Finale furioso: HSG schießt TV Nellingen in die 2. Liga

Sebastian Lucas

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Ganz viel Platz hat hier Gisa Klaunig, die einen ihrer drei Treffer markiert. - © Sebastian Lucas
Ganz viel Platz hat hier Gisa Klaunig, die einen ihrer drei Treffer markiert. (© Sebastian Lucas)

Blomberg. Abschied zu nehmen, tut weh. Während die HSG Blomberg-Lippe nach dem überzeugenden 37:23 (18:9) sechs Spielerinnen „alles Gute" wünschte, musste sich der TV Nellingen als Vorletzter aus der Eliteklasse verabschieden. Entsprechend gab es am Samstagabend nach dem letzten Saisonspiel in der Frauenhandball-Bundesliga ganz viele emotionale Momente.
Und die Gemütslage konnte nach der Schlusssirene nicht unterschiedlicher sein.

Als die Blombergerinnen sich freudestrahlend mit mehreren Ehrenrunden bei den begeisterten Anhängern bedankten, saßen die Gäste-Spielerinnen auf und neben der Bank, versteckten teilweise ihr Gesicht unter ihrem Trikot und vergossen Tränen. Ganz leise gingen sie mit gesenktem Kopf kurze Zeit später in die Kabine.
Die Bühne war frei für die Blomberger Mannschaft und die Verantwortlichen.

HSG-Trainer Andre Fuhr bekam viel Applaus für seine kurze Spielanalyse: „Wir haben ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht. Ich bin stolz auf das, was die Mannschaft geleistet hat." Obwohl es für die Lipperinnen nur noch um die berühmte „goldene Ananas" ging, hatten sie sich voll auf das letzte Spiel konzentriert und knackten mit dem Sieg doch noch die 20-Punkte-Marke.

HSG-Geschäftsführer Thorsten Pfenning berichtete, dass alle immer viel Spaß gehabt hätten: „Da es meine erste Saison im Frauenhandball war, kann ich behaupten: Es war die beste, die ich je erlebt habe." Fuhr widersprach: „Nach 0:14 Punkten zum Start hatten wir nicht immer Spaß." Ansonsten herrschte Einigkeit unter den Verantwortlichen.

Beiratschef Jens Genge zog – genauso wie Fuhr – verbal „den Hut" und schickte die Anhänger zum Tresen: „Jetzt gibt es Freibier. Sollte es nicht reichen, weiß der Beiratschef, wo noch ein Fass steht."
Vorher hatten die scheidenden HSG-Spielerinnen die eine oder andere Träne verdrückt.

Gordana Mitrovic, die mit Josefine Huber zum Thüringer HC wechselt, nahm sich trotzdem das Mikrofon, um persönlich „Danke zu sagen". Alle anderen überließen Fuhr und Franziska Müller das Reden. Mit Samara da Silva Vieira verliert das Team laut Müller „die Nageldesignerin".

Szimonetta Gera nannte die Linksaußen „einen totalen Familienmenschen". Und Huber ist für Franziska Müller „eine der liebsten Menschen, die ich kenne. Deine fröhliche, verträumte Art werden wir vermissen." Zu Mitrovic sagte Blombergs Nummer 5: „Du bist eine Kämpferin. Bleib’ so, wie du bist." Mit Adriana Cardoso de Castro verabschiedete die HSG auch ihren Publikumsliebling. Unter „Adi-Sprechchören" der E-Jugend hob Müller „den Teamplayer, der immer mit vollem Herzen dabei ist", hervor.

Nach sieben Jahren ging auch Denise Großheim. Für Müller „Miss Negativ mit einem HSG-Vorzeigeweg". Und Fuhr verriet: „Wir haben viel geschafft." Weinend hatte er Großheim damals in der Stadt getroffen: „Heimweh, nach zwei Tagen in Blomberg."

Ein Tor blieb Großheim übrigens vergönnt. Erst nach der Schlusssirene traf sie zum vermeintlichen 38:23. Somit blieb die künftige Mainzerin am Samstag die einzige HSG-Feldspielerin ohne Tor. So war es „nur" ein fast perfekter Abend.

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