TBV im Schlüsselspiel gegen Stuttgart

Jörg Hagemann

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Ständig auf der Suche nach der Lücke: Von dem flexibel einsetzbaren Tim Suton hängt heute viel ab. - © Jörg Hagemann
Ständig auf der Suche nach der Lücke: Von dem flexibel einsetzbaren Tim Suton hängt heute viel ab. (© Jörg Hagemann)

Lemgo. Es geht um viel, um sehr viel, wenn die beiden Handball-Bundesligisten mit dem ähnlich klingenden Namenskürzel (TBV vs. TVB) am Samstag, um 19 Uhr in der Lipperlandhalle aufeinandertreffen. Lemgo gegen Stuttgart. Der Verlierer hat im Kampf um den Klassenerhalt schlechte Karten.

Am Mittwoch noch konnten die TBV-Spieler ihren Konkurrenten ganz entspannt auf die Finger schauen. „Wir haben uns das Stuttgarter Spiel in der Flens-Arena gemeinsam im Videoraum der Lipperlandhalle angeschaut und gemeinsam gegrillt. Die Idee dazu kam aus der Mannschaft", berichtete Florian Kehrmann, der jedoch nur wenig neue analytische Erkenntnisse gewinnen konnte.

Mit „Mimi" Kraus, Dragan Jerkovic und Dominik Weiß fehlte den Bittenfeldern ein erfahrenes Trio, das die Statik des TVB 1898 Samstagabend deutlich verändern wird. Auch beim TBV gelten seit vergangenen Sonntag viele bekannte Muster nicht mehr. Von den drei verletzten Linkshändern werde definitiv keiner spielen können, weder der seit inzwischen zehn Wochen fehlende Kapitän Rolf Hermann, noch Donat Bartok und schon gar nicht Dominik Ebner.

Ein eigenes Comeback hat der Ende Juni 40 Jahre alt werdende Florian Kehrmann nie in Betracht gezogen. „Das stand zu keiner Zeit zur Debatte. Außerdem spielen die Jungs heutzutage viel zu dynamisch. Doch im Ernst: Man hat es ja am Comeback von Viktor Szilagyi gesehen. Der Kreuzbandriss war das Schlechteste, was ihm passieren konnte."

Für den TBV-Coach ist klar: „Jetzt müssen eben andere das Ding rocken." Konkret denkt er dabei an die beiden Rechtshänder Tim Suton und Jari Lemke, die auf der ungewohnten Halbrechtsposition bereits in Flensburg gut improvisierten. Eine Menge dürfte auch auf die Lemgoer Abwehr zukommen. Neben „Uns Mimi" Kraus feuert auch der im vergangenen Sommer aus Hamm an den Neckar gewechselte Marian Orlowski aus allen Lagen. Zuversichtlich stimmen Kehrmann jedoch die Fortschritte in der Defensive. Großer Anteil daran gebühre Christian Klimek: „Er ist super in diese Rolle reingewachsen und hat zuletzt ganz starke Leistungen geboten, egal auf welcher Position er im Innenblock gestanden hat."

Markus Baur und seine Crew, die erst am Donnerstag von Hamburg aus nach Stuttgart zurückgeflogen sind, wissen ebenfalls um die enorme Bedeutung dieser Partie. Bereits Freitagabend absolvierten sie noch eine Trainingseinheit im Lipperland. Florian Kehrmann hofft auch angesichts der personellen Ausfälle auf das Gespür des „achten Mannes": „Man muss nur gucken, was in Flensburg los ist, wie dort die Mannschaft nach vorne gepeitscht wird. Ich hoffe, dass auch unsere Zuschauer solch einen Druck ausüben. Das kann locker zwei, drei Tore ausmachen, die uns vielleicht von Halbrechts fehlen. Niemand darf sich zurücknehmen", erhofft sich der TBV-Coach auf und neben dem Spielfeld viele Emotionen.

Balingen und BHC zaubern neue Spieler aus dem Hut
Auch wenn die Not auf Halbrechts immens groß ist, verzichtet der TBV Lemgo im Abstiegskampf auf einen Panikeinkauf. Zwei Mitkonkurrenten haben dagegen noch einmal neue Spieler aus dem Hut gezaubert. Nach dem Bänderriss von Lars Friedrich erinnerte sich HBW Balingen-W. an Srdjan Predagovic, der beim benachbarten TV Neuhausen in der 2. Liga spielt und per Zweitspielrecht sofort auch bei den Galliern von der Alb einsetzbar ist.

Der 21-jährige Bosnier, der in der Jugendabteilung des VfL Gummersbach ausgebildet wurde, zündete mit 9/3 Treffern gegen Leipzig auf Anhieb. Weil die Wechselfrist bereits im Februar ausgelaufen ist, fischte der Bergische HC in exotischen Gefilden nach einem Joker. Fündig wurde er im Iran, von wo Spielmacher Pouya Norouzi Nezhad stammt. Viktor Szilagyi hatte sich an ein WM-Duell mit Österreich gegen den Iran an den 22-jährigen Mittelmann erinnert, der gleich einen Eineinhalb-Jahres-Vertrag beim BHC erhielt.

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