Sieg im Neunmeterschießen: TBV Lemgo holt den LZ-Cup

Dietmar Welle

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Das Siegerteam: Mit dem TBV Lemgo holt erstmals ein Team aus dem FuL-Kreis Lemgo den LZ-Cup in der Phoenix-Contact-Arena. - © Paul Cohen
Das Siegerteam: Mit dem TBV Lemgo holt erstmals ein Team aus dem FuL-Kreis Lemgo den LZ-Cup in der Phoenix-Contact-Arena. (© Paul Cohen)

Lemgo. Ein Wechselbad der Gefühle hat die Fußball-Mannschaft des TBV Lemgo auf ihrem Weg zum LZ-Cup-Gewinn 2019 durchlebt. Erst mit dem 10:9 im Neunmeterschießen im Finale gegen den TSV Horn stand der zweite Titelgewinn in der Vereinsgeschichte fest – und der Jubel kannte keine Grenzen.

So lief die Finalrunde 2019

„Wir wollten den Pott – und wir haben ihn. Endlich, endlich", ließ TBV-Angreifer Ali Celik seinen Gefühlen freien Lauf. Zuvor hatte er miterlebt, wie in der Gruppenphase nach dem 1:2 gegen den starken SuS Pivitsheide eigentlich schon der Ofen aus war. Doch nach dem 2:0 gegen Barntrup zeigten die Schützlinge von Dennis Dinkelborg und Ilker Siviloglu keine Nerven, als sie den enttäuschenden Vorjahressieger FC Augustdorf mit 2:1 bezwangen und damit als bester Zweiter das Halbfinale gegen die favorisierte SG Hiddesen-Heidenoldendorf erreichte. Und da ging es beim 4:1-Erfolg Schlag auf Schlag durch Treffer von Hett, Öztürk und zweimal Özmen.

Fotostrecke: Die Endrunde des LZ-Cups in Lemgo


TSV Horn schlug im zweiten Halbfinale SuS Pivitsheide mit 2:1 in letzter Sekunde durch einen Cihat-Keles-Treffer, nachdem zuvor er selbst und SuS-Goalgetter Dennis Zurheide für das 1:1 gesorgt hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Cihat Keles als mitangreifender Keeper Akzente gesetzt.

Doch das sollte im Finale ganz anders kommen. Doch der Reihe nach. Lemgo ging durch Ali Celiks Traumtor in den Winkel mit 1:0 in Front, Patrick Kötter ließ das 2:0 folgen, ehe Amin Hassan zum 1:2 abschwächte. Celiks zweiter Treffer bedeutete das 3:1, dann verwertete Cihat Keles einen an ihm selbst verwirkten Neunmeter zum 2:3. Als Horns Berkan Karaduman eine Zeitstrafe wegen Foulspiels sah, fiel in der letzten Sekunde der Überzahl das 4:2 durch Celik für Lemgo. Der Fisch schien geputzt, die Partie entschieden. Denkste.

Mit ungeheurem Willen erzwangen Karaduman per Kopfball und Oguzhan Keles das 4:4, kurz zuvor hatte Cihat Keles noch einen Neunmeter (verwirkt an Serkan Kilinc) nebenher geschossen. Neunmeterschießen. Das ging reibungslos über die Bühne. die Spieler trafen, bis Kilinc versemmelte und Öztürk den alles entscheidenden Treffer markierte.

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„Warum haben wir es so spannend gemacht", fragte sich später TBV-Angreifer Oliver Hett kopfschüttelnd,während Fatih Öztürk mit seinen Gedanken beim unterlegenen TSV Horn war: „Die haben durch den tödlichen Unfall ihres Spielers Oguzhan Yavuz Anfang der Woche sicher alles andere als Gedanken an Fußball gehabt und ich hätte ihren den Titel auch gegönnt." Horns Manager Ender Ünal: „Wir kämpfen für den verunglückten Oguzhan und genießen einfach, dass wir dabei sind." Trikots mit dem Konterfei Yavuz’ hielten die TBV-Spieler dann auch auf dem Siegerfoto in die Höhe.

Dass die Sympathien der Fans beim TSV Horn gelegen hatten, störte Siviloglu keineswegs: „Das hat uns noch angespornt." Siviloglu selbst verzichtete auf seinen Einsatz anders noch als bei der Zwischenrunde in Bad Salzuflen: „Das war die Bühne meiner Jungs. Die haben es verdient." So bildeten Siviloglu und Dennis Dinkelborg an der Bande eine Doppelspitze. „Was wir mit den 1500 Euro machen? Keine Ahnung", vermutete Siviloglu, das „wir erstmal zusammen essen gehen und dann weiterschauen." Weiter in die Zukunft schauten Werner Fritzensmeier und Bernhard Brandt vom FuL-Kreis Lemgo, die sich über den Verlauf der 16. Auflage des LZ-Cups freuten: „Das war wirklich super."

