahre jüngere Gündogan als Taktgeber von Manchester City hat mit reflektierenden Interviews wiederholt sein Profil geschärft. Nun haben es die Ballvirtuosen im Doppelpass geschafft, bis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel vorzudringen, die ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten ließ, es sei eine Situation gewesen, „die zu Missverständnissen einlud".

Nichtsdestotrotz wollte Löw ihnen die Vorbildfunktion nicht absprechen. „Bei Spielern mit Migrationshintergrund schlagen oft in der Brust zwei Herzen. Es ist nicht immer so leicht, das unter einen Hut zu bringen. Ich glaube, es ist eine Lehre für sie."

Meinungen von Fußball-Promis aus OWL

Markus Krösche (Sportchef SC Paderborn): „Natürlich weiß jeder, wie Präsident Erdogan in der Türkei regiert und dass es dort auch mit den Menschenrechten nicht gut bestellt ist. Die Spieler müssten wissen, dass ihr Handeln eine gewisse Wirkung erzeugt. Sie aus dem Kader zu streichen, wäre meiner Meinung nach nicht richtig, weil sie sich bestimmt nicht vorgestellt haben, was sie mit ihrer Aktion bewirken."

Hans-Jürgen Laufer (Präsident Arminia Bielefeld): „Das war sicherlich kein glücklicher Zeitpunkt, sich unter diesen Umständen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie der Bundestrainer damit umgeht, ist seine Sache. Alle sollten jetzt den Ball flach halten und sich darauf konzentrieren, den Titel zu verteidigen."

Burckhard Kramer (Vorstandsmitglied SC Wiedenbrück): „Dass Joachim Löw die beiden für die WM nominiert hat, ist in Ordnung. Die Aktion von Özil und Gündogan ist natürlich überhaupt nicht gutzuheißen und menschlich enttäuschend. So dumm, wie sie sich jetzt in der Presse darstellen, sind sie nicht."

Raimund Bertels (Vorsitzender SC Verl): „„Beide sollten einen Denkzettel bekommen, aber sie mit der Nichtnominierung bestrafen? Das ist eine schwierige Frage. Özil und Gündogan sollten überlegen, was passiert wäre, wenn sie sich negativ über Erdogan geäußert hätten. Wahrscheinlich dürften sie nicht mehr in die Türkei einreisen."

Alexander Müller (Geschäftsführer SV Rödinghausen): „Schlimmer als das Treffen finde ich das, was Gündogan für seinen ’verehrten Präsidenten’ auf das Trikot geschrieben hat. Die Spieler müssen aufpassen, dass sie sich nicht für Zwecke hingeben, deren Folgen nicht absehbar sind."

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