Mario Gottschalk führt Frauen des FC Donop-Voßheide zum LZ-Titel

Dem FC Donop/Voßheide gelingt die Titelverteidigung - © Paul Cohen
Dem FC Donop/Voßheide gelingt die Titelverteidigung (© Paul Cohen)


Lemgo. So eine positive Resonanz hat die Finalrunde der besten lippischen Frauen-Fußballmannschaften in der Lemgoer Phoenix–Contact-Arena gefunden. Nach dem 3:0 im Endspiel gegen den TSV Sabbenhausen strahlte Mario Gottschalk, Trainer des FC Donop-Voßheide, über beide Backen: „Die Unterstützung der Fans war klasse. Die volle Halle hat eine wunderbare Atmosphäre geboten." Und wahrlich: Jede gute Aktion der Damen fand ihren Applaus auf den Rängen.

Im Finale selbst sahen die Fans allerdings eine eher einseitige Partie. Donop-Voßheide spielte seine Landesliga-Erfahrung aus und drängte den Gegner aus Sabbenhausen in die Defensive. Da kam es nicht von ungefähr, dass Tina Rother, Charlotte Meier und Milena Szymkowiak in regelmäßigen Abständen der Sabbenhauser Torhüterin Henrike Kräft das Nachsehen gaben.

Schon im Halbfinale gegen die SG Alverdissen/Extertal hatte Donop-Voßheides Schlussfrau Annika Schlosser mit wehendem Pferdeschwanz ihren Kasten sauber gehalten. Zweimal Charlotte Meier markierte die Siegtreffer zum 2:0. Ebenso glatt setzte sich Sabbenhausen gegen VfL Hiddesen durch. 2:0 hieß es nach der regulären Spielzeit durch Treffer von Vanessa Tölle und Faye Oakley.

Das Aufeinandertreffen von Donop-Voßheide und Sabbenhausen im Finale war die Neuauflage der Partie von vor zwei Jahren, als Sabbenhausen überraschenderweise die Nase mit 1:0 vorne gehabt hatte. „Doch diesmal war es ein verdienter Sieg für uns", so Gottschalk, der allerdings auch einräumte, dass Sabbenhausen „ein Tor durchaus hätte schießen" können. Aber Anja Heptners letzte Aktion in dieser Partie ließ zwar die Besucher jauchzen, doch etwas Zählbares sprang nicht heraus. „Entspannt ist anders", hatte noch TSV-Trainer Jürgen Hasse gesagt.

„Ich bin sehr angetan von den Spielen und habe auch eine Steigerung gesehen", sagte Dr. Axel Lehmann mit freudiger Stimme, nachdem er die Preisgelder an die vier Mannschaften verteilt hatte. Und Lehmann ließ auch keinen Zweifel daran, dass er sich auf die nächste Austragung in der Phoenix-Contact-Arena freut: „Die Atmosphäre ist einmalig."


"Eine feine Sache für alle"

Das Wort zum LZ-Cup von Dietmar Welle

Wie hoch der Druck auf dem TBV lastet, dass erlebten die Zuschauer bei der Finalrunde um den LZ-Cup nach dem letzten Treffer des Tages. Außer sich vor Glück stürmten die TBV-Spieler auf den finalen Torschützen Fatih Öztürk zu und begruben ihn in einer Menschentraube unter sich.

Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte hielt wenig später der nach seiner kurzfristigen Abmeldung wieder als Kapitän auflaufende Zalem Özmen die begehrte Trophäe in der Hand. So richtig stolz waren die oft gescholtenen TBV-Kicker auf ihren nicht für möglich gehaltenen Coup, hatten den Spott, bei der Zwischenrunde nur mit zwei Ersatzspielern aufgelaufen zu sein, mit einer feinen Leistung beantwortet. Dass Öztürk später auch an den unterlegenen TSV Horn dachte, ist mehr als aller Ehren wert und zeigt auch, dass menschliche Zugewandtheit mehr zählt als der Erfolg auf dem Parkett.

Bewährt hat sich, da war sich Lemgos FuL-Kreis-Chef Werner Fritzensmeier mit den anderen Experten einig, die Spielzeit auf zwölf Minuten zu reduzieren. Das brachte knackigere Spiele und noch mehr Dramatik. Und auch die Frauen haben ihren Platz gefunden im großen Männer-Trubel.

Die 3.800 Fans, verteilt auf den ganzen Tag, fühlten sich bestens unterhalten, litten mit den enttäuschten Kickern aus Augustdorf, Hörstmar-Lieme, Barntrup und Detmold (allesamt höher eingestuft im Vorfeld) mit, verabschiedeten Lüerdissen, Oerlinghausen, SC Bad Salzuflen und FSV Pivitsheide mit warmem Applaus und spendeten Trost für SG Hiddesen-Heidenoldendorf und SuS Pivitsheide. Feine Sache.

